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02.08.2012

15:46 Uhr

B.wertet

Sind wir böse Spekulanten?

VonChristine Bortenlänger

Immer wieder wird der Kampf gegen die Spekulanten als Ziel genannt, das Eindämmen der Spekulation zur Rechtfertigung herangezogen. Aber das ist ein Fehler.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Ob bei der Diskussion über die Börsenumsatzsteuer, bei Maßnahmen zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels, bei der Infragestellung der Notwendigkeit von Investmentbanken oder der Diskussion der Aufgaben der EZB im Schuldentaumel – immer wieder wird der Kampf gegen die Spekulanten als Ziel genannt, das Eindämmen der Spekulation zur Rechtfertigung herangezogen. Auf der schwarzen Liste breiter Bevölkerungskreise und der Politik scheint der Spekulant einen Spitzenplatz einzunehmen. Spekulanten bereichern sich an unserem sauer verdienten Vermögen und verursachen Finanz- und Wirtschaftskrisen, so könnte man wohl die Volksmeinung auf den Punkt bringen. Doch im eigentlichen Wortsinn bedeutet Spekulation nichts anderes als in Zukunft gerichtetes Handeln. Also heute zu entscheiden, was zu tun ist, wenn sich – zum Beispiel – ein Wertpapier in nächster Zeit so oder eben anders entwickelt. Wirtschaftlich gesehen will der Spekulant einen finanziellen Erfolg aus dieser seiner Entscheidung ziehen, trägt aber auch das Risiko einer immer möglichen Fehlentscheidung. Mittels Information und unterschiedlichster Analysetechniken versucht er, dieses Risiko einzugrenzen. Auf philosophisches Eis – Spekulation als Denken des Ungedachten – will ich mich an dieser Stelle aber lieber nicht wagen.

In diesem Sinne ist aber auch beispielsweise jede Versicherung Spekulation. Wir entscheiden heute, einem Unternehmen Geld zu zahlen, damit wir bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses daraus resultierende Verluste erstattet bekommen. Anders ausgedrückt: Wer zum Beispiel eine Glasbruchversicherung abschließt, "spekuliert darauf", dass Glas bricht – sonst hat er ja "fehlinvestiert" und ohne Grund seine Police bezahlt. Wer keine Haftpflichtversicherung abschließt, "spekuliert darauf", dass ihm schon kein Missgeschick passiert. Und die Versicherung "spekuliert" mit dem angelegten Geld, damit sie im Notfall auch über genügend Kapital verfügt, den Schaden zu bezahlen. Sind das immer alles böse Spekulanten, sind wir also mehr oder weniger alle Spekulanten? Wo beginnt Spekulation im landläufig verwendeten Sinne? Gibt es eine Grenze, ab der vorausschauendes Handeln unanständig wird? Ist die Geldanlage auf dem Sparbuch auch "Spekulation"?

Kommentare (13)

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TG_1

02.08.2012, 16:39 Uhr

Schöne Ausfürung. Gefällt mir.

HansHans

02.08.2012, 17:12 Uhr

guter Beitrag!

PeterPeter

02.08.2012, 17:51 Uhr

Ja, ja, schöne Ausführung. Habe ja nichts dagegen, wenn wer im Spielcasino mit Geld herum spielt. Aber warum muss eigentlich der Staat/Bürger dann zahlen, wenn das schief geht? Klarer Fall, Sie kommen von der Börse und haben auch von unserem Geld (sprich Staatshilfen) gelebt, sonst wäre die Börse auch heute noch im Keller. Da die Grenze zu zeigen und diese Spekulation letztlich auf Bürgerkosten abzukoppeln sollte Ihnen doch eigentlich gelingen. Scharfzüngig sind Sie ja.

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