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23.01.2009

14:10 Uhr

Bank of America

Bankchef in der Zwickmühle

VonAntony Currie, breakingviews

Der Chef der Bank of Amerika, Ken Lewis, hat den Aktionären John Thain als Opferlamm für die immer katastrophaler erscheinende Übernahme von Merrill Lynch dargeboten. Doch das entlastet Lewis nicht von seinen eigenen Fehlern. Und der Exodus bei der Investmentbank könnte trotzdem weitergehen.

Ken Lewis setzt sicherlich darauf, genug getan zu haben, um den wachsenden Zorn seiner Aktionäre zu beschwichtigen. Der Chef der Bank of America (BofA) hat ihnen John Thain als Opferlamm für die immer katastrophaler erscheinende Übernahme von Merrill Lynch dargeboten. Aber damit sind seine Probleme noch lange nicht gelöst.

Immerhin belässt er wenigstens den Handelschef Thomas Montag auf seinem Posten. Und er hat schnell für einen Nachfolger von Thain gesorgt. Aber auf wen seine Wahl gefallen ist, zeigt deutlich, welch Mangel an qualifizierten Führungskräften, denen die Wall Street im Blut liegt, derzeit bei der fusionierten Firma herrscht. Brian Moynihan mag zwar ein kompetenter Manager sein, aber er hat nur knapp über ein Jahr an Erfahrung im Investment Banking vorzuweisen: Er wurde 2007 aus der Abteilung Vermögensverwaltung eingeflogen, um den Wertpapierbereich der BofA abzuspecken, nachdem Lewis in seinen berühmten Worten erklärt hatte, genug Spaß mit dem Investment Banking gehabt zu haben.

Die Erfahrungen, die Moynihan bis jetzt beim Kostenabbau sammeln konnte, werden sich in diesem Jahr zweifellos als nützlich erweisen. Aber die BofA muss gleichzeitig möglichst viele Merrill-Mitarbeiter, die sich auf das Einfädeln von Deals verstehen, behalten. Dies wäre vermutlich leichter umzusetzen, wenn es Lewis gelingen würde, einen beliebten Banker wie den ehemaligen Präsidenten Greg Fleming, der Anfang des Monats gegangen war, zurückzulocken - oder vielleicht gar einen Außenstehenden mit einem großen Namen wie den ehemaligen Topmann von Goldman Sachs, John Thornton, zur Mitarbeit zu überreden.

Allerdings entlastet der Abgang von Thain Lewis nicht von seinen eigenen Fehlern. Einen Aufschlag von 70 Prozent für Merrill zu zahlen, während sich der Markt gerade in einer tödlichen Hetzjagd auf die Investmentbanken stürzte, erschien damals schon recht übermütig. Nachdem dann bei Merrill weitere Verluste über 15 Mrd. Dollar aufgelaufen waren, musste Lewis mit dem Hut in der Hand zur US-Regierung gehen und um Unterstützung bitten. Die Sorgfaltsprüfung der BofA wurde schließlich vollends ad absurdum geführt, als sich herausstellte, dass sich der Vergütungspool von Merrill für 2008 auf happige 15 Mrd. Dollar belief.

Aber dies war nur der letzte in einer ganzen Reihe von oft teuren Abschlüssen seit 2006, die die BofA-Aktionäre 80 Mrd. Dollar gekostet und die die jetzt so wertvolle Liquidität der Bank um 24 Mrd. Dollar geschmälert hat. Während die Märkte in die Knie gingen, hat die Großzügigkeit von Lewis dazu beigetragen, dass den Aktionären Werte über rund 150 Mrd. Dollar verloren gingen - weit mehr als bei den weniger vom Kaufrausch gesteuerten Konkurrenten wie JPMorgan und Wells Fargo.

Thain die Tür zu weisen, mag den unmittelbaren Druck auf Lewis ein wenig dämpfen. Aber wenn sich nicht schnell eine Wende zum Besseren abzeichnet, dann könnte Lewis bald vor Aktionären stehen, die nach noch mehr Blut lechzen - nach seinem.

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