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14.06.2012

07:39 Uhr

B.wertet

Euro-Krise oder Krise Europas?

VonChristine Bortenlänger

Bei all dem Krisengerede vermisst man oft die Antwort auf eine zentrale Frage: Wer steckt eigentlich in der Krise? Einige Euro-Staaten oder die gesamte EU. Es ist wohl genauso schlimm, wie die Pessimisten befürchten.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Die Europäische Union wurde seit ihrer Gründung wohl nicht so hinterfragt oder besser, in Frage gestellt, wie derzeit. Gleichzeitig erleben wir die schwerste Krise des Euro seit seiner Einführung. Mancher sieht es auch so: die Einführung des Euro oder die Art und Weise der Einführung hat die größte Krise der Europäischen Union zur Konsequenz. Weiter bleibt zu fragen, ob es tatsächlich eine Krise Gesamteuropas oder einiger europäischer Staaten oder der Europäischen Union ist.

Ich fürchte leider, es ist alles drei zusammen: eine Krise der Europäischen Union, weil mit Einführung des Euro ohne politische oder zumindest fiskalpolitische Einigung der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wurde. Eine Krise einiger europäischer Staaten, die mit der Einführung des Euro dachten, sie könnten ihre desolate Situation mit einer stabilen Währung übertünchen.

Jetzt aber scheint leider die nackte und baufällige Ruine durch. Und schließlich eine Krise aller europäischen Staaten, weil die Krise nicht nur auf andere Euro-Staaten überzugehen droht, sondern durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen auch die nicht Euro-Länder einholen könnte. Die Wachstumsaussichten Europas sind alles andere als erfreulich. Was ist zu tun?

Natürlich gibt es vor dem Hintergrund der "Premiere" einer so gestalteten Krise keine Patentrezepte für ihre Lösung. Da sollten wir uns keinen falschen Illusionen hingeben. Insofern ist der Dialog über mögliche Wege wertvoll und zielführend. Die Kanzlerin hat konsequent in dem „Deutschland und Europa neu denken: Wege aus der Staatsverschuldung“ überschriebenen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrates in Berlin am Dienstag ihre Rede mit „Deutschland in Europa – Beiträge für den europäischen Zusammenhalt“ betitelt.

Denn Europa und die Welt blicken vor allem nach Berlin, von wo Lösungswege aus der Krise erhofft werden. Viele gute Ratschläge sind in diesem Fall offensichtlich keine Mangelware. Ob sie immer auch gut gemeint sind, wage ich zu bezweifeln. Deutschland hat hier ein hohes Maß an Verantwortung zu tragen. Und ohne Zusammenhalt können Lösungen nicht gefunden werden.

Kommentare (10)

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FFranz

14.06.2012, 08:18 Uhr

Der größte Erfolg der demokratiefernen EU war und ist ein rhetorischer: Es ist ihr gelungen, sich mit Europa gleichzusetzen und damit ihre Unverzichtbarkeit zu begründen. Wenn die grässliche, der Arroganz einer sich als Staatsmänner empfindender Politiker zu verdankende Euro doch noch ein Verdienst erwirbt, dann wäre das die Vernichtung der gegenwärtigen Form der EU.

Account gelöscht!

14.06.2012, 08:25 Uhr

"Ein Verbund funktioniert nur, wenn sich jede einzelne Einheit ernst genommen fühlt und Mitsprache eingeräumt bekommt, so klein sie auch ist."

Das ist für mich der Kernsatz des Artikels, denn die kleinste Einheit (der Bürger) wird nicht als Teil des Ganzen wahr genommen. Er kann staunend miterleben was da so über seinen Kopf hinweg entschieden wird und er bekommt niemals auch nur den Hauch einer Chance Fragen zu stellen.

Als Lösungsvorschlag: Der Euro als Verrechnungseinheit für den Außenhandel, parallel dazu Nationalwährungen für die Bürger.

Radiputz

14.06.2012, 08:33 Uhr

Die Sandsackdemonstanten von Attac und Genossen verstehen eins nicht oder wollen es bewußt nicht verstehen und damit verschleiern, nicht die "Spekulanten" sind an der Krise schuld, obwohl es auch hier einige unschöne Erscheinungen gibt,sondern die maßlose Staatsverschuldung einiger europäischer Länder und dazu der Euro als Fehlkonstrukt, der wiederum nur für einige Länder der EU passt, aber für andere überhaupt nicht. Zu komplexen Analysen, die über den eigenen Tellerrand der selbsteigenen politischen Überzeugungen und Interessen zu schauen vermag sind allerdings nicht nur die Attac-Leute unfähig, sondern auch die Politiker aus dem Lager der Euro-Religiösen und somit können beide gemeinsam in die "Kirche" gehen, wenn sie auch verschiedenen "Konfessionen" angehören. Gläubige, die en "heiligen" Euro anbeten sind beide.

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