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08.03.2012

14:04 Uhr

B.wertet

Führende Frauen

VonChristine Bortenlänger

Was wäre, wenn Männer weniger Gehalt bekämen und permanent an die gläserne Karriere-Decke stießen? Klar, das wäre ungerecht. Deshalb verdienen auch Frauen eine faire Chance im Job. Ein Plädoyer für Gleichbehandlung.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

2030: In einer Fernsehtalkshow beklagt sich ein Dax-Vorstand: Bei fast allen wesentlichen Meetings der vergangenen Jahre sei er meist der einzige Mann. Männer könnten wegen ihrer Neigung zu erhöhtem Risiko und ihrer Tendenz, vor allem nach kurzfristigen Renditen zu streben, kaum noch in Führungspositionen von Unternehmen aufrücken. Er gebe zwar zu, dass die Renditen der meisten Unternehmen inzwischen tatsächlich höher und die Erträge nachhaltiger seien, dennoch setze er sich hier und heute ausdrücklich für eine Männer-Quote ein. Wenigstens als Übergangslösung, denn in den Aufsichtsräten dominierten derzeit die starken Frauen, die vor gut 15 Jahren wegen der damaligen Frauenquote aufgestiegen waren.

Daneben störe ihn aber vor allem die massive Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen auf der Einkommensseite: Quer durch die Hierarchien verdienten Männer im Schnitt mehr als 20 Prozent weniger als ihre weiblichen Kollegen. Das sei ein untragbarer Zustand und durch nichts gerechtfertigt. Sicherlich liege die Ursache darin, dass viele Männer in typischen Männerberufen arbeiteten, aber es sei gesellschaftlich problematisch, dass ein Facharbeiter etwa in der Autoindustrie weniger verdiene als eine Kinderpflegerin. Er könne nicht nachvollziehen, dass jemand, der Autoteile zusammenbaue für die Gesellschaft weniger wichtig sei als jemand, der Kinder erziehe.

An dieser Stelle möchte ich diese „Utopie 2030“ einmal beenden. Ich hoffe, sie macht deutlich, in welchem Zustand wir uns derzeit in Sachen Gleichbehandlung und Chancengerechtigkeit befinden. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn die Situation, wie oben geschildert, umgekehrt wäre, sähen wir uns einer breiten und sehr lautstarken Protestfront gegenüber. Insofern kann ich den Vorstoß der EU-Kommissarin Viviane Reding sehr gut nachvollziehen, die sich nun für eine europaweit geltende Frauenquote einsetzt.

Obwohl Studien belegt haben, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in den Führungsebenen besser wirtschaften als männlich dominierte Vergleichsunternehmen, und obwohl mehr als 50 Prozent der Universitätsabschlüsse inzwischen von Frauen abgelegt werden, spiegelt sich dies in keiner Weise in den Unternehmen wider. Zudem ist in keinem anderen europäischen Land das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen so hoch wie in Deutschland, so eine Studie der OECD. Genauer beläuft sich die Differenz auf 21,6 Prozent bei Vollzeit beschäftigten Frauen. Im Schnitt der 34 Industrieländer liegt diese Differenz bei noch immer traurigen 16 Prozent.

Kommentare (16)

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wone

08.03.2012, 14:44 Uhr

Frauen zicken eben lieber als "Promis" mit Spitzmausgesicht, langen glatten blongefärbten Haaren das ist einfacher als sich den Weg in die Vorstandsebene zu erkämpfen

Account gelöscht!

08.03.2012, 15:02 Uhr

Sagen Sie mir bitte, in welcher selben Berufsgruppe Frauen und Männer unterschiedlich vergütet werden? (Aber bitte jetzt nicht eine Kinderpflegerin aus dem Osten mit einem Kinderpfleger aus dem Westen vergleichen.)
Man kann doch hier nicht unterschiedliche Berufsgruppen für einen Vergleich heranziehen und dann behaupten, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlechter bezahlt werden, nur weil die eine Berufsgruppe (Non-Profit), in der überwiegend Frauen tätig sind, geringer vergütet wird als z.B. die Autobranche, in der überwiegend Männer arbeiten. VW schüttet derzeit einen Rekordbonus an die Mitarbeiter aus (wahrscheinlich überwiegend männliche Mitarbeiter). Wie ungerecht aber auch. Pech liebe Frauen, dass ihr euch auch so wenig für solche Berufe interessiert und lieber euren Dienst am Menschen verrichtet. Aber die Wohlfahrt wird sich solche Bonuszahlungen auch in Zukunft wohl kaum leisten können. Bitte bei der Berufswahl berücksichtigen!
Wenn eine Frau qualifiziert, ehrgeizig, kämpferisch und karieregeil ist, dann schafft sie es auch ohne gesetzliche Regelungen in die besser bezahlten Berufsgruppen. Die guten Jobs muss man sich schon erkämpfen! Das Gehalt ist zudem oft auch Verhandlungssache mit dem Arbeitgeber. Man könnte ja auch die Behauptung aufstellen, dass die Mehrheit der Frauen schlechter verhandeln können, wenn es um das Gehalt geht? Dies alles ist aber kein Ungleichbehandlung!

Baronin

08.03.2012, 15:15 Uhr

@wone: Welch` unqualifizierte Bemerkung! Was für ein schlechter Stil ... ich bin entsetzt hier Solches lesen zu müssen!

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