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01.06.2014

12:28 Uhr

Handelsblatt on Tour

Mao sorgte für die große Öffnung

VonLaura-Patricia Montorio

Von der kaiserlichen Weltmacht, über Hundert Jahre Demütigung, zurück zur aufstrebenden Großmacht: Chinas Stellung in der Welt schwankte in der Geschichte – kaum aber die Haltung dem Fremden gegenüber.

Kunstmuseum in Shenyang: Mao wird in China auch heute noch hoch verehrt. Reuters

Kunstmuseum in Shenyang: Mao wird in China auch heute noch hoch verehrt.

DüsseldorfWenn es eine Konstante in Chinas Umgang mit dem Fremden gibt, dann wohl diese: „Das Ausländische für China nutzbar machen“ (Yang wei zhong yong). Zwar goss erst Mao Zedong diese Haltung in Worte. Doch das Motto lässt sich über die Jahrhunderte hinweg zurückverfolgen. Allein die Umsetzung variierte mit Chinas schwankender Machtposition und dem Selbstbewusstsein anderer Staaten gegenüber.

Als die erste kaiserliche Han-Dynastie im dritten vorchristlichen Jahrhundert an die Macht kam, wuchs Chinas Selbstbewusstsein stetig. Mit der Staatsphilosophie des Konfuzianismus und der Theorie des kaiserlichen Himmelssohns fühlte China sich allen anderen Völkern zivilisatorisch überlegen. Mit Erfindungen wie Schießpulver, Kompass, Papier und Druck war das Reich der Mitte den Europäern lange Zeit weit voraus – was die Chinesen in ihrem Überlegenheitsgefühl bestärkte.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Auch Beziehungen zu anderen Staaten ließ China bis ins 19. Jahrhundert nur dann zu, wenn diese die Überlegenheit des chinesischen Kaisers anerkannten – und sich vor ihm niederwarfen. Noch deutlicher zeigte sich das Prinzip „Das Ausländische für China nutzbar machen“ ab dem 16. Jahrhundert: Der chinesische Kaiser ließ zu, dass Jesuiten und Franziskanermönche in seinem Reich missionierten.

Unter einer Bedingung: Zuerst mussten die Missionare ihre umfangreichen Kenntnisse in Astronomie, Mathematik und Naturwissenschaften preisgeben. Wenig später schlug die herrschende Ming-Dynastie einen politischen Kurs ein, der zunehmend rückwärtsgewandt war und das Land isolierte: Die chinesische Gesellschaft fiel zurück, während der Westen rasant aufholte.

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