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22.09.2011

09:26 Uhr

B.wertet

Die Krieger sind unter uns

VonChristine Bortenlänger

Die gegenwärtige Krise bringt nicht nur immer neue Schuldenberge und Kursturbulenzen mit sich, sie hat auch unsere Sprache verändert. Das kann zum „Brandbeschleuniger“ werden.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Immer öfter wundere ich mich über eine Terminologie, die mich an Krieg und Terror erinnert. Dort mag sie angemessen sein, um der Brutalität gerecht zu werden, die damit verbunden ist. Wenn damit aber die Wirtschaftskrise und Rezessionsgefahr beschrieben werden, scheint sie mir völlig verfehlt. Ich frage mich: Warum greifen Beobachter zur Terminologie des Krieges? Nun, auch Journalisten wollen gelesen, Politiker und Ökonomen gehört werden. Das verleitet sie nicht nur zu einer (oft sinnvollen) plastischen sondern nun auch zu einer überbetonten, stark verunsichernden Ausdrucksweise.

Besonders zu denken gibt mir, dass die Verantwortlichen gerade in der Kriegsberichterstattung gerne eine bewusst verharmlosende Diktion wählen, wenn sie etwa von Kollateralschäden berichten und damit schwere Verletzungen der Zivilisten oder gar Todesfälle beim Einsatz verharmlosen.

In der Wirtschaftsberichterstattung seriöser Zeitungen oder öffentlicher Fernseh- und Rundfunkanstalten sollten wir tunlichst nicht von „Währungskriegen“, „Befreiungsschlag einer Notenbank“, „Verrat am Euro“, von „Zeitbombe“ und „Krieg gegen den Euro“, von „Revolution der Währungsordnung“, „Tiefschlag“ und „mit allen Mitteln kämpfenden Truppen“ sprechen. Hier sollte eine bewusste Abgrenzung zu Revolverblättern stattfinden, die der Versachlichung und Meinungsbildung mehr als gut täte.

Problematisch wird es, wenn die Zuspitzung so scharf wird, dass sie Verletzungen nach sich zieht. Gerade in einer Situation wie derzeit, in der die Menschen und die Märkte extrem sensibel reagieren, wirken manche Äußerungen und Texte eher als Brandbeschleuniger (um bei der martialischen Sprache zu bleiben) denn als erhellende Analysen der Lage, die wir so dringend zur Lösung benötigen. Geradezu wohltuend war es, von „DM-Aposteln“ zu lesen. Doch die helfen uns jetzt auch nicht weiter.

Christine Bortenlänger, geboren 1966 in München, ist Geschäftsführerin der Börse München.

Kommentare (1)

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sirleon

02.10.2011, 22:03 Uhr

So Abwegig, wie Sie es darstellen, wirkt es nur auf den ersten Blick. Wenn man sich überlegt, welche Auswirkungen eine Finanzkrise haben kann, kommt man sicher schnell zu dem Schluss, dass dort vergleichbar viele Menschen wie in einem Krieg betroffen sein können. Sicher nicht unbedingt vom Tod als durch Armut oder Verlust an Lebensqualität.

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