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29.05.2014

11:13 Uhr

Handelsblatt in China

Der Petro-Yuan

VonFinn Mayer-Kuckuk

Im Gefolge der Realwirtschaft spinnt China ein globales Finanzimperium. Der Yuan soll nicht nur im Gas-Deal mit Russland die Referenzwährung werden. In Peking hat man bereits weitreichende Pläne.

Eine 100-US-Dollar-Note (l.) und eine 100-Yuan-Note: Nach dem Willen der chinesischen Führung soll der Yuan den Dollar schnellstmöglich als Referenzwährung ablösen. Reuters

Eine 100-US-Dollar-Note (l.) und eine 100-Yuan-Note: Nach dem Willen der chinesischen Führung soll der Yuan den Dollar schnellstmöglich als Referenzwährung ablösen.

PekingZu den weniger beachteten Aspekten des Pakets von Abkommen zwischen China und Russland in der vergangenen Woche gehörte die Übereinkunft, den gegenseitigen Handel künftig in chinesischen Yuan abzuwickeln. Die staatlichen Banken VTB und Bank of China kündigten an, die nötige Systeme bereitzustellen, damit ihre Kunden Zahlungen künftiger einfacher in den eigenen Währungen tätigen können. VTB-Chef Anfrey Kostin nannte bei dieser Gelegenheit das Ziel der Vereinbarung: eine „Befreiung der Welt vom Dollar“.

Bis zum Verschwinden des Dollar, oder auch nur seinem Abtritt als Finanz- und Handelswährung, wird es nach Analysten noch eine Weile dauern. Doch die chinesische Politik arbeitet heftig darauf hin, die eigene Devise parallel dazu als einen wichtigen Spieler aufzustellen. „Die Finanzreformen laufen weiter, und wir erwarten, dass der Renminbi künftig eine deutlich prominentere Rolle auf der Weltbühne spielen wird“, sagt Ökonom Qu Hongbing von der Großbank HSBC.

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Vor allem entlang der „neuen Seidenstraße“, die China erklärtermaßen kreuz quer durch die eurasische Landmasse errichtet, steigt die Bedeutung des Yuan als Handelswährung. Im Jahr 2012 hat Peking erstmals bekannt gegeben, bei Ölgeschäften mit anderen Ländern künftig im Prinzip die eigene Devise zu bevorzugen – die nötige Technik dafür stehe bereit. 

Wirtschaftshistoriker werden diese Erklärung in der Zukunft möglicherweise einmal als den Anfang vom Ende des Dollar einordnen. Seit damals kursiert jedenfalls in Anlehnung an den seit den 70er-Jahren gebräuchlichen Begriff „Petrodollar“ das neue Wort „Petro-Yuan“.

Zunächst waren es Außenseiter-Staaten wie Iran und Venezuela, die als Zahlung für ihre reichlichen Öllieferungen in steigendem Maße Yuan zu akzeptierten. Auch Russland klinkt sich jetzt in einem Moment ein, wo es besonders schlecht auf die Länder des Westens zu sprechen ist und Unabhängigkeit demonstrieren will. Der Nebeneffekt der politischen Symbolik ist ein ganz Konkreter: Öl ist weiterhin eine der wichtigsten und teuersten Waren. Wer die Petro-Währung kontrolliert, hat enorme Refinanzierungsvorteile.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

29.05.2014, 11:56 Uhr

Endlich mal ein lesenswerte Artikel vom Pekinger Korrespondenten (und auch überhaupt)!

Die Ausarbeitung der Konsequenzen ist allerdings unvollständig, da die geopolitischen Konsequenzen nicht analysiert werden.

Erfahrungsgemäß sehen das nämlich die bisherigen Platzhirsche, die Anglo-Amerikaner nicht so gerne, wenn eine Konkurrenz zum Dollar auftaucht, bzw. ein Konkurrenz-System, bei der ihre Hochfinanz nicht mitverdienen kann.

