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26.01.2010

13:43 Uhr

Asiatische Märkte

Angst vor der Inflationsbekämpfung

VonWei Gu

Asiens Börsen gaben vergangene Woche deutlich nach. Ausgelöst wurde die Verstimmung durch die Besorgnis, die chinesische Regierung könnte die Zinszügel anziehen. Die von Inflationssorgen geplagten Regierungen mögen die Korrektur begrüßen. Aber sie werden dennoch damit zu kämpfen haben, die Preise unter Kontrolle zu halten, ohne das Wachstum zu beschädigen.

Asiatische Aktien haben eine harte Woche hinter sich. Mit Ausnahme von Japan sind die Märkte um sieben Prozent eingebrochen. Für die Regierungen und Notenbanker ist der Kursrückgang gleichzeitig positiv und negativ.

Die schlechten Nachrichten zuerst. Die asiatischen Exporteure stecken immer noch in der Flaute. Der weltgrößte Auftragshersteller für Mobiltelefone, der zum taiwanesischen Elektronikgiganten Hon Hai gehörende Foxconn, gab am Montag seine vierte Gewinnwarnung seit 2008 heraus. Fallende Nachfrage und eine schwache Preisgestaltung seien dieses Mal für eine bedeutende Verringerung der Gewinne im Geschäftsjahr 2009 verantwortlich. Der stark auf den Technologiesektor ausgerichtete Markt in Taiwan reagierte darauf mit den stärksten Kursrückgängen innerhalb eines Handelstags seit sechs Monaten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine schlechte Woche an den Märkten allerdings ein Zeichen dafür, dass die geldpolitischen Maßnahmen greifen. Üppig vorhandene Liquidität hatte dazu beigetragen, dass die Aktienmärkte im vergangenen Jahr um bis zu 70 Prozent hochgeschnellt waren. Die Aktien sind generell zwar nicht überteuert, aber ein Rückzieher könnte dennoch heilsam sein. Ein größeres Risiko für die Inflation der Vermögenswerte erwächst der Wirtschaft im Immobiliensektor. Der Wert chinesischer Verkäufe hat sich 2009 um 87 Prozent erhöht.

Die Regierung in Peking hat eingegriffen. Eine geplante Erhöhung der vorgeschriebenen Reserven bei bestimmten Banken wurde umgesetzt. Die chinesische Regierung ist auf die Bremse gestiegen, nachdem die Banken des Landes in den ersten 19 Tagen des Jahres 2010 neue Kredite über rund 1,45 Bill Yuan vergeben hatten. Damit dürften sie einen neuen Rekord aufgestellt haben, der selbst das außer Rand und Band geratene Kreditwachstum zu Beginn des Vorjahres übertroffen hat.

Anscheinend setzt die Wirkung der gegen die Inflation gerichteten Maßnahmen der zuständigen Behörden ein und dem Markt wird Liquidität entzogen. Der Verkauf von Immobilien in Hongkong hat sich im vierten Quartal des vergangenen Jahres verlangsamt. Die Investoren gehen davon aus, dass sich der Engpass verschärfen wird. Der HK-Dollar hat sich gegenüber dem US-Dollar auf ein 15-Monats-Tief abgeschwächt, nachdem die Besorgnis laut geworden war, dass der Kapitalzufluss aus China abebben wird, wenn die Pekinger Regierung an ihrer schärferen geldpolitischen Gangart festhält.

Aber die Regierungen Asiens haben auch Angst davor, das Wachstum abzuwürgen. Genau dies könnte nämlich eintreten, wenn die Kosten für die Mittelaufnahme zu stark steigen und gleichzeitig die Preise der Vermögenswerte zu kräftig nachgeben. Diese Bedenken könnten vielleicht erklären, warum die chinesische Zentralbank am Dienstag die Märkte damit überraschte, dass sie die Renditen bei dem genauestens beobachteten Verkauf einjähriger Schatzwechsel unverändert beließ.

Solange die für die Geldpolitik Verantwortlichen von Inflationsängsten und wirtschaftlichen Problemen geschüttelt werden, werden wilde Ausschläge auf den asiatischen Märkten kaum zu vermeiden sein.

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