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08.12.2011

09:14 Uhr

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Die Welt trifft sich beim Klimagipfel in Durban und hofft auf konkrete Ergebnisse. Diese sollten mindestens so konkret sein, dass die Emissionen kompensiert werden, die wegen der erheblichen Reisetätigkeit der Delegationen angefallen sind. Bisher ist das Echo zwiespältig. Eines hat sich aber gezeigt: Deutschland glänzte nicht unbedingt durch Verhandlungsgeschick. So schockte die Kanzlerin mit ihrer Prophezeiung, es sei wenig wahrscheinlich, dass das schon im nächsten Jahr auslaufende Kyoto-Protokoll verlängert würde. Der Klimagipfel, so „Kassandra Merkel“, sei mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt. Gerade die so wichtigen Schwellenländer würden sich kaum bewegen. Welcher Taktik diese negativen Vorahnungen geschuldet waren, ist nicht ganz klar, auf jeden Fall hat diese Aussage die Verhandlungsposition Deutschlands nicht gerade gestärkt.

Immer wenn es um die wirksame Bekämpfung des Klimawandels und um die Transformation von Sonntagsreden in strenge und nachprüfbare politische Maßnahmen geht, kneift die Politik. Dieses Verhalten scheint sich einzubürgern – vielleicht, weil die Folgen des Klimawandels so weit weg erscheinen und in der Wählergunst derzeit keinen vorderen Platz einnehmen. Ein typisches Beispiel ist der Emissionshandel. Bei allen Fachleuten gilt der Handel mit Emissionszertifikaten als das wirkungsvollste und ökonomisch beste Instrument, um den Emissionsausstoß der Industrie und der Energieversorger einzudämmen.

So sieht das beispielsweise die Internationale Energieagentur IEA, die den Emissionshandel als das am besten geeignete Mittel nennt, um die Zielvorgabe der EU zu erreichen. Bis zum Jahr 2020 soll der Treibhausgasausstoß um 20% des Niveaus von 1990 gesenkt werden. Im EU-Emissionshandelssystem werden in begrenzter Menge Zertifikate, also Verschmutzungsrechte, an die Unternehmen ausgegeben beziehungsweise versteigert. Die Unternehmen müssen je nach Bedarf dazukaufen oder können verkaufen. Idealerweise nutzen sie dabei erzielte Erlöse für Emissionsminderungsmaßnahmen, um ihren zukünftigen Verbrauch an Zertifikaten noch weiter zu reduzieren. Die Investition in moderne, energie- und emissionssparende Technologien wird damit zumindest teilweise amortisiert.

Umgesetzt wurde der Emissionshandel bisher nur in der EU. Europa wollte eine Vorreiterrolle für die Welt einnehmen. Immerhin etwa 50 Prozent der ausgestoßenen CO2-Emissionen werden mit diesem Handel erfasst. Aus verschiedenen Gründen gibt es derzeit aber zu viele Zertifikate auf dem Markt, so dass die Preise eingebrochen sind und der Handel unattraktiv ist. Mit Recht fordert die IEA, dass die Zahl der Emissionszertifikate drastisch gekürzt werden müsse und es keine kostenlose Zuteilung mehr geben dürfe. Doch die Politik, sonst gerne bereit nachzujustieren, wenn sich Dinge nicht so entwickeln wie gedacht, hält sich zurück.

Aber die Situation ist ernst: Trotz der Kyoto-Vereinbarungen wächst der jährliche CO2-Ausstoß bedrohlich an, auf geschätzte 33 Milliarden Tonnen in diesem Jahr. 1997, als Kyoto verhandelt wurde, waren es noch 25 Milliarden Tonnen. Besonders pikant: Gerade in den Schwellenländern steigt der CO2-Ausstoß sprunghaft  – China und Indien nehmen inzwischen weltweite Spitzenpositionen ein. Allerdings verursachen sie die Emissionen in nennenswertem Umfang bei der Produktion von Gütern, die dann in die westlichen Industrienationen exportiert werden. Hier läuft also etwas schief und am System vorbei.

Der Emissionshandel könnte – weltweit eingesetzt – den Klimaschutz voranbringen. Er würde unter der Voraussetzung gleicher Bedingungen auch nicht zu ökonomischen Verwerfungen führen. Auf der Basis von Pessimismus versprühenden Aussagen lassen sich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien aber nicht wirklich zu einschneidenden Schritten und einem Kyoto-Folgeprotokoll überzeugen. Trotzdem scheinen gerade diese Länder sich in Durban bewegen zu wollen, noch bleibt Hoffnung.

Der Kassandra glaubten ihre Landsleute den von ihr vorhergesagten Untergang Trojas nicht. Wir alle wissen, dass es anders kam und sie Recht behielt. In Durban wird die Schlussnote zeigen, ob sich die Geschichte wiederholt und Merkel in die Fußstapfen der Kassandra steigt. Hoffen wollen wir das nicht.

Ihre cb.

