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14.09.2012

09:45 Uhr

B.wertet

Eine einzige Chance für Spanien

VonChristine Bortenlänger

In keinem Land der Welt ist die Arbeitslosigkeit so groß wie in Spanien. Jeder Vierte ist ohne Job. Die Spanier haben nur eine Chance, die exorbitante Arbeitslosigkeit zu durchbrechen - mit Folgen für Deutschland.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Wir haben uns so sehr an schlechte Nachrichten im Umfeld der Euro-Krise gewöhnt. Doch ich hoffe, dass diese Meldung der letzten Tage nicht untergegangen ist: In Spanien beträgt die Arbeitslosigkeit inzwischen 25 Prozent. Damit nimmt das Land im Süden Europas unter allen Ländern der Welt, die von der UN-Organisation ILO ausgewertet wurden, eine traurige Spitzenposition ein, gefolgt von Griechenland.

Natürlich ist die Vergleichbarkeit zwischen ganz unterschiedlich entwickelten Ländern immer ein Problem und eher relativ, es bleibt aber die Tatsache bestehen: Wenn jeder Vierte arbeitslos ist, wirkt sich das auf fast jede Familie direkt aus. Noch schlimmer ist die Situation bei der Jugend, denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen findet keine Arbeit. Fast 5,7 Millionen Spanier suchen derzeit Arbeit.

Und Fachleute sagen voraus, dass sich die Situation auch im nächsten Jahr nicht dramatisch verbessern wird. Der Staatshaushalt ist im erheblichen Maße belastet, Wachstum kaum möglich. Nicht ohne Grund befindet sich Spanien weiter in der Rezession.

Die Großvätergeneration der heutigen Spanier und Griechen zog es aufgrund der schlechten Situation ihrer Länder seit den Anwerbeabkommen mit den beiden Ländern im Jahr 1960 nach Deutschland, als „Gastarbeiter“. Etwa 600.000 Spanier kamen so bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland, arbeiteten – und kehrten ganz überwiegend wieder in ihr Land zurück. Etwa 70 Prozent sahen nach einigen Jahren im Ausland ihre Zukunft in ihrer Heimat und halfen mit, den Wohlstand dort aufzubauen. Insgesamt 1,2 Millionen Spanier arbeiteten in den 60er-Jahren im nördlichen Europa.

Schon 1967 – so ein Spiegelbericht aus diesem Jahr – übertraf aber die Anzahl der Rückkehrer nach Spanien die Zahl der Auswanderer, nicht zur Freude der spanischen Regierung, für die nicht zuletzt die Transferzahlungen der im Ausland arbeitenden Spanier eine wichtige Deviseneinnahmequelle darstellten. Insgesamt verzeichnete Spanien damals 200.000 Arbeitslose. Allerdings verdienten 1967 noch sieben Millionen spanische Bürger weniger als 167 DM im Monat – das Durchschnittseinkommen in Deutschland lag im gleichen Jahr zum Vergleich bei etwas mehr als 850 DM im Monat.

Kommentare (42)

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svebes

14.09.2012, 10:01 Uhr

Tja Frau Bortenlänger, da merkt man eben wieder, dass Sie in einer doppelten Parallelwelt leben. Erstmal in München und dann noch in Ihrer Börsianerwelt. Erde an Frau Bortenlänger, lassen Sie ihr konseratives Geschreibsel um noch schnell paar € für das Extra-Gucci abzugreifen.

Politikverdrossen

14.09.2012, 10:20 Uhr


Die Ursache der Wirtschaftsmisere und damit der Arbeitslosigkeit in Spanien liegt in der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Und diese ist direkt auf den Euro zurückzuführen. Der kreditfinanzierte Scheinboom hat das Problem nur einige Jahre verdeckt.

Es ist unmöglich, den Wohlstandsverlust, der durch 25% (eurobedingte) Arbeitslosigkeit entsteht durch Transfers aus dem Norden auszugleichen.

Statt der naheliegendsten Lösung, das unpassende Währungskorsett wieder abzuschaffen bzw. den Austritt Spaniens aus dem zu starken Euro, plädiert Frau Bortenlänger für gigantische Migrationsbewegungen, die neue soziale u.ä. Probleme aufwerfen würden. Realitätsverweigerung hoch 2!

Zorn-Buerger

14.09.2012, 10:28 Uhr

Was die stolzen Spanier aktuell als "Krise" bezeichnen, ist im Grunde nur eine schmerzhafte Anpassung/Korrektur an ihr wahres Leistungsvermögen.

Stellen wir uns einmal Spanien als ein Sportler vor:

Spanien war in der Vergangenheit und ist es noch heute, ein mittelmässiger um nicht zu sagen, ein schlechter Sportler im Vergleich zu seinen EU-Mitbewerbern.

Nur Dank Doping (günstige Euro-Kredite (Sparguthaben aus Zentral-Europa) und enorme EU-Subvention) konnte dieser minderbemittelte Sportler plötzlich ohne jegliche Eigenleistung für ca. 10 Jahre sauberen Hochleistungssport vortäuschen (höchstes Wachstum im Euroraum, Haushaltsüberschüsse etc.) und sich als scheinbarer Musterschüler feiern lassen (Pedro Solbes).

Heute sehen wir die elenden Folgen dieses Betruges vor Augen.

Spanien wird dieses Niveau aus eigener Kraft und ohne weitere Dopingeinnahme (ESM) nie wieder erreichen.

Die ganzen Med-Staaten sind ohne weitere Fremdfinanzierung gerade auf dem Weg zurück in ihre Vergangenheit.

80% der spanischen Arbeitnehmer werden in Zukunft wieder für ca. 100.000 Peseten (ca. 600,- euro) arbeiten. Das spiegelt ihr wahres Leistungsniveau wieder, wird dem Land den erhofften Aufschwung bringen und den Menschen wieder Brot und Arbeit.

Der Euro war Gift (Doping) für diese Länder und hat Europa grossen Schaden zugerichtet. Die Gegenwart zeigt es uns gerade.



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