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26.04.2012

07:13 Uhr

B.wertet

Ideologie und Weltuntergangsrhetorik

VonChristine Bortenlänger

Zur umstrittenen Unterstützung für Eltern, die ihr Kind zu Hause betreuen, wollte ich eigentlich gar nichts sagen. Nun kommt es aber anders, denn es gibt Dinge, die mich beunruhigen.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Ganz ehrlich, ich wollte mich eigentlich nicht in die Diskussion zum Thema Betreuungsgeld einmischen. Und ich bin auch keine Befürworterin des Betreuungsgeldes. In Anbetracht des harten Sparzwangs, den wir unseren europäischen Nachbarländern auferlegen, halte ich derzeit Diskussionen über zusätzliche Ausgaben dieser Art für nicht zielführend, das gleich vorneweg.

Nun kommt es anders, denn mich beunruhigt die Art und Weise, wie über das Betreuungsgeld gestritten wird. Schon der Begriff „Herdprämie“, der sich in der Öffentlichkeit für das Betreuungsgeld eingebürgert hat, sagt einiges über die Intention der Diskutanten. Die SPD plant jetzt eine Postkartenaktion zu starten und auf der SPD-Homepage sollen jeden Tag neue Argumente gegen das Betreuungsgeld veröffentlicht werden. Der Spiegel kündigt seine neue Ausgabe groß an mit der Headline „Der Fluch der Herdprämie. Die Einführung des Betreuungsgeldes gefährdet den Modernisierungskurs von Angela Merkel.“ Bedeutet die Einführung des Betreuungsgeldes tatsächlich einen herben politischen Einschnitt, einen grundlegenden Wandel? Die SPD hat gar vorsorglich angekündigt, dass sie, sollte sie sich politisch nicht durchsetzen, das Bundesverfassungsgericht anrufen will. Wenn das nicht Feigheit vor dem Wähler ist.

Herdprämie, rückwärtsgewandt, Rückfall in die 1950er Jahre, Verhinderung der Berufstätigkeit von Frauen, die Argumente sind vor allem ideologischer Natur – und das sollte uns aufhorchen lassen. Ein Betreuungsgeld von 100 Euro für Kinder bis zum dritten Lebensjahr, ab 2014 dann 150 Euro, darum geht es. Die Folge soll dann geradezu zwangsläufig sein, dass wegen 150 Euro im Monat Eltern massenweise ihre Kinder aus dem glücklich erstandenen Kita-Platz nehmen, die Kinder zuhause vor den Fernseher setzen und die 150 Euro in Zigaretten und Alkohol „investieren“. Welche Meinung hat die Politik, und vor allem die, die sich links nennt, eigentlich von den Bürgern und ihren Wählern?

Kommentare (7)

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Wahlgeschenke_Nein_Danke

26.04.2012, 08:21 Uhr

Stilblüten einer immer irrer werdenden Politik: Betreuungsgeld nur für die "Guten" http://bit.ly/I4XFs1

Piratenpartei lehnt Betreuungsgeld ab: http://bit.ly/IoG7aJ #piraten , auch grade aus diesen Gründen!

Wahlgeschenke Nein Danke


svebes

26.04.2012, 08:46 Uhr

Sehr geehrte Münchnerin, die deutschlandweite Realität ist eine andere. Ich empfehle Ihnen mal einen informativen Abstecher ( 2-3 Tage ) nach Duisburg Meiderich und zum Ausklang mal eben noch nach Gelsenkirchen. Schwupps wäre vieles wieder im Lot. So einfach kanns sein in der Realität anzukommen. Aber Börse und Realität? Hm - lassen sie sich einfach von Hoffnungen beflügeln. FYI: Dieser SPD stehe ich bestimmt nicht nahe.

Account gelöscht!

26.04.2012, 10:18 Uhr

".. andererseits bleibt den Bürgern ja die Wahlfreiheit
an der Wahlurne."
.
So ist das.
In einer Demokratie (auch in einer nur parlamentarischen)
bekommt 'das Volk' immer die Regierung, die es verdient.

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