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22.01.2009

18:12 Uhr

Aktien

Google und Microsoft müssen zurück zum Wesentlichen

VonJeff Segal

Google und Microsoft haben ungeheure Cash Flow-Beträge in Vorhaben außerhalb ihrer Kernbereiche gesteckt – mit geringem Erfolg. Das schwierige Umfeld sorgt nun für einen Wandel. Google hat jüngst sein Anzeigenprojekt für Printmedien eingestellt und Microsoft seine lang gehaltene Beteiligung an Comcast verkauft. Nun dürften weitere abseitige Projekte der beiden Fachidioten auf der Prüfliste stehen.

Microsoft und Google haben mehr gemeinsam als nur die Beherrschung ihrer jeweiligen Märkte. Beide Firmen verhalten sich im Grunde wie Fachidioten, die ihren ungeheuren Cash Flow in eine Reihe von abseitigen Projekten gesteckt haben, um für Diversifizierung zu sorgen. Weder das eine noch das andere Unternehmen war dabei sonderlich erfolgreich.

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld sorgt hier nun für einen Wandel. Google hat jüngst seine Ambitionen in der Printwerbung aufgegeben und Microsoft hat ihre lang gehaltene Beteiligung am Kabelbetreiber Comcast verkauft. Ihre anderen nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vorhaben dürften als nächste an der Reihe sein.

Die Kernkompetenz von Microsoft ist und bleibt die Software - ihr allgegenwärtiges Betriebssystem und verschiedene andere Programme. Diese machen 82 Prozent des Umsatzes der Firma aus und bilden fast den kompletten Betriebsgewinn. Microsoft hat einen großen Anteil an diesen Gewinnen dazu eingesetzt, um Vorstöße in Produktbereiche wie Videospiele und die Online-Suche zu unterstützen.

Aber die wollten sich einfach nicht zu den erhofften Goldeseln entwickeln. Die Spielekonsole Xbox von Microsoft hat im vergangenen Jahr erste Gewinne eingefahren - nach sieben Jahren auf dem Markt. Im Jahr 2007 musste die Firma einen Aufwand über eine Mrd. Dollar für die Reparatur schadhafter Geräte verbuchen. Auch bei der Online-Suche hat Microsoft zu kämpfen. Das MSN-Portal erreicht einen kläglichen Anteil von 8,5 Prozent am US-Markt für die Internetsuche und der Bereich, dem das Projekt zugeordnet ist, verlor im letzten Berichtsquartal 480 Mill. Dollar.

Google dagegen erzielt praktisch den gesamten Umsatz aus der Werbung im Zusammenhang mit Internet-Suchanfragen. Doch das hat das Unternehmen nicht davon abgehalten, Geld - und die Zeit der Mitarbeiter - in Segmente wie Online-Video, Cloud Computing und die Lobby-Arbeit für erneuerbare Energievorhaben zu stecken.

So hat sich Google zum Beispiel 2006 für 1,65 Mrd. Dollar Youtube gesichert. Nach Ansicht von Analysten arbeitet die Video-Website immer noch kaum rentabel. Das gleiche trifft auf die Initiative der Firma für kostenlose Online-Software zu, in die sie viel Geld investiert hat.

Natürlich können einige Verlustbringer strategisch wertvoll sein. Die Online-Hilfsprogramme von Google bedrohen direkt den Goldesel Software des Search-Rivalen Microsoft. Und die Horden loyaler Xbox-Anhänger können dem Software-Geschäft von Microsoft, das sonst als eher glanzlos und phlegmatisch verschrien ist, vielleicht ein wesentliches Maß an Ansehen verleihen.

Aber da die Aktien beider Unternehmen im Verlauf des vergangenen Jahres kräftig an Wert verloren haben und nur wenige dieser nicht zum Kernbereich gehörenden Projekte Geld abwerfen, schwindet die Toleranz der Aktionäre, dass Gewinne hergenommen werden, um damit abseitige Wagnisse zu finanzieren. Die Investoren würden wahrscheinlich applaudieren, wenn sich Microsoft und Google von weiteren dieser unwesentlichen Tändeleien verabschiedeten.

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