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27.05.2014

07:38 Uhr

Handelsblatt on Tour

Entwicklungslabor China

VonFinn Mayer-Kuckuk

Das Reich der Mitte als Werkbank und Absatzmarkt? Das war gestern. Deutsche Konzerne stärken China als Forschungsstandort. Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen: Die Entwicklung vor Ort lohnt sich.

Produktionswerk von Audi: China als Entwicklungsmotor für neue Technik. ullstein bild

Produktionswerk von Audi: China als Entwicklungsmotor für neue Technik.

PekingWas Dietmar Voggenreiter da am Montag parat hat, wäre vermutlich der Horror deutscher Eltern. In China dagegen begeistert der Landeschef des Ingolstädter Autokonzerns Audi seine Kunden mit einer neuen Ausstattungsvariante: In der neuen Langversion des Modells A6 können auch Passagiere auf der Rückbank die Elektronik steuern. Denn, erklärt Voggenreiter am Montag einer Gruppe aus deutschen Managern und Unternehmern, die seit Sonntag im Rahmen von „Handelsblatt on Tour in China“ das Land bereisen: Der chinesische Audi-Käufer sitzt gerne hinten. Wer sich in China ein Oberklasseauto leistet, der hat häufig auch einen Fahrer. Der Boss will dann vom Fonds aus über Musik, Klimaanlage, Fenster und Navigation bestimmen - und am großen Flachbildschirm einen Streifen aus der Filmbibliothek auswählen. Für Audis China-Chef nur die logische Konsequenz, für diese Vorliebe auch ein Angebot zu entwickeln: „Wir bringen den Kunden hier die neueste Technologie, die verfügbar ist“, sagt Voggenreiter.

Die Sache mit der Bordelektronik ist nur ein Beispiel für den Wandel der Beziehungen zwischen China und der westlichen Industrie: Das Land, erfahren die Teilnehmer der Handelsblatt-Reise, ist längst nicht mehr nur Fertigungsstandort oder zweiter Absatzmarkt für im Westen erfolgreiche Produkte - sondern ein Labor für neue Entwicklungen und Techniken. Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen, vom Autozulieferer bis zum Chemiekonzern: Die Entwicklung vor Ort lohnt sich. Einer Studie der Schanghaier Wirtschaftsschule CEIBS zufolge betreiben bereits mehr als die Hälfte aller ausländischen Firmen in China eigene Forschungseinrichtungen. Sie sehen den Aufwand als Investition in die Erschließung des Mittelklassemarktes, der zunehmend von Käufern bestimmt wird, die sich nicht länger mit veralteten Modellen abspeisen lassen.

Anpassungen und Eigenentwicklungen für den lokalen Markt machen bei Audi bereits einen guten Teil des Erfolgs in China aus - im ersten Quartal allein ist der Absatz um 21 Prozent gestiegen. Technik, Design und die Modellpalette sind für den chinesischen Markt maßgeschneidert.

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Die Unternehmen lernen viel von der Anpassung an die anspruchsvollen Kunden in Ostasien. Auch für Selberfahrer hat Audi in China raffinierte Neuerungen entwickelt: Direkt aus dem Navigationssystem heraus können sie sich mit einer menschlichen Assistenz verbinden lassen. Auf Knopfdruck meldet sich eine Mitarbeiterin aus dem Callcenter und sucht das Ziel. Chinesen bevorzugen persönlichen Service - angesichts der vielen verschiedenen Schriftzeichen wissen viele Anwender nicht immer, wie ihr Zielort geschrieben wird.

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