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31.01.2010

11:15 Uhr

Amazon

Die Sturzflut

VonRobert Cyran

Amazon hat im vierten Quartal im operativen Geschäft liquide Mittel in der verblüffenden Höhe von 2,6 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Zwei Mrd. Dollar will der Internet-Einzelhändler in einen Aktienrückkauf stecken. Doch ein großer Teil dieser Ausbeute stammt aus der Verzögerung von Zahlungen an die Zulieferer – und dürfte sich nicht aufrechterhalten lassen.

Amazon hat im vierten Quartal liquide Mittel aus operativer Geschäftstätigkeit in der verblüffenden Höhe von 2,6 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Der Internet-Einzelhändler will zwei Mrd. Dollar in einen Aktienrückkauf stecken. Doch die Investoren, die den Aktienkurs des Unternehmens einen Tag nach Vorlage der Ergebnisse nach oben getrieben hatten, sollten auf der Hut sein. Ein großer Teil dieser Ausbeute stammt aus der Verzögerung von Zahlungen an die Zulieferer - und dies dürfte sich vielleicht nicht aufrechterhalten lassen.

Die Dollar-Flut könnte kurz davor stehen, ihren Höchststand zu erreichen. Der Gewinn des Unternehmens erreichte im Berichtsquartal nur 384 Mill. Dollar. Dies bedeutet, dass der Rest des Cash Flow aus anderen Quellen stammt und zwar vor allem aus einer Steigerung der Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und Leistungen. Amazon fließt mehr Geld aus dem Umsatzwachstum zu und es fließt weniger ab, da langsamer gezahlt wird.

Beide Faktoren kommen zum Tragen. Der Umsatz erhöht sich zu einer Jahresrate von mehr als 40 Prozent, doch die Kreditoren nehmen sogar noch schneller zu. Die Verbindlichkeiten betrugen zum Ende des vierten Quartals 2,2 Mrd. Dollar und lagen damit um 67 Prozent höher als im Vorjahr. Der Online-Einzelhändler nimmt sich jetzt 68 Tage Zeit, um die Zulieferer zu bezahlen. Dieser Zeitraum hatte sich zuletzt stetig ausgedehnt.

Amazon hat sich dazu entschlossen, einen Teil dieser Ausbeute den Investoren in Form eines Aktienrückkaufs zurückzugeben. Die Aktionäre mögen dies zu schätzen wissen - die Aktien der Firma stiegen am Freitag um ein Prozent auf 127,49 Dollar. Doch dies bedeutet nicht, dass sich eine solche Großzügigkeit aufrechterhalten lässt. Die Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen können nicht ewig schneller zulegen als die Umsätze. Sollte sich das Umsatzwachstum je verlangsamen, würde die Zunahme des freien Cash Flow einbrechen.

Sicher, die schwierige Wirtschaftslage und die Tatsache, dass Amazon immer größer wird, verleihen dem Einzelhändler größere Schlagkraft gegenüber den Anbietern der Güter, die er online verkauft. Doch selbst Großunternehmen können ihre Zulieferer nicht zu stark unter Druck setzen, ohne sie zu verprellen. Wenn sich die Wirtschaft erholt, fangen die Verkäufer üblicherweise damit an, den Unternehmen bessere Preise zu bieten, die schneller zahlen. Es besteht die Gefahr, dass die Margen von Amazon in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, wenn Unternehmen den Konkurrenten mit besserer Zahlungsmoral günstigere Konditionen bieten.

Was bedeutet dies alles für die Investoren? Amazon wird zu einem 21fachen des zurückliegenden freien Cash Flow gehandelt. Das erscheint billig im Vergleich zu dem 19fachen von Wal-Mart bei gleichzeitig weit langsamerem Umsatzwachstum. Doch die Erträge könnten einen genaueren Aufschluss über den Wert des Unternehmens geben, wenn der Zuwachs der Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen nicht aufrecht zu erhalten ist. Diese weisen keine wilden Ausschläge auf, abhängig davon, wie schnell die Zulieferer bezahlt werden. Sie könnten also einen präziseren Einblick gewähren, wie solide die Rentabilität wirklich ist.

Amazon wird mit dem 48fachen der geschätzten Ergebnisse bewertet - drei Mal so viel wie das Vielfache von Wal-Mart. Das ist ein üppiger Aufschlag - der darauf basiert, dass alles nach Plan läuft.

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