Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2012

11:36 Uhr

B.wertet

Mittelständler brauchen einen langen Atem

VonChristine Bortenlänger

Die Europäische Union will kleine und mittlere börsennotierte Unternehmen entlasten. Doch es ist zu befürchten, dass es die derzeitigen Vorschläge den Firmen eher schwieriger machen, Kapital über die Börse aufzunehmen.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Wir alle erleben Höhe und Tiefen, sind einmal besser motiviert, leistungswillig und -stark, ein andermal schleppen wir uns durch den Tag, verbeißen uns in einzelne E-Mails und Formulierungen, scheuen Entscheidungen. Nicht umsonst fasst das Schulsystem halbjährlich und am Jahresende die Leistungen der einzelnen Schüler zusammen und präsentiert sie der Öffentlichkeit, das heißt den Erziehungsberechtigten.

Der Mensch ist keine Maschine und auch Organisationen funktionieren nicht wie Großrechner – nicht umsonst spricht man von „Organizational Behaviour“. Unternehmen sind eingebunden in den Jahreslauf, je nach saisonaler Abhängigkeit der einzelnen Branchen einmal mehr und einmal weniger. Vierteljährliche, detaillierte und überprüfte Auskünfte zum Unternehmensgeschehen können einen Richtwert darstellen, sind aber für langfristig denkende Anleger und ihre Entscheidungen eher irrelevant. Gelegentlich wird sogar der Verdacht geäußert, dass eine Regelberichterstattung in sehr hoher Frequenz zu einer Überbetonung kurzfristiger Unternehmensziele beitragen könnte. 

Gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen kann allein durch die Verschiebung eines einzigen Großauftrages die Quartalsbilanz deutlich verändert respektive verhagelt werden. Trotzdem verlangt der regulierte Markt in seiner 2007 von der Europäischen Union (EU) beschlossenen Form, dass Unternehmen, egal ob sie ein international agierender Konzern oder eine mittelständische Aktiengesellschaft sind, vier Mal im Jahr ihren Aktionären und der Öffentlichkeit Auskunft über das Unternehmensgeschehen geben.

Diese Pflicht zur Veröffentlichung sogenannter Zwischenmitteilungen ist mit einem hohen organisatorischen Aufwand und nicht unerheblichen Kosten verbunden. Bleibt zu fragen, ob diese Fülle an Informationen dem Anleger, dem Aktionär, wirklich so viel nützt, oder ob dieses Geld und die blockierten Ressourcen nicht zukunftsweisender im Sinne des Unternehmenserfolges eingesetzt werden könnten – zum Wohle auch des Aktionärs.

Selbstverständlich haben gerade global anlegende institutionelle Investoren einen hohen und regelmäßigen Informationsbedarf, da sie ihren eigenen Kunden Auskunft geben müssen. Sie haben eine hohe Verantwortung, da sie das Geld von Dritten in deren Namen anlegen. Allerdings konzentriert sich diese Art von Investoren ganz überwiegend auf hoch liquide Werte von Blue Chips aus aller Welt. Die kleinen institutionellen Investoren, Family Offices und Privatanleger jedoch sind mit einer ausführlichen jährlichen Bilanz sowie einem Bericht zur Jahreshälfte und der bereits bestehenden Verpflichtung der Unternehmen, über alle wesentlichen, den Aktienkurs betreffenden Veränderungen per Ad-hoc-Mitteilung Auskunft zu erteilen, ausreichend bedient.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×