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08.01.2010

08:08 Uhr

Bankenregulierung

Neue Risiken im Finanzsystem

VonPeter Thal Larsen

Die Vertreter der Finanzaufsichtsbehörden, die sich an diesem Wochenende in Basel treffen, sind zu Recht besorgt über die erneute Risikobereitschaft unter den Banken. Doch einige dieser Risiken sind aus den Bemühungen der Behörden hervorgegangen, das Finanzsystem zu stützen.

Vor wenig mehr als einem Jahr stand das globale Bankensystem kurz vor dem Zusammenbruch. Die Tatsache, dass die größten Finanzinstitute der Welt jetzt wieder robuste Gewinne schreiben, kann daher als Erinnerung dafür dienen, dass eine Katastrophe erfolgreich abgewehrt wurde.

Trotzdem sind die Vertreter der Aufsichtsbehörden, die sich an diesem Wochenende in Basel treffen, zu Recht besorgt über die erneute Risikobereitschaft der Banken. Es steht zu befürchten, dass die Institute, nachdem sie eine Nahtoderfahrung hinter sich gebracht haben, nun der Meinung sind, nichts falsch machen zu können. Die Hartnäckigkeit, mit der sie an umfangreichen Bonuszahlungen festhalten, ist ein Zeichen dafür, dass die Banker ihre Lektion immer noch nicht gelernt haben.

Doch die derzeitige Verfassung der Banken ist weitgehend das Ergebnis der außerordentlichen Maßnahmen, auf die die zuständigen Behörden zurückgegriffen haben, um das Finanzsystem zu stützen. Bei kurzfristigen Zinsen von nahezu Null können die Banken gar nicht anders, als Gewinne zu machen. Und genau darum geht es ja letztendlich. Rentable Banken sind besser dazu in der Lage, ihr Kapital wiederaufzubauen und die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

Doch da sie sich schon wieder mit riskanten Vermögenswerten beladen, könnten die Banken gefährdet sein, wenn die Märkte plötzlich die Richtung wechseln. Grund zur Sorge liefert besonders das Engagement der Kreditinstitute bei Staatsanleihen, die zwar generell als risikoarm gelten, derzeit aber alles andere als ungefährlich sind. Kompliziert wird die Lage dadurch, dass die Zentralbanken eine wesentliche Rolle bei der Stützung der Märkte spielen. Ein Abzug der Anreize könnte einen Vertrauensverlust auslösen.

Positiv zu vermerken ist, dass die Regulierer große Fortschritte bei ihren Bemühungen gemacht haben, die Banken davon abzuhalten, die Art von Fehlern zu wiederholen, die die Krise hervorgerufen haben. Im vergangenen Juli hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, der die globalen Standards festlegt, neue Richtlinien verabschiedet. Ihnen zufolge werden die Banken gezwungen, zwei bis drei Mal so viel Kapital gegenüber Positionen im Eigenhandel beiseite zu legen als vorher. Zudem hat der Ausschuss detaillierte Vorschläge ausgearbeitet, gemäß denen die Banken mehr Kapital und Liquidität vorhalten müssen, während der Fremdkapitalanteil an der Bilanz begrenzt wird.

Diese Vorschläge werden die Banken sicherer machen, aber auch weniger rentabel. Allerdings sind die Richtlinien noch nicht in Kraft. Der Basler Ausschuss untersucht die Auswirkungen, die sie auf die Branche haben werden, wobei eine endgültige Version der Vorgaben bis zum Ende des Jahres vorliegen soll. Doch selbst dann werden die Richtlinien nicht vor Ende 2012 übernommen werden.

Dieser Prozess ist wichtig. Trotzdem beschwört jede Verzögerung die Gefahr herauf, die Reformdynamik zu unterminieren, während sie den Banken den Spielraum einräumt, neue Risiken einzugehen. Anstatt ihrer Besorgnis Ausdruck zu verliehen, sollten sich die Branchenwächter lieber sputen und ihre neuen Richtlinien umsetzen.

Kommentare (1)

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Frank

10.01.2010, 16:48 Uhr

Es geht so weiter wie bisher. banker spekulieren nach der höchstmöglichen Rendite und wenn es schief geht zahlt ja der Steuerzahler. Noch immer funktioniert die Kontrolle der Kreditinstitute zu wenig. So rennen wir in den nächsten Crash aus dem wir uns dann nicht mehr herauskaufen können.

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