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16.08.2012

09:33 Uhr

B.wertet

Medaillenzählen

VonChristine Bortenlänger

Die 30. Olympischen Spiele sind vorbei. Eines lässt sich zu unser aller Erleichterung sagen: Sie sind friedlich verlaufen, der befürchtete Terror blieb aus. Aber es gibt noch andere Dinge, über die es zu reden lohnt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Ob dies den hohen Sicherheitsstandards zu verdanken ist oder der Tatsache, dass Terroristen überwiegend dort zuschlagen, wo man es nicht vermutet, mag dahingestellt sein. Wichtig und als Erfolg zu verbuchen ist, dass trotz aller Befürchtungen und Diskussionen im Vorfeld die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen sich nicht auf die Stimmung der Spiele auswirkten. Als Augenzeuge kann ich bestätigen, dass von „Spielen im Käfig“ keine Rede sein konnte. Die Großstadt London brach nicht zusammen. Überhaupt war die Stimmung hervorragend, die Bevölkerung fieberte mit ihrer Mannschaft, aber auch mit Ausnahmeathleten wie Usain Bolt oder Micheal Phelps mit, wie man das ansonsten nur von Fußball-Weltmeisterschaften kennt. London war ein hervorragender Gastgeber und London hat bewiesen, dass es möglich ist, auch in einer dicht bevölkerten Großstadt  Olympische Spiele durchzuführen. Und obwohl natürlich die Sportler den Mittelpunkt bildeten, darf man auch die internationale Schar weltoffener Olympiabesucher nicht als Teil der Erfolgsgeschichte vergessen. Sie sorgten zusammen mit den tausenden freiwilligen Helfern und einer hervorragend organisierten Polizei für die so wichtige gute Stimmung für die 30sten Olympischen Spiele. Kaum jemand wird behaupten, dass die Spiele ihrem Motto "Inspire a Generation" nicht gerecht wurden.

Die deutschen Sportler begannen verhalten und insbesondere in Disziplinen, wo Medaillen geradezu erwartet wurden – wie beim Schwimmen – gingen sie leer aus. Druck gehört zum Sport, zu hoher Erwartungsdruck scheint aber eher kontraproduktiv zu sein. Das maue Ergebnis sorgte bei den Verantwortlichen für jede Menge Diskussionsstoff. Da gibt es sicher Verbesserungspotenzial. Ein Papier, in dem die Sportfunktionäre vorab festgelegt hatten, wie viele Medaillen die Sportler abzuliefern haben, zeigte aber eher die Realitätsferne dieser Funktionärskader als das fehlende Leistungsvermögen unserer Sportler auf. Schließlich sind die deutschen Sportler sicher nicht schlechter geworden als vielmehr die Konkurrenz aus vielen Nationen besser. Auch in diesem Fall lohnt sich ein Blick auf die britische Sportförderung der letzten Jahre. Es wurde und wird viel investiert und konzeptionell verändert mit äußerst positiven Auswirkungen auch auf den Schul- und Breitensport.

Nimmt man sich den Medaillenspiegel vor, kommt Deutschland als Nr. 6 nicht schlecht weg und vor allem die große Zahl an Silber- und Bronzemedaillen zeigt, dass wir auch oftmals sehr guter Zweiter oder Dritter waren. Übrigens, für alle Europaskeptiker: Zählt man die Medaillen der EU-27-Länder zusammen, nähme Europa unangefochten Platz 1 ein. Immerhin auf 92 Goldmedaillen bringen es diese 27 Länder – und das bei 302 Wettbewerben und damit 302 Chancen auf Gold. Hinzu kämen sogar weitere 17 Goldmedaillen aus europäischen Nicht-EU-Staaten wie der Ukraine, Weißrussland, Kroatien oder der Schweiz  – ohne die 24 Goldmedaillen aus Russland, die man gerechterweise auf die Athleten aus dem europäischen und asiatischen Teil des Landes aufteilen müsste, wofür ich mich aber außerstande sehe. Asien bringt es auf insgesamt 79 Goldmedaillen und auf einen sicheren zweiten Platz, den dritten Platz nimmt Nordamerika ein.

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