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29.01.2009

10:03 Uhr

Anleihemärkte

Schwellenländer: Sparschweine gesucht

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die Nettozuflüsse privaten Kapitals in aufstrebende Märkte dürften in diesem Jahr bei nur 18 Prozent des 2007 erreichten Niveaus liegen, prognostiziert das IIF. Hoch verschuldete Länder könnten in Zahlungsverzug geraten, wenn sie nicht über Reserven verfügen. Aber China und andere Staaten, die Kapital auf dem Binnenmarkt schaffen, sollten sich in besserer Verfassung präsentieren.

Die Nettozuflüsse privaten Kapitals in die aufstrebenden Märkte werden sich in diesem Jahr auf 165 Mrd. Dollar belaufen. Dies entspricht nur rund 18 Prozent des 2007 verzeichneten Niveaus von fast einer Bill. Dollar, prognostiziert das Institute for International Finance (IIF). Hoch verschuldete Länder könnten in Zahlungsverzug geraten, wenn sie nicht über beträchtliche Reserven verfügen. Aber China und jene Staaten, die auf dem Binnenmarkt Kapital schaffen, sollten sich in besserer Verfassung präsentieren.

Der Rückgang der Mittelzuflüsse in die Schwellenländer ist mit 5,8 Prozent ihres zusammengerechneten Bruttoinlandsprodukts (BIP) fast doppelt so hoch wie die Verringerungen Anfang der achtziger und Ende der neunziger Jahre. Diese Abnahme wird Volkswirtschaften treffen, die stark von Bank-Schuldtiteln abhängen - das IIF erwartet, dass sich die Zuflüsse von Banken, die 2008 noch 167 Mrd. Dollar betragen hatten, in diesem Jahr in ihr Gegenteil verkehren. Auf den Anleihemärkten werden die massiven Ausleihungen seitens der Regierungen der entwickelten Welt die Vertreter der aufstrebenden Märkte mit ihrer niedrigeren Bonitätseinstufung verdrängen. Gleichzeitig dürfte der 2008 registrierte Mittelabfluss aus den Aktienmärkten fast versiegen, während Direktinvestitionen, die generell eine stabilere Finanzierungsquelle bilden, sich auf einem moderat gesunkenen Niveau einpendeln dürften.

Dies wirkt sich besonders auf einzelne Länder aus. Die größte Verringerung bei den Zuflüssen privater Mittel - von 13 Prozent des BIP auf ein Prozent - dürfte die Staaten treffen, die in Europa zu den Schwellenländern zählen. Da ein Großteil dieser Region zweistellige Zahlungsbilanzdefizite aufweist, ist ein umfassender Finanzierungsengpass wahrscheinlich. In dieser Hinsicht sollten die baltischen Staaten, die ausländischen Direktinvestitionen gegenüber relativ aufgeschlossen sind, besser abschneiden als die weniger empfänglichen Nationen wie Rumänien und Bulgarien.

In Lateinamerika dagegen präsentiert sich Brasilien mit einer starken Basis inländischer Spareinlagen und heißt im Allgemeinen ausländische Investoren willkommen. Das Land sollte trotz seiner Schuldenlast gut vorwärts kommen. Umgekehrt werden Länder wie Mexiko mit ihren schwächeren Sparquoten und ihren höheren Hürden für Auslandsinvestoren vielleicht in schwereres Fahrwasser geraten.

China verbucht geringe Fremdwährungsverbindlichkeiten und enorme Spargelder im Inland und sollte sich daher trotz einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums keine Sorgen um das Kapital machen müssen. Allerdings könnte Indien vor einem schwierigen Jahr stehen. Das Land sitzt auf Fremdwährungsschuldtiteln in großer Höhe, und seine Regierung macht die hohe Sparquote mit ihrem verschwenderischen Kurs zunichte.

Wie Argentinien und die aufstrebenden Volkswirtschaften in Europa gezeigt haben, fielen eine ablehnende Haltung gegenüber ausländischen Direktinvestitionen und eine niedrige Binnensparquote in den Jahren 2003 bis 2007 kaum ins Gewicht, wenn man über Bodenschätze oder billige Arbeitskräfte verfügte. Für das Jahr 2009 allerdings werden die inländische Spartätigkeit und die Offenheit gegenüber Investitionen aus dem Ausland als Faktoren für eine solide wirtschaftliche Verfassung stark an Gewicht gewinnen.

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