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03.01.2010

13:03 Uhr

Aktienmärkte

Kritische Prüfung

VonNicholas Paisner (breakingviews.com)

Laut Einschätzung der meisten Börsenstrategen dürften die Aktienkurse 2010 moderat steigen. Nach der Achterbahnfahrt im abgelaufenen Jahr wäre eine leichte Aufwärtsbewegung begrüßenswert. Die Anleger sollten sich allerdings nicht darauf verlassen. Eine laue Erholung, der Abbau der Konjunkturanreize und höhere Anleiherenditen könnten allesamt dazu beitragen, dass das Jahr turbulent verläuft.

Mit dem Jahr 2009 ist eine harte Dekade für Aktien zu Ende gegangen, wobei die letzten neun Monate allerdings positiv verlaufen waren. Der MSCI World-Index ist gegenüber seinem im März 2009 erreichten Tief um 71 Prozent gestiegen. Und die meisten Aktienstrategen werden derzeit wieder einmal ihrem Ruf gerecht, Optimisten zu sein. Gemäß einer Reuters-Umfrage unter mehr als 200 Aktienexperten von Mitte Dezember werden US-Aktien im Jahr 2010 um durchschnittlich neun Prozent steigen. Die Anleger sollten dennoch auf der Hut sein.

Die Marktrally scheint bereits ein wenig an Schwung verloren zu haben. Zwar verbuchten die europäischen und US-Aktien zum Jahresende noch einmal eine Aufwärtsbewegung. Der World Index allerdings schloss auf dem Niveau, das er bereits im Oktober erreicht hatte. Die Aktien haben etwa rund die Hälfte der Einbußen wieder wettgemacht, die sie von der Spitze bis zur Talsohle verzeichnet hatten. Vielleicht trägt sie die Kaufdynamik nur so weit.

Nur wenige Schnäppchenjäger werden derzeit wohl in Versuchung geraten. In den USA wird der maßgebliche S&P 500-Index zum Zwanzigfachen der Betriebsgewinne des laufenden Jahres gehandelt, berichtet Standard & Poor's. Das entspricht ganz genau dem Durchschnitt auf Zwanzigjahresbasis. Da die Kreditvergabe immer noch eingeschränkt ist und die Staatsfinanzen sich in schlechter Verfassung präsentieren, dürften die Bewertungen bestenfalls unter der Norm liegen.

Höhere Unternehmensgewinne könnten die Aktien nach oben treiben. Doch dies wird wahrscheinlich nicht eintreten. Während sich die meisten Volkswirte vorsichtig geben, scheinen die Unternehmensanalysten auf eine dezidiert V-förmige Erholung zu setzen. Sie gehen davon aus, dass der Gewinn je Aktie im Jahr 2010 in den USA und Europa um ein Drittel bzw. um ein Viertel zunehmen wird.

Ein solches Wachstum zu erreichen, könnte wie eine olympiareife Leistung erscheinen. Doch hier wird die Erholung der Unternehmensergebnisse im Finanzbereich eine Stütze geben. Allerdings wird es schwer werden, die Vorhersagen zu übertreffen. Wenn die Unternehmen nicht mehr zu bieten haben, als einfach nur die Prognosen einzustellen - besonders wenn die Gewinne nicht von einem Umsatzwachstum begleitet werden -, dann werden sich die Investoren nicht beeindrucken lassen.

Gute Konjunkturnachrichten könnten sich als größte Hürde für ein Wiederaufleben der Börsenrally erweisen. Wenn das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts an Fahrt aufnimmt, wird sich die Angst vor höheren Zinsen und höheren Anleiherenditen unter den Investoren breit machen. Aktien, die bereits eine starke Erholung im Kurs berücksichtigen, würden weniger attraktiv erscheinen als festverzinsliche Investitionen.

Natürlich können Optimisten anführen, dass die Rücknahme der Konjunkturanreize nur ein großer Stein in der "Mauer der Sorgen" ist, den alle Haussemärkte überwinden müssen. Aber der Abzug der Anreize sieht schon eher aus wie ein großer Felsbrocken, der den anmutigen Anstieg der Aktienkurse abrupt ausbremsen könnte.

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