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15.01.2008

10:23 Uhr

Bankbilanzen

Teurer Nachschlag für Citi

VonRichard Beales (breakingviews.com)

Die Citigroup wird heute neue Abschreibungen in Milliardenhöhe bekannt geben - und die Zufuhr frischen Kapitals seitens staatlicher Anleger aus Asien und dem Mittleren Osten. Damit tritt die US-Bank zum zweiten Mal kleinlaut vor die Investoren. Sie wird ihrem Geldgeber, der Abu Dhabi Investment Authority, weitere Zugeständnisse machen müssen. Eine Analyse.

Glaubt man den Gerüchten, so wird Citigroup neue Abschreibungen in elfstelliger Höhe bekannt geben. Merrill Lynch sitzt im selben, wenn auch kleineren Boot. Beide US-Banken arrangieren erneut Liquiditätsspritzen. Das ist nun für beide Institute das zweite Mal, dass sie sich Kapital beschaffen müssen. Und die Investoren aus der ersten Runde könnten jetzt bessere Konditionen verlangen.

Citigroup, zum Beispiel, muss möglicherweise den Deal über 7,5 Mrd. Dollar, den die Bank im November mit der Abu Dhabi Investment Authority (Adia) ausgehandelt hatte, anpassen. Der Staatsfonds hatte Schuldtitel gekauft, die einen Kupon von elf Prozent abwerfen, bevor sie in einigen Jahren in Aktien gewandelt werden, und zwar nach einer Formel, der zufolge Adia auf die ersten 17 Prozent einer möglichen Aufwärtsbewegung der Aktien verzichtet.

Wenn Citigroup Dividenden- oder Wandelinstrumente über mehr als fünf Mrd. Dollar begibt, die auf einem Aktienkurs basieren, der unter den dem Adia-Deal zugrunde liegenden 31,83 Dollar je Aktie bleibt, oder wenn sie einen höheren Kupon abwerfen, dann muss sie nachbessern. Dies besagen die Konditionen des Abschlusses.

Da der Aktienkurs von Citigroup derzeit unter dieser Schwelle gehandelt wird, wird eine dieser Bedingungen bei einer neuen Investition möglicherweise in Kraft gesetzt werden. Citigroup müsste Adia zwar keine Barmittel zurückerstatten, aber die Bank müsste den Investor in größerem Umfang an einer Aufwärtsbewegung teilhaben lassen, wenn die Investition in Aktien gewandelt wird.

Im Gegensatz dazu müsste Merrill Lynch die Differenz mit liquiden Mitteln oder dem Äquivalent an zusätzlichen Aktien ausgleichen, wenn die Investmentbank Aktien zu einem niedrigeren Kurs begeben würde, als dem Niveau von 48 Dollar, das bei dem Abschluss mit Temasek, dem Staatsfonds von Singapur, über 4,4 Mrd. Dollar am 24. Dezember festgesetzt worden waren. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass dies eintritt, da die Aktien von Merrill in der Zwischenzeit wieder weitgehend auf den damaligen Stand vorgerückt sind. Damit kann das Institut neuen Investoren einen ähnlichen Abschlag einräumen wie Temasek, ohne das Niveau von 48 Dollar zu brechen.

Und doch könnte es teuer werden, wenn die Banken immer wieder aufs Neue bei den Investoren vorstellig werden. Wenn eine Firma immer wieder um einen Kapital-Nachschlag ersucht und dabei sich ständig verschlechternde Konditionen erhält, könnte sich dies auch negativ auf die Investitionen aus den vorangegangenen Runden niederschlagen. Und ihre Kapitalkosten würden sich schnell vermehren. Darüber hinaus würde eine Spirale der Verwässerung für die regulären Aktionäre in Gang gesetzt werden. Diese sollten darauf hoffen, dass sich Citigroup und Merrill Lynch dieses Mal genug Kapital beschaffen, so dass sie sich nicht gleich wieder anstellen müssen.

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