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13.01.2008

15:10 Uhr

Bank of America übernimmt Countrywide

In der Pufferzone

VonAntony Currie (breakingsviews.com)

Die Synergien schaffen einen gewaltigen Puffer für die Bank of America (BoA), wenn sie jetzt Countrywide für vier Mrd. Dollar übernimmt. Die erwarteten Kosteneinsparungen allein sind rund 5,6 Mrd. Dollar wert. Da BoA-Boss Ken Lewis nur einen Bruchteil des Buchwerts für den Immobilienfinanzierer gezahlt hat, müssten schon erhebliche Abschreibungen anstehen, bevor die Investition in die roten Zahlen abdriftet.

Es ist ein tollkühner Schritt für Ken Lewis, den Chef der Bank of America (BoA), Countrywide zu kaufen. Da eine Erholung des US-Immobilienmarkts wahrscheinlich noch mindestens ein Jahr auf sich warten lassen wird, könnte die Bank weitere Verluste des Immobilienfinanzierers in Milliardenhöhe zu erwarten haben, den sie gerade für nur vier Mrd. Dollar kauft. Aber Lewis hat einen großen Puffer in den Deal eingebaut.

Zunächst einmal zahlt er weniger als ein Drittel des Buchwerts für das kalifornische Institut. Allein deshalb verfügt er über ein Polster von rund neun Mrd. Dollar. Das mag zwar nicht so komfortabel sein wie es aussieht, wenn man bedenkt, dass dies nur vier Prozent der Bilanzsumme von Countrywide über 209 Mrd. Dollar per Ende September sind. Aber damit sind Abschreibungen über mehr als 20 Prozent auf die riskantesten Bestände möglich, nämlich vor allem auf Subprime-Darlehen über zehn Mrd. Dollar und auf Eigenheimkredite mit besserer Bonität über 32 Mrd. Dollar, bei denen einige zu mindestens 90 Prozent mit Fremdkapital finanziert sind und deren Ausfallquoten schneller als die der Konkurrenz gestiegen waren.

Beruhigend wirken auch die Kostensynergien über 670 Mill. Dollar, die Lewis bis 2011 einfahren will. Abdiskontiert und mit einem Hebel von zehn versehen, bringen sie den BoA-Aktionären rund 5,6 Mrd. Dollar, auch wenn diese Fusionskosten von über einer Mrd. Dollar hinblättern müssen.

Rechnet man all dies zusammen, dann müssten schon Abschreibungen über 14 Mrd. Dollar - oder mehr, wenn sie den Steuerbescheid von BoA verringern - anstehen, bevor die Investition von Lewis in die roten Zahlen rutscht. Die Investition in Form einer Wandelanleihe über zwei Mrd. Dollar, die BoA im vergangenen Jahr bei Countrywide getätigt hat, sollte kein Thema sein: sie wurde und wird nicht gewandelt - ein Verlust ist also nicht zu erwarten. Stattdessen bleibt sie eine Verbindlichkeit für Countrywide, die Zinsen abwirft.

Es gibt allerdings auch einige Bedenken. Moody's prüft die Bonitätsbewertung von BoA auf eine mögliche Abstufung hin. Die Rating-Agentur macht sich Sorgen über die große Zahl von Vermögenswerten, die in die Bilanz der Bank - verglichen mit der Höhe des Eigenkapitals, die sie schafft, - eingebracht wird. Und Moody's sorgt sich um die Fähigkeit von BoA, im derzeitigen Umfeld neues Kapital aus den Erträgen zu schaffen. Das erklärte Ziel von Lewis, das Kernkapital von BoA bei soliden acht Prozent der Gesamtaktiva zu halten, legt allerdings nahe, dass er bereit sein könnte, eine Kapitalerhöhung vorzunehmen, um eventuelle Defizite auszugleichen. Die Wandelanleihen-Investition in Countrywide im letzten Jahr kam ein bisschen verfrüht. Aber dieses Mal - vorausgesetzt, die Anschreibungen fallen nicht noch schlimmer aus, als selbst eine düstere Prognose nahe legen würde - sieht es so aus, als hätte Lewis ein Schnäppchen gemacht.

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