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09.02.2012

09:35 Uhr

B.wertet

Der Kasperl und die SPD

VonChristine Bortenlänger

Im Puppentheater sind die Fronten eindeutig verteilt, die Welt ist einfach: Gut gegen Böse, Kasperl gegen Krokodil. Die Kampagne der SPD gegen die bösen Banker erinnert sehr an das Kaspertheater.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Früher gab es das Puppentheater, bei dem der Kasperl eifrig auf das böse Krokodil einschlug und die Kinder vor Freude jauchzten. Naturschützer oder Krokodilpfleger waren naturgemäß eher wenig vertreten und so wusste Kasperl die Mehrzahl der Zuschauer auf seiner Seite. Die Fronten waren eindeutig verteilt und die Welt einfach. So etwas Ähnliches muss den SPD-Oberen um Sigmar Gabriel vorgeschwebt sein, als sie sich zu einer Kampagne gegen böse Banker entschlossen und diese als mögliches Wahlkampfthema 2013 ausmachten. Natürlich ist die Welt viel komplizierter als das Kasperltheater, doch erfahrungsgemäß erreicht man mit Komplexität nicht die Massen.

Meines Erachtens sind die von der SPD verantwortete Webseite „Wir sind viele“ und die dort transportierten Inhalte mit dem Slogan „Demokratie statt Bankenmacht“ eine einzige Abwertung nicht nur der Bankangestellten, sondern auch der Wähler selbst. Das Vertrauen in den Intellekt des Durchschnittswählers scheint bei der SPD nicht sehr weit zu reichen. Das ist bemerkenswert. Da wird einerseits für „eine Gesellschaft, die zusammenhält“ geworben, andererseits aber eine ganze Berufsgruppe als „verantwortungslose Zocker in den Banken“ verunglimpft.

Selbstverständlich ist die Mehrheit der Gesellschaft für besser und stringenter regulierte Finanzmärkte und für mehr Transparenz. Doch die Lösungen sind kompliziert und brauchen Zeit.  Die Finanzmärkte und ihre Protagonisten sind international vernetzt. Die Themen müssen deshalb global und nach einem konstruktiven Disput gemeinsam angegangen werden. Per se schlecht und kriminell sind aber weder Ratingagenturen noch Investmentbanker. Und schon gar nicht der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in der Bankfiliale um die Ecke. Hier wäre es doch sehr wünschenswert, dass uns endlich eine differenzierte Betrachtung gelingt!

Die von „Wir sind viele“ vorgegebenen Lösungen von der Finanztransaktionssteuer bis zur Trennung von Investment- und Privatkundengeschäft gehen in die falsche Richtung und zeugen von Unkenntnis des Geschäftes. Zum Beispiel haben die USA die Abspaltung reiner Investmentbanken als eine der Ursachen für die Finanzkrise erkannt und die seit den 1930er-Jahren geltende Trennung wieder rückgängig gemacht.

Die Webseite will auch über die wichtigsten Anlageformen, Aktien und Anleihen,  „aufklären“. So heißt es über Aktien beispielsweise wörtlich: „ Die Strategie  des Unternehmens wird zunehmend von kurzfristigen Börsenkursen bestimmt und nicht von nachhaltigen Strategien.“  Die Ursache sei, dass auf den Hauptversammlungen vor allem Großaktionäre das Sagen hätten

Kommentare (10)

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peer

09.02.2012, 10:16 Uhr

Eigentlich ist es ja bekannt, dass die SPD die Großkapital repräsentieren. Aber so wie Geheimbünde (Freimaurer, Lions, Rotarier) sich mit karitativen Projekten hervortun, so wollen auch die Sozis sich als Arbeitnehmer-vertreter hervor tun. Das ist jeweils der äußere Aspekt.

Im Inneren ist es dann aber vollkommen anders.

Die Geheimbünde streben nach Macht, Einfluss und Geld ihrer Mitglieder. Und die Sozialisten sind nicht nur von Zionisten (Marx, Engels,…) gegründet worden, sie verstehen sich auch noch heute als verlängerte Werkbank vom Großkapital.

Diese Aktion der SPD, den Zocker Banken (eine rein zionistische Erfindung) ausstoppen zu wollen, ist ein Täuschungsmanöver. Die Sozialisten hatten schon immer nur das Ansinnen uns schlachtreif für das Hochkapital zu machen.

Und wer noch immer davon träumt, dass die Sozis uns vertreten, der möge sich einfach mal daran erinnern, dass Herr Schröder gerade in der CITY von einem Freudenfest zum anderen Mega Event gereicht wird. Man ist dann endlich wieder unter sich.

Aristoteles

09.02.2012, 10:17 Uhr

"Die Strategie des Unternehmens wird zunehmend von kurzfristigen Börsenkursen bestimmt und nicht von nachhaltigen Strategien.“
So dümmlich die SPD-Kampagne im Ganzen ist, so ist andererseits dieser Satz absolut richtig. Denken Sie nur an das Theater mit VW/Porsche, das Unternehmen war für einen Tag das wertvollste Unternehmen weltweit. Aktien werden immer kurzfristiger gehalten, das müsste eine Börsenchefin doch wissen. Und BMW taugt nun gar nicht als Gegen-Beweis. Hier hat statt der Kurzfrist-Zocker eine Familie das Sagen, und deshalb steúert das Unternehmen in erfolgreichem Fahrwasser.

M.Koecher

09.02.2012, 10:21 Uhr

Naja... Es gibt ja auch Stimmen, die Vollgeld- und Trennbankensystem als Mindestanspruch an eine Reform des Finanzsektors formulieren und sich nicht wie komplette Deppen anhören.

Im Übrigen scheint die SPD ihren Le Bon gelesen zu haben (ganz heimlich natürlich). Peer Steinbrücks "Fort Yuma"-Vergleich zielte ja auch schon auf ein ähnliches Ergebnis ab.

Irgendwelche Bedenken, z.B. bezüglich des fragwürdigen sprachlichen Umgangs eines Sozialdemokraten mit dem US-amerikanischen Landraub an den Ureinwohnern scheinen die Genossen wohl nicht zu belasten.

Vor historisch noch nicht allzulanger Zeit wurde in Deutschland schon einmal eine ganze Bevölkerungsgruppe an den Pranger gestellt und den Stammtischen zum Fraß vorgeworfen. Das war so erfolgreich, dass selbst die Kommunisten frühe Marxsche Schriften zurechtbogen, um von dem entstandenen Hype zu profitieren.
Wer weiß, was ich meine, kennt auch das ekelhafte Ergebnis.

Kaum auszudenken, wenn der Keim, welchen die SPD mit ihrem billigen Populismus setzt, in einem deutlichen wirtschaftlichen Einschnitt, wie etwa einer umfassenden Renten- und Pensionsreform, "aufblüht".

Dann könnten der dicke Siggi und seine Genossen wie die begossenen Zauberlehrlinge zu sehen bekommen, dass sie schlicht den Nazis den Boden bereitet haben, der sie zu ungeahnten Höhen wachsen lässt.

Kein Grund, die SPD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Aber ein willkommener Anlass, mal darüber nachzudenken, ob man in der Parteizentrale nicht doch zur Abwechslung wieder Herz und Hirn bemühen sollte, um eine Kampagne hervorzubringen.

Und nicht den Darm.

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