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07.09.2012

10:12 Uhr

B.wertet

Kräftiger Druckabfall

VonChristine Bortenlänger

Stress, Erschöpfung, Burn-out nehmen dramatisch zu. Egal ob im Job oder privat – wir  wollen immer besser sein und weniger Fehler machen als die anderen und dabei noch gut aussehen und möglichst gelassen wirken.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Ist es die Angst vor dem Jobverlust, vor der fehlenden Anerkennung im Beruf, bei Vorgesetzten und Kollegen, aber auch bei Freunden und in der Familie? Und ist Anerkennung inzwischen ausschließlich an Leistung geknüpft? Und Leistung wiederum vor allem an Schnelligkeit? Sicherlich haben die neuen Medien zu dieser gewaltigen Beschleunigung beigetragen – was sich früher noch auf den verzögerten Postweg schieben ließ, ist heute unumstößlich uns selbst anzulasten.

Vielleicht liegt dieser Leistungswillen auch daran, dass die Meinungsbildner – wir – die geburtenstarken Jahrgänge sind. Wir waren immer „viele“. Um überhaupt eine Chance zu haben, mussten wir unter den besten sein. Egal ob wir Aufmerksamkeit erringen oder einen Job erhalten wollten, vom Professor im Studium wahrgenommen werden oder eine Lehrstelle bekommen wollten, wir mussten uns dafür gewaltig anstrengen, denn groß war die Konkurrenz. So wurden wir auf Leistung getrimmt erzogen, das hat uns geprägt, und das geben wir, bewusst oder unbewusst, so weiter.

Das Schlimme ist, wir bauen Druck auf, wo es gar nicht sein müsste: Wir drängeln im Straßenverkehr und wollen immer erster sein, egal ob an der Ampel oder auf der Straße – wo sonst in der Welt darf man noch so schnell fahren wie auf Deutschlands Autobahnen? Hier sind wir zweifelsfrei übermotiviert und übermotorisiert. Wir organisieren unsere Hobbies in Vereinen und legen wert, die Satzung bis ins kleinste Detail nicht nur festzuschreiben, sondern auch zu erfüllen. In Elterninitiativen bestrafen sich Eltern mit Hilfe eines oftmals ausgeklügelten Systems gegenseitig, wenn sie ihre Kinder zu spät in den Kindergarten oder Hort bringen. Am U-Bahnsteig drängeln wir mit einer solchen Macht in den nächsten Zug, dass die Fahrgäste kaum eine Chance zum Aussteigen haben. Die Liste ließe sich leider beliebig verlängern und auf so ziemlich alle Lebensbereiche ausdehnen.

Kommentare (2)

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RM.

07.09.2012, 12:35 Uhr

Für was steht dieser Artikel? Zur Beruhigung des Ego's? Dafür das, wenn ein Mensch ein Problem erkannt hat, trotzdem wie bisher weitermachen sollte?
Wie anders ist Ihr so lauwarmer Lösungsvorschlag, "etwas von der Urlaubsentspannung mit in den Alltag zu nehmen" und die Empfehlung "Druck abzulassen" zu verstehen?
Sie schildern möglicherweise erfahrungsgemäß das gehetzte und von Sinnlosigkeit und Mangel geprägte Verhalten moderner Menschen in unserem System. Sie führen an, und das ist wohl jedem noch fühlenden Menschen klar, ein Großteil der Bevölkerung leidet unter dem unmenschlichen Wirtschaftssystem und möchte anders leben. Und nun halten Sie den Menschen den Spiegel vors Gesicht und zeigen auf, dass unsere Wünsche nicht mit unserem persönlichen Verhalten übereinstimmen. Und Sie haben recht! Wenn wir eine Veränderung im Außen wünschen, ist es unabdingbar zuerst bei uns selbst die erforderliche Änderung im Denken und im Verhalten hervorzurufen. Diese wichtige Schlussfolgerung fehlt leider komplett in Iher Analyse und wird leider mit Worthülsen a la "Druck ablassen" und Beruhigungsformeln ersetzt. Liebe Frau B., es ist klar, Sie sitzen im Glashaus und müssten es zerdeppern, müssten etliches aufgeben, wofür Sie beruflich als Leiterin des Aktieninstituts stehen(müssen). Ihr Institut, das Teil dieses unmenschlichen Wirtschafts- und Finanzsystems ist, und somit Teil des Problems, müsste aufhören für "Corporate Governance", sondern z. B. für "direkte Demokratie" zu stehen, anstatt für "Finanzmarktförderungsgesetze", für "Förderung von Menschen und Talenten" eintreten, anstatt für den "Finanzplatz Deutschland", für ein "menschenwürdiges Deutschland"! Wie, das geht nicht, weil dies die Existenzberechtigung des Instituts betrifft? Tja, Frau B., wem wollen Sie nun treu sein? Sich selbst als Mensch, oder Ihrem Image, Ihrer Persona, Ihrem Status in der Gesellschaft?

leistungsklima

08.09.2012, 13:42 Uhr

Der Artikel beschränkt sich wie viele seiner Art auf die Person. Die Menschen arbeiten in Organisationen, haben einen Arbeitsplatz, werden Entlohnt und stehen in Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Anteilseignern. In diesem Umfeld entstehen Spannungen, die dann von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Wahrnehmung ist messbar. Personen können für ihren Leistungsklimaindex ermitteln und mit anderen vergleichen; Unternehmen können eine Leistungsklimabilanz aufstellen und dann gezielte Interventionen und Projekte initiieren. Durch eine Leistungsklimabilanz werden PE und OE-Maßnahmen messbar. Unternehmen erhalten Bestleistungen, die von den Menschen bei einem gesunden Leistungsklima gerne und auf Dauer erbracht werden.

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