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05.01.2010

18:18 Uhr

Ausblick

Wall Street steht vor weiteren Kämpfen mit der Regierung

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Bankenhändler richten ihre Augen schon auf die nächste große Geldquelle. Weil Regierungen damit beginnen, ihre Markthilfen abzubauen, will die Wall Street Kapital schlagen aus der resultierenden Volatilität. Für die Gewinne wäre das gut. Es könnte aber gerechten politischen Zorn auslösen, wenn die Wall Street schon wieder blüht, während die Steuerzahler leiden.

Die Wall Street muss froh sein, das Jahr 2009 hinter sich zu haben. Zwar konnten viele Firmen wesentlich bessere Gewinne erzielen, als ihre Chefs noch vor einem Jahr erwarten haben müssen. Die Banker machten ihren Profit aber auf der Basis vielfältiger Hilfen, die die Steuerzahler den Märkten leisteten. Das führte zu Anschuldigungen, die Branche profitiere auf Kosten von Otto Normalverbraucher. Wird es die Wall Street im kommenden Jahr leichter haben?

Darauf sollte man nicht bauen. Zunächst ist es für Politiker ein Selbstläufer, die Wall Street wegen früherer Verfehlungen zu geißeln, ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht. Das gilt vor allem, weil eine Parlamentswahl in Großbritannien und Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten anstehen. Wahrscheinlich werden Volksvertreter aber auch einige neue Verfehlungen entdecken, in die sie sich verbeißen können.

Das liegt an einer großen, neuen Geldquelle, die sich für Investmentbanken auftun wird: Dem Handel mit der Volatilität, die wohl durch den Abbau aller Arten von Marktunterstützungen seitens der Regierungen ausgelöst wird. Damit entsteht eine Goldgrube. Die Händler der Banken werden entweder ihre eigenen Wetten platzieren oder Investoren und Spekulanten helfen, ihre Positionen und ihre Absicherungen an den Märkten zu erhöhen. Betroffen sind davon auch die Devisenmärkte, Rohstoffe und Zinsprodukte einschließlich US-amerikanischer Staatsanleihen.

Schon ohne Berücksichtigung dieses Effekts haben wenige der Wall Street ein schwieriges Jahr 2010 vorausgesagt, weder starken Akteuren wie Goldman Sachs, JPMorgan oder Morgan Stanley noch den auf staatliche Sonderhilfen angewiesenen Firmen wie Citigroup oder Bank of America.

Der Grund ist, dass es nach der zweijährigen Krise weniger Wettbewerb gibt und verbliebene Handelsfirmen sich ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden können. Mehr als zwei Billionen US-Dollar Bilanzkraft haben sich seit dem Höhepunkt der Blase in Luft aufgelöst. Die Gebühren einbringenden Geschäfte mit Aktienverkäufe oder Fusionen könnten außerdem im nächsten Jahr besser laufen.

So weit, so gut, doch die Gebührengeschäfte machen üblicherweise weniger als ein Fünftel des Umsatzes aus. Die Krise hat Investmentbanken zudem eines ihrer wichtigsten Werkzeuge beraubt, mit dem man Gewinne bei Kurssteigerungen wie in den letzten Monaten aufpeppen kann: Dem Auftürmen hoher Fremdfinanzierungen.

Darum ist die Aussicht, Kapital aus Marktschwankungen schlagen zu können, so verlockend. Leider sind damit viele Risiken verbunden, selbst wenn man keine schlechten Wetten eingeht. Es sei daran erinnert, wie George Soros 1992 in Großbritannien wegen seiner erfolgreichen Wette gegen das britische Pfund an den Pranger gestellt wurde. Leicht kann man sich ausmalen, wie US-Politiker reagieren würden, wenn einige der vom Steuerzahler geretteten Banken ordentlich Gewinne damit machen, dass sie auf einen Abverkauf des Dollar oder US-amerikanischer Staatsanleihen wetten.

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