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28.01.2010

08:17 Uhr

Apples iPad

Die Schöne als hässliches Biest

VonRobert Cyran

Natürlich ist der neue Tablet-PC von Apple ein Wunderding. Das iPad kann scheinbar alles, nur das Frühstück muss man sich noch selbst zubereiten. Mit der Zeit werden neue Applikationen hinzukommen und der Preis für das Gerät wird fallen, die Multimediamaschine wird in der Gunst der Käufer dadurch weiter steigen. Und das ist ein Problem für die ohnehin schon überlasteten Mobilfunkbetreiber wie AT&T.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der neue Tablet-PC von Apple eine echte Schönheit. Das iPad kann augenscheinlich alles, nur das Frühstück muss man sich noch selbst zu bereiten. Für die Mobilfunkbetreiber verheißt dies nichts Gutes. Wie bei seinem Vorgänger, dem iPhone, werden auch dem iPad weitere Applikationen hinzugefügt werden und schließlich wird auch sein Preis fallen. Seine Attraktivität wird dadurch nur noch steigen, bald wird das Gerät überall zu finden sein. Und darin liegt das Problem für die ohnehin schon überlasteten Mobilfunkbetreiber wie AT&T in den USA und O2 in Großbritannien.

Der Absatz der neuen Wundermaschine wird wahrscheinlich nicht gleich in den Himmel schießen. Auch wenn die 16 Gigabyte-Version weniger als 499 Dollar kostet, können die meisten Anwendungen des iPad bereits mit Hilfe eines iPhone oder eines Netbooks zu einem niedrigeren Preis ausgeführt werden. Doch mit der Zeit wird der Absatz in Fahrt kommen. Mit dem Gerät lassen sich Bücher lesen, es steuert Geschäftssoftware und präsentiert Web-Seiten auf attraktivere Art und Weise. Viele Käufer werden bereit ein, für die Schnelligkeit und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Geräts zu zahlen.

Doch eben die Schnelligkeit könnte sich als Achillesferse des iPad erweisen. Außerhalb einer Wi-Fi-Verbindung müssen Nutzer in den USA auf AT&T zurückgreifen. Und der Telekom-Riese fühlt bereits den Druck, der von Geräten wie dem iPhone ausgeht, für das AT&T in Amerika als exklusiver Betreiber fungiert. Im Dezember hatte der Leiter der Mobilfunkbereiche von AT&T zugegeben, die Netze der Firma in New York und San Francisco litten unter dem zunehmenden Einsatz der Smartphones.

Mobilnetze waren für kurze und sporadische Telefonate konzipiert worden. Doch das iPhone hat das Nutzerverhalten verändert: Die Anwender haben ihre Geräte länger in Gebrauch, ziehen sie für datenintensivere Funktionen heran und verwenden sie häufiger. Besonders belastend für die Betreiber ist das Ausstrahlen von Videos - und das ist ein maßgebliches Verkaufsargument für das iPad. Wenn die Kunden drahtlose Verbindungen auf dieselbe Weise nutzten wie ihre Breitbandverbindungen, dann müssten die Betreiber über zehn Mal so viele Basisstationen verfügen, berichtet die Research-Abteilung von Sanford Bernstein.

Mit dem iPad wird sich dieses Problem verschärfen, denn es ermutigt die Nutzer, sich Videos anzuschauen und Online-Spiele zu spielen. Sicher, bis der Absatz der neuen Apple-Erfindung so richtig auf Touren kommt, wird es vielleicht einige Zeit dauern. Die Betreiber haben also Zeit, in ihre Netze zu investieren. Und AT&T kann in den Städten mehr Wi-Fi-Zugangspunkte für das Internet einrichten, um Engpässe zu vermeiden. Die Investoren scheinen darauf zu setzen, sie haben die Aktien von AT&T leicht hoch gestuft. Doch dabei könnte es sich auch um eine unbesonnene Handlung im ersten Überschwang gehandelt haben. Das iPad ist eine Schönheit, doch für die Betreiber könnte es sich als hässliches Biest erweisen.

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