Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2012

15:21 Uhr

B.wertet

Was bedeutet eigentlich „Gutmenschentum“?

VonChristine Bortenlänger

Überall ist von Gutmenschen die Rede, doch was zeichnet diese Menschen aus? Sind sie tatsächlich gut oder wollen sie es nur sein? Schwingen sie bloß die Moralkeule oder sind sie wichtig für die Demokratie? Eine Analyse.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Einige Kommentatoren haben mir als Reaktion auf meine letzte Kolumne „Gutmenschentum“ vorgeworfen. Weil das der langjährigen Chefin einer Börse nicht alle Tage widerfährt, habe ich darüber nachgedacht, was sich hinter diesem Begriff des Gutmenschentums eigentlich verbergen könnte. Er begegnet uns allenthalben und kaum jemand scheint davor gefeit, als solcher identifiziert – oder soll ich besser sagen – diffamiert zu werden.

Vom ordentlich behelmten Liegefahrradfahrer über den akribischen Mülltrenner bis zum längst in den Institutionen ergrauten End-68er erklären Internetforen inzwischen im Prinzip die gesamte „Mitte der Gesellschaft“, die „politisch Korrekten“, zu ausgewachsenen Gutmenschen. Ich bin also nicht allein.

Offensichtlich ist der Gutmensch, so legen es die Ausführungen der Kommentatoren nur allzu nahe, eindeutig negativ besetzt. Aber unterscheiden sich Gutmenschen nun von „guten Menschen“ dadurch, dass sie nicht „gut“ sind oder dass sie es nur „gut meinen“ oder einfach nur durch und mit ihrem Gutsein nerven, angeben oder zumindest anecken? Und was sollen wir ansonsten sein? Abwertend? Gehässig? Böse und gemein?

Ziehen wir die guten Menschen – oder Gutmenschen? – die eifrig und für Gotteslohn für Wikipedia schreiben, zu Rate. Sie definieren den Begriff als „meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen, denen ihr Attribut „Gutsein“ oder „Gutseinwollen“ als übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird“.

Naiv und ständig die Moralkeule schwingend, das sollen also Gutmenschen sein. Das alte Wort des „Moralapostels“ kommt einem dabei in den Sinn – aber wahrscheinlich können heute viele Forenschreiber mit dem Wort Apostel nichts mehr anfangen, auch wenn die Übersetzung eines „Moralapostels“ schlicht „Sendbote der Moral“ lautete.

Kommentare (35)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Holla1957

12.07.2012, 15:37 Uhr

Es ist ganz einfach : Unter dem Begriff Gutmesch versteht man einen Menschen, der gerne gutes tuen würde, aber kein eigenes Geld einsetzen will, sondern dies auf Kosten Dritter machdn möchte. Im Gegensatz zum Gutmensch steht der gute Mensch. Sie haben das ganze nicht verstanden, aber könnten es ja noch lernen

Account gelöscht!

12.07.2012, 15:45 Uhr

absolute Übereinstimmung!

Account gelöscht!

12.07.2012, 15:45 Uhr

absolute Übereinstimmung!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×