Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.02.2012

08:56 Uhr

B.wertet

Strafsteuer für Kinderlose?

VonChristine Bortenlänger

Die Strafsteuer für Kinderlose erscheint auf den ersten Blick absurd. Doch es geht gar nicht um Bestrafung, sondern um nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Kinderlose sollen mehr Steuern zahlen und schnell wurde ein Begriff für diese Steuer gefunden: „Strafsteuer“. Auch wer nur ein Kind aufzuweisen hat, fiele nach dieser Idee unter die strengen Regeln des Fiskus und müsste die Steuer hälftig zahlen. Die Rede war von einem Prozent auf die Einkommensteuer für Kinderlose und einem halben Prozent für Einkindfamilien.

Auf den ersten Blick erscheint diese Idee absurd und irgendwie geschmacklos. Persönliches Schicksal mit Steuern zu bestrafen, das scheint ethisch und moralisch nicht wirklich vertretbar. Kinderlosigkeit empfinden viele als Strafe genug, die Gründe, keine Kinder zu haben, sind vielfältig. Auf der anderen Seite Kinder in irgendeiner Form mit Geld aufzurechnen widerstrebt zutiefst unseren Gefühlen und unserer Erziehung.

Aber, die so angestoßene Diskussion hat den Nerv der Zeit getroffen, das beweist die gewaltige Reaktion: Allein auf einen Bericht in der Bild-Zeitung meldeten sich per Facebook 800 Kommentatoren zu Wort. Vielleicht ist es doch nicht so absurd, über eine Steuer nachzudenken, die für  diejenigen, die von der Gesellschaft mehr einfordern als sie zu deren Erhalt beitragen, einen „Solidaritätszuschlag“ bedeutet.

Insofern lohnt es sich, die Diskussion auf eine etwas abstraktere Ebene zu heben und darüber nachzudenken, wozu Steuern vom Staat überhaupt erhoben werden. Steuern dienen, ganz banal aber fundamental, in erster Linie dazu, den Staat mit den notwendigen Mitteln zu versorgen, damit er seine zahlreichen und wichtigen Pflichten erfüllen kann. Erziehung, Ausbildung, Infrastruktur, Sicherheit nach innen und außen und vieles mehr. Über die Art und Weise der Pflichten und die Höhe der Zuwendungen mag es immer wieder Kontroversen geben und nicht jeder Bürger wird mit jedem Zweck einverstanden sein. Wer das ändern möchte, kann dies mit seinem Kreuzchen auf dem Wahlzettel tun.

Was passiert, wenn ein Staat nicht ausreichend Steuern zu seiner Finanzierung eintreibt, können wir gerade am Beispiel Griechenland erleben. Prinzipiell sind Steuern nicht an bestimmte Ausgaben gebunden – es gilt das Nonaffektationsprinzip. Die Höhe der eigenen Steuern steht also in keinerlei Verbindung zu den Leistungen, die vom Staat eingefordert werden können. Typisches Beispiel ist die Hundesteuer: Sie ist, anders als oftmals angenommen, keinesfalls der Beitrag des Hundebesitzers dafür, dass das „Geschäft“ des eigenen Hundes vom Staat entfernt werde. Vielmehr will der Staat damit die generelle Verbreitung von Hunden – zum Wohle der Allgemeinheit – zumindest begrenzen.

Die Steuer besitzt also „Lenkungsfunktion“. Diese Art von Steuern sollen das Verhalten der Bürger oder auch von Unternehmen im Sinne des Staates beeinflussen. Von der Ökosteuer bis zur Tabaksteuer haben die Bürger oftmals den Eindruck, der Staat bestrafe ihre Handlungen.Tatsächlich haben diese Steuern die Eigenschaft, die Einnahmen des Staates umso mehr zu mindern, je konformer sich die Menschen oder Unternehmen verhalten. Der Staat wiederum ist in der moralisch misslichen Lage, vom Laster seiner Bürger zu profitieren.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.02.2012, 09:04 Uhr

Der beste Beitrag hier im HB seit ewigen Zeiten!

herbert

23.02.2012, 09:13 Uhr

Um Kinder zu bekommen müssen die Rahmenbedingungen passen. Jede zweite Ehe wird geschieden und die Richtersprüche lauten: Kind zur Mutter und Vater zahlt.Ein Umgangsrecht ist in Deutschland nicht durchsetzbar wenn die Mutter den Umgang verweigert. Somit haben wir Millionen von Väter die ihre Kinder nicht sehen können. Die Trennung und Scheidungsindustrie verdient Unsummen am Elend der Scheidung und Kinder. Vor diesem Hintergrund, wer ist denn noch so dumm und setzt in Germany Kinder in die Welt? Unser Famministerin Schröder ist schlicht zu überfordert das alles zu begreifen.

Radiputz

23.02.2012, 09:14 Uhr

Hier spricht eine intelligente Frau, deren Erkenntnisvermögen auch einem tumben ideologisch fixiertem Mann wie Herrn Rürup (diwup) zugute kommen möge.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×