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19.01.2009

19:22 Uhr

Beinahe am Ziel

Die britische Bankenrettung geht kritischen Fragen aus dem Weg

VonGeorge Hay

Die jüngsten Hilfsmaßnahmen umfassen hochwillkommene Liquiditätsinstrumente, verpflichten die britischen Banken jedoch nicht, ihre Problemwerte auf vernünftige Niveaus abzuschreiben. Aber solange das nicht passiert und die entscheidende Detailfrage nicht geklärt ist, wie teuer die neuen Vermögensgarantien letztendlich werden, solange bleibt der Rettungsansatz unvollständig.

Britische Bankenrettung: Die zweite Hilfsaktion in drei Monaten ist bei den britischen Banken höchst willkommen, vollständig durchdacht scheint sie darum noch nicht. Die Behörden haben ihre Liquiditätspolitik gegenüber den Banken angepasst und ein potenziell hilfreiches Garantiemodell für Bankkredite eingeführt. Aber letzteres lässt sich kaum sinnvoll einschätzen, solange Details zu den Kosten fehlen. Und die Branche wartet nach wie vor auf die große Wende - einen großangelegten Kredit-Abschreibungsabwasch oder sogar eine "schlechte Bank" -, die einen richtigen Neuanfang ermöglichen würde.

Die jüngsten Maßnahmen erheben den Anspruch, umfassend zu sein. Zwei wichtige Ansätze wurden erweitert, nach dem einen können Banken schwerverkäufliche Vermögenswerte gegen britische Staatspapiere (Gilts) eintauschen und nach dem anderen übernimmt der Staat Garantien für Schuldtitel, die von den Banken emittiert wurden. Daneben gehören auch zwei neue Ansätze der Bank of England zu den Maßnahmen: Erstens, die Übernahme von Garantien für hypothekenbesicherte Schuldtitel und zweitens die Bereitstellung von 50 Milliarden Pfund für den Ankauf hochklassiger Unternehmensanleihen gegen Gilts.

Vor dem Hintergrund einer Lücke von 700 Millionen Pfund zwischen Bankeinlagen und Kreditverpflichtungen, für die die Anschlussfinanzierung noch aussteht, sind die Finanzierungshilfen auch wirklich wichtig. Aber ein wesentlicher Grund, warum die Banken bei der Vergabe von Krediten so zurückhaltend sind, liegt im anhaltenden Abschreibungsbedarf und den wachsenden Risiken zahlungsunfähig zu werden.

Die bestehenden Vermögenswerte zu garantieren ist demnach sinnvoll. Die Banken tragen für bestimmte Pakete von schlechten Risiken den ersten Verlust und die Regierung übernimmt 90 Prozent aller weiteren Verluste. Dass die Banken 10 Prozent dieser Verluste tragen müssen, spiegelt die US-Rettungsmodelle für Citi und BofA. Aber solange nicht feststeht, was die Banken für diese Versicherung zu zahlen haben werden, oder wie tief der Einschnitt durch den ersten Verlust ist, solange lässt sich der Wert des Rettungspakets schwer abschätzen.

Es bleibt auch die Gefahr, dass Kreditgarantien allein vielleicht gar nicht ausreichen. Um reinen Tisch zu machen, hätte der Kreditgarantie-Ansatz durch eine Verpflichtung zu drastischeren Abschreibung von strukturierten Kreditprodukten und anderen problembehafteten Ausleihungen begleitet sein müssen. Selbst wenn dadurch frisches Kapital in Milliardenhöhe notwendig geworden wäre, so wären die Banken dann doch frei, neue Kredite zu vergeben, ohne befürchten zu müssen, dass weitere Verluste drohen. Dass das jüngste Maßnahmenbündel weder Abschreibungen noch eine "schlechte Bank" vorsieht, könnte Ausdruck des noblen Ziels sein, der Branche die Verstaatlichung zu ersparen - weitere Kapitalmaßnahmen müssten, ganz oder teilweise, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Staat finanziert werden, zumindest bei einigen Banken. Es ist auch möglich, dass der Staat nicht so viel Geld in die Hand nehmen wollte. Wenn sich aber alle Maßnahmen als halbherzig herausstellen, wird ihm vielleicht zu guter Letzt nichts anderes übrig bleiben.

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