Christine Bortenlänger, geboren 1966 in München, ist Geschäftsführerin der Börse München.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.12.2011, 16:15 Uhr

Der IPCC ist mehr oder weniger eine kriminelle Vereinigung. Eine kriminelle Vereinigung, weil dieser Verein ganz schlicht und einfach es nicht zu lässt, dass andere Meinungen und vor allen Erkenntnisse unterschlagen werden.
Alles das was bisher von dem Verein veröffentlicht und als wissenschaftlich fundiert verkauft wurde, das hält mehrheitlich einer Nachprüfung nicht stand. So wird z.B. Unterschlagen, dass es auf unserer Welt schon einmal sehr viel wärmer und der CO2 Anteil wesentlich höher war, und da gab es überhaupt keine Autos, keine Industrie und keine 6 Milliarden Menschen.
Beispiel Eisbären. Es gab wahrscheinlich noch nie so viel Eisbären wie derzeit. Dass die Überlebensschwierigkeiten haben liegt nicht ein einer Klimaerwärmung, sondern daran, dass es von deren Hauptnahrungsmittel - Robben - immer weniger gibt. Warum gibt es davon so wenig? Weil die Meere überfischt sind und denen ihre Nahrung fehlt.
Dass jetzt Entwicklungsländer sich der EU angeschlossen haben, das hat einen einfachen Grund. Entwicklungshilfe, sonst nichts.

Moika

10.12.2011, 09:01 Uhr

Ne, ne, Frau Bortenlänger, ich glaube, Frau Merkel wußte schon genau worüber sie sprach. Warum sollten die Drittwelt-Staaten Interesse an einem größeren Verzicht haben, wenn ausgerechnet die fünf größten Luftverschmutzer, USA, China, Indien, Japan und Rußland, die fünfzig Prozent der CO2 Emissionen leisten, sich vertraglich festgelegten Beschränkungen vollkommen verweigern?

Vor 450 Millionen Jahren war unsere Erde ein riesiger, geschlossener Eisball, obwohl die CO2 Sättigung der Atmosphäre acht Mal so hoch war wie heute. Aber die Radikalfundamentalisten der NGOs haben sich von Fakten noch nie überzeugen lassen und sind auf bestem Wege, ihre Glaubwürdigkeit vollends zu verspielen.

Daß wir uns recht verstehen: Ich bin gegen jede unnötige Verschmutzung unseres Lebensraumes Atmosphäre. Aber hier werden wir nachhaltige Verbesserungen erst dann erzielen, wenn wir alle bereit sind, Verzicht zu üben.

Aber das erzählen sie mal den überzeugten Wachstums-Gurus. ;-))

M_Koecher

11.12.2011, 18:08 Uhr

Wollte Frau Merkel etwas anderes, als den Druck der "NGOs" massiv auf die "zögernden" Schwellenländer zu lenken?

Durban hat gezeigt: Man hat sich auf eine freundliche diplomatische Note geeinigt, welche die Wirtschaftsentwicklung der Schwellenländer nicht in Ketten legt. Darin iegt denn auch die wirkliche Gefahr der "BRIC-Klimaabstinenz" - dass diese Schwellenländer sich ihre Entwicklung einfach nicht deckeln lassen oder gar dafür an den stagnierenden Westen bezahlen wollen.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass dem Westen das Schicksal Spaniens seit dem Konflikt mit den USA vor der Wende ins 20. Jh. droht: Der Abschwung von der globalen Supermacht zum wirtschaftlichen Sorgenkind.

Wären China und Indien nicht hochgerüstete Nuklearmächte, würde die Welt auf einen neuen Krieg zusteuern. Nun sind sie es aber, also bemüht man das Märchen der menschlichen Verursachung der Klimaerwärmung ..pardon.. mittlerweile des Klimawandels.

Wer mich nun für von der Öllobby vergiftet/ bezahlt hält, möge Folgendes googeln:

1. Was war Mikes Trick?
2. Warum wurde er unmittelbar notwendig?
3. Warum wurde er mittelbar notwendig?
4. Warum geben die abtauenden Alpengletscher alte Baumbestände frei?

5. Warum tauten die Eisschilde der nördlichen Hemisphäre vor 20.000 Jahren? (Der Meeresspiegel stieg um 120 m.)

6. Warum tauten die Gletscher der nördlichen Hemisphäre vor 10-11.000 Jahren? (Der Temperaturanstieg in Mitteleuropa und Südskandinavien betrug laut Pollenanalysen ca. 6°C "innerhalb einer Generation". Zuvor war etwa der Rheintalgletscher bis zu 50 Kilometer über den Bodensee nach Norden gewachsen.)

Ich meine, dass, wer sich möglichst ideologiefrei mit diesen Fragen beschäftigt, zu dem Schluss kommt, dass die Klimatologie dem Beispiel der Eugenik folgen dürfte. Hoffentlich gilt dies nur für das Schicksal als ernstzunehmende wissenschaftliche Disziplin.

Dem Rest empfehle ich Daniel Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" als Lektüre.

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