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15.12.2011

10:31 Uhr

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Aus dem eher besinnlichen und frommen Fest der Freude über die Geburt des Herrn wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr ein Fest der Geschenke.  Der Anlass geriet und gerät darüber oftmals ins Hintertreffen und die Kirchen sind wohl eher aus Gewohnheit und Tradition voll besetzt an diesem Tag als aus wirklichem innerlichem Antrieb.

Betriebswirtschaftlich gedacht widerspricht das Schenken völlig unserer Vorstellung vom homo oeconomicus.  Dieser allseits informierte und rein wirtschaftlich denkende homo oeconomicus geistert ja noch immer durch die Welt der Wirtschaftstheorie. Leider, denn weil der Mensch nicht rational agiert, stimmen viele volkswirtschaftliche Modelle nicht oder nur wenig mit der Realität überein.

Unser Verhalten beim Schenken zeigt dies deutlich: Selbst wenn wir annehmen, dass jeder Beschenkte uns prompt ein Gegengeschenk versendet, ist diese Methode des Schenkens alles andere als effizient. Wir bekommen weniger als wir geschenkt haben und ärgern uns darüber, oder umgekehrt, wir erhalten mehr als wir gegeben haben und schämen uns. Wir bekommen unnütze Dinge, die wir beim Wichteln gegen andere unnütze Dinge tauschen und spätestens im Sommer beim Wertstoffhof verklappen. Und dennoch, wir schenken jedes Jahr von neuem und jedes Jahr klagt der Einzelhandel, es könnte noch mehr sein.

Und tatsächlich hält die Psychologie das Schenken für den eigentlichen Beginn einer  jeden friedliebenden Zivilisation!  Besitzen die Menschen mehr als sie zum unmittelbaren Überleben benötigen und trennen sich auch noch freiwillig davon, beginnt die Zivilisation, erfreuen wir uns an Kultur. Denn gibt ein Künstler, Maler, Schauspieler, Musiker nicht – meistens – sehr viel mehr als er bekommt? Unsere Vorsätze, uns in diesem Jahr das Schenken zu schenken, halten wir grundsätzlich nicht ein – zum Glück, halten wir doch so unsere Zivilisation aufrecht, schließlich machen wir uns, hinter allem Materiellen – zumindest Gedanken über den Beschenkten.

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