China wird daher bereits jetzt mit Terror traktiert, sowohl direkt im Lande selbst als auch in Afrika, wo das Land Verträge über Infrastruktur und Rohstoffe abschließt, mit Ländern, die danach zufällig von Terroristen heimgesucht werden. Jüngstes prominentes Beispiel Nigeria (Stichwort: Boko Haram Mädchenraub):
http://english.cntv.cn/2014/05/07/VIDE1399450800412579.shtml
aber auch Kenia durfte mal kürzlich wieder diese Erfahrung machen (es geht um eine Eisenbahnlinie von der Küste nach Nairobi und dann weiter bis in den ölreichen Südsudan, wo auch zufällig wieder ein Bürgerkrieg stattfindet).

Daneben versucht das Imperium fleißig, China und Rußland von seinen Nachbarn, u.a. von uns (Bewohner der EUdSSR), zu isolieren, indem es Konflikte schürt (Ukraine, Territorialkonflikte Chinas mit allen Nachbarn im Ostchinesischen Meer, derzeit heiß die Sache mit Vietnam) und mit diesen Nachbarn / US-Vasallen "Frei-Handelsverträge" abschließt um diese stärker an sich zu ketten und um Rußland und China auszuschließen.

Wie gesagt, das US-Dollar-Imperium und seine Hochfinanz sehen das Bemühen Chinas und Rußlands nicht so gerne:

„Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte.“
Churchill zu Lord Robert Boothby, zit. in: Sidney Rogerson, Propaganda in the Next War, Vorwort zur 2. Auflage 2001.

Die Wolfowitz-Doktrin paßt nicht mehr, folgt im Anhang.

Account gelöscht!

29.05.2014, 12:01 Uhr

Wolfowitz-Doktrin in den Worten der "Grauen Eminenz" der US-Geopolitik Brzezinski:

Unser erstes Ziel ist es, das Wiederauftauchen eines neuen Rivalen zu verhindern, egal ob auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo, der eine ähnliche Bedrohung darstellt wie die Sowjetunion. Dies … erfordert, dass wir verhindern, dass eine feindliche Macht eine Region dominiert, deren unter Kontrolle gebrachten Ressourcen ausreichen würden, eine neue Weltmacht zu schaffen. Diese Regionen beinhalten Westeuropa, Ostasien, das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und Südwestasien. Zbigniew Kazimierz Brzezinski, Ex-US-Sicherheitsberater, 1997, The Grand Chessboard

Hierzu nocheinmal in diesem Zusammenhang meine Liste der Interessen der USA in dem vor unserer Haustüre stattfindenden Ukraine-Konflikt, den die USA wohl jetzt nach der Wahl wieder stärker anheizen werden:

a) Spaltung Europas (die alte „Teile und Herrsche“-Strategie, Verhinderung eines Eurasischen Wirtschaftsraums- entsprechend der alten britischen Heartland-Theorie)

b) Beherrschung Europas (via Kontrolle seiner Energieträger) und Schwächung Rußlands

c) Finanzkrieg und Dollarrettung: Verhinderung einer neuen, möglicherweise rohstoffgedeckten Leitwährung durch Rußland und China durch Einkreisung und Isolation dieser beiden Länder. Im pazifischen Raum gibt es mit China an der Stelle Rußlands eine ähnliche Situation mit Spannungen um Inseln (Seegebiete) und einem „Transpazifischen Freischwindel Abkommen“.

d) Destabilisierung von Putins Regierung durch eine Niederlage im Ukraine-Konflikt und späterer Sturz (durch die routinierten Farben-Revolutionsprofis der US-NGOs)

Account gelöscht!

29.05.2014, 12:28 Uhr

Bürgerkrieg und Terror in Afrika sind nun wahrlich nichts Neues. Ausserdem sind die Chinesen in Sachen Ausbeutung noch ruecksichtsloser als die US.

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