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06.01.2009

15:06 Uhr

Apple

Die Geheimniskrämer packen endlich aus

VonJeff Segal, breakingviews.com

Die wegen ihrer Kommunikationspolitik in Misskredit geratene Apple hat jetzt doch die Gerüchte um den angeschlagenen Gesundheitszustand von Firmenchef Steve Jobs bestätigt. Das Problem besteht nicht darin, was gesagt worden ist, sondern was Monate lang eben nicht thematisiert wurde. Apple sollte genaue Nachfolgepläne vorlegen, um ihre Glaubwürdigkeit bei den Investoren wiederherzustellen.

Die chinesischen Mauern, mit denen Apple sich umgeben hat, haben die Firma schließlich selbst in die Enge getrieben. Der wegen seiner Kommunikationspolitik in Misskredit geratene iPod-Hersteller hat jetzt doch zugegeben, dass Chief Executive Steve Jobs krank ist. Das Problem besteht nicht darin, was gesagt wurde, sondern darin, was eben nicht thematisiert wurde, während Monate lang die Spekulationen um den Gesundheitszustand des Firmengründers die Runde machten und den Aktienkurs in Mitleidenschaft zogen. Der Board von Apple sollte schnell Nachfolgepläne ausarbeiten, um die Glaubwürdigkeit der Firma bei den Investoren wiederherzustellen.

Die Gerüchte über eine mögliche Krankheit von Jobs hatten im Juni ihren Lauf genommen, als er sichtlich abgezehrt auf einer Konferenz erschienen war. Apple hatte zunächst auf eine simple Erkältung verwiesen und auf spätere Nachfragen hin schroff gekontert, der Gesundheitszustand von Jobs sei seine Privatangelegenheit. Im vergangenen Monat kündigte die Firma an, Jobs werde nicht auf der maßgeblichen Apple-Produktshow Macworld teilnehmen. Auf die daraufhin einsetzende Woge von Gerüchten reagierte Apple überhaupt nicht.

Jetzt hat es den Anschein, als ob Jobs auf seine Teilnahme an der Macworld teilweise deswegen verzichtet hat, weil er an einer Ernährungsstörung leidet, die von einer erfolgreich verlaufenen Krebsoperation herrührt. Das ist weit von den in zahlreichen Tech-Blogs kursierenden Schauermärchen entfernt, denen zu Folge Jobs mit dem Tod ringt. Trotzdem erscheint die Reaktion von Apple auf die legitimen Sorgen um den Gesundheitszustand des Unternehmensleiters fast wie ein doppeltes Spiel.

Schon vor sechs Monaten waren Berichte im Umlauf, Jobs leide unter Essstörungen. Es ist schwer zu glauben, dass der Board des Unternehmens erst jetzt genug Informationen darüber hatte, um sie an die Aktionäre weiterzuleiten. Schließlich hatte Apple 2003 die Nachricht, Jobs habe Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch erst dann öffentlich gemacht, nachdem er sich bereits einer Operation unterzogen hatte.

Natürlich ist es heikel, den Gesundheitszustand von Führungskräften öffentlich kund zu tun. Niemand will jedes Mal davon in Kenntnis gesetzt werden, wenn Jobs Kopfweh hat oder an Sodbrennen leidet. Aber wenn es jemals einen Alpha-Mann für eine Firma gegeben hat, dann trifft das auf Jobs zu. Wenn Apple die Aktionäre früher informiert hätte, hätten sechs Monate fieberhafter Spekulationen vermieden werden können. Jetzt ist die Glaubwürdigkeit der Firma angeknackst.

Ein Weg, um sie sich wieder zu sichern, wäre es, jetzt schnell einen Nachfolgeplan vorzulegen. Die Aktionäre verdienen es zu wissen, wer das Ruder übernimmt, wenn Jobs? Krankheit sich als etwas Ernsteres erweist oder sich sein Zustand so verschlechtert, dass er zurücktreten muss. Apple mag viel auf ihre Kultur der Zurückhaltung geben, aber dies ist ein Geheimnis, das die Firma nicht mehr länger bewahren kann.

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