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04.01.2010

19:31 Uhr

Bankrenditen

Rückkehr zur Normalität

VonPeter Thal Larsen (Breakingviews.com)

Die Intervention der Zentralbanken hat den Banken weltweit hohe Renditen beschert. Die strengeren Eigenkapitalanforderungen werden die Eigenkapitalrenditen in Zukunft allerdings drücken, eine willkommene und notwendige Entwicklung. Aber um privates Kapital anzulocken, müssen Banken die Möglichkeit behalten, angemessene Renditen zu verdienen.

Welche Eigenkapitalrendite (ROE) ist angemessen für eine Bank? Diese Frage dürfte im neuen Jahr Manager, Investoren und Aufsichtsbehörden beschäftigen. Nach den spektakulären Verlusten während des Crashs gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass die zukünftigen Bankenrenditen niedriger ausfallen müssen als die hochgepushten Gewinne während des Booms. Fallen die ROEs aber zu stark, könnte auch das wieder ernsthafte Folgen haben.

Die Renditen sinken bereits: Man werfe nur einen Blick auf Goldman Sachs. Zwischen November 2007 und September 2009 schwoll der Wert des um immaterielle Vermögenswerte reduzierten Stammkapitals (tangible equity) um 74 Prozent. 2007, im bisher besten Jahr seiner Geschichte, verdiente Goldman eine Rendite von 38 Prozent auf den Wert dieser Aktien. In diesem Jahr wird die Bank voraussichtlich den zweithöchsten Gewinn ihres Lebens erwirtschaften. Die Eigenkapitalrendite dürfte allerdings nur halb so hoch ausfallen wie vor zwei Jahren.

Es gibt natürlich keinen Grund, warum Banken dauerhaft Renditen von über 20 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital erwirtschaften sollten, vor allem dann nicht, wenn die Zinsen nahe Null liegen. Während der 70er- und 80er-Jahre, als die Zinsen und die Inflationsraten noch deutlich höher lagen, erzielten britische Banken nach Angaben von Credit Suisse im Durchschnitt eine Rendite von 10 bis 11 Prozent auf das materielle Aktienkapital. Das änderte sich erst im Verlauf der 90er, als die Finanzmarktregeln gelockert wurden und Banken die Möglichkeit erhielten, sich stärker zu verschulden und höhere Risiken einzugehen.

Solange die Zentralbanken die Zinssätze niedrig halten und den Markt mit Liquidität überschwemmen, werden die meisten Banken auch weiter so gesunde Renditen erwirtschaften wie 2009. Längerfristig allerdings werden die Renditen vor allem durch vier Faktoren bestimmt werden: die Vorgaben der Aufsichtsbehörden, den Wettbewerb, die Refinanzierungskosten und die Wachstumsrate der Wirtschaft.

Noch feilen die Aufsichtsämter an den neuen Regeln, die die Banken dazu zwingen werden, höhere Kapitalreserven vorzuhalten und einen höheren Anteil an liquiden Vermögenswerten zu halten. Das wird zwangsläufig dazu führen, dass Banken in Zukunft weniger Gewinn erwirtschaften können als in der Vergangenheit.

Teilweise wird die strengere Regulierung durch den Rückgang der Wettbewerbsintensität aufgefangen werden können. Die schwächeren Banken wurden bereits verstaatlicht oder durch größere Konkurrenten absorbiert. Emporkömmlinge, die sich auf die Interbankenfinanzierung verließen, sind bereits wieder verschwunden. Im Endeffekt können die verbleibenden Banken sich ihre Kredite nun wieder teurer bezahlen lassen als während des Booms.

Aber dieser Effekt sollte nicht überbewertet werden. Banken verfügen nicht über das Kreditmonopol: viele Unternehmen befriedigen ihre Finanzierungsbedürfnisse bereits wieder über den Rentenmarkt. Und die Konkurrenz sorgt dafür, dass die hohen Geld-Brief-Spannen wieder zusammenschrumpfen und die Volatilität sinkt, die den Renten- und Währungshandel in der ersten Hälfte 2009 für Investmentbanken so lukrativ machte.

Die Refinanzierungskosten dürften ebenfalls steigen. Nach Angaben von Moody?s sitzen die globalen Banken auf 7 Billionen Dollar Schulden, die noch vor Ende 2012 refinanziert werden müssen. Auch die billige Zentralbankliquidität muss refinanziert werden und wird voraussichtlich in Zukunft höheren Kosten verursachen. Und solange die Zinsen niedrig bleiben, ist es teuer, alternative Quellen wie Kundeneinlagen zur Finanzierung heranzuziehen.

Die Banken werden davon profitieren, wenn die westlichen Volkswirtschaften sich aus der Umklammerung der Rezession wieder lösen können. Dadurch werden die Verluste aus bereits bestehenden Kreditverträgen verringert und selbst Zuschreibungen bei den ehemals toxischen Schulden in den Bankbilanzen sind möglich. Allerdings sind die Wachstumsaussichten in vielen Ländern mager und die Nachfrage nach neuen Krediten wird solange begrenzt bleiben, wie Unternehmen und Verbraucher noch mit der Abzahlung ihrer Altschulden zu kämpfen haben.

Alles in allem ergibt sich daraus die Aussicht auf deutlich geringere Eigenkapitalrenditen als in der zurückliegenden Dekade. Vollständig machtlos sind die Banken natürlich nicht, wenn es darum geht, ihre Renditen zu beeinflussen: ein naheliegender Weg den ROE aufzupolieren besteht darin, den Bankangestellten weniger zu bezahlen.

Ein sichereres Bankensystem heißt auch, dass die Eigenkapitalkosten der Banken sinken. Aber dennoch werden sie wahrscheinlich zweistellige Renditen erwirtschaften müssen, um weiter für Anleger attraktiv zu bleiben. So emittierte zum Beispiel die Lloyds Banking Group erst vor Kurzem einen Tier-1-Bond mit einer Rendite von 12 Prozent. Das zeigt, dass Anleger auf höheren Renditen bestehen sollten, wenn sie Aktien britischer Banken weiter im Portefeuille behalten sollen, die voraussichtlich mehrere Jahre lang keine Dividenden mehr ausschütten werden.

Ein geringerer ROE in der Finanzbranche ist ein Zeichen für ein sichereres Bankensystem und längerfristig stabile Gewinne. Aber die Regulierer sollten auch aufpassen, die Gewinne nicht zu stark unter Druck zu setzen. Fallen die Renditen zu stark, werden private Investoren sich aus der Branche verabschieden. In diesem Fall bleibt den Regierungen dann nichts anderes mehr als selbst in die Bresche zu springen.

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