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11.01.2010

15:55 Uhr

Bierfusion

Heineken gelingt ein guter Deal

VonAlexander Smith (breakingviews.com)

Die niederländische Brauerei hat SABMiller im Kampf um das Biergeschäft des mexikanischen Konzerns ausgestochen. Der Kaufpreis für den Zugang zu den wachsenden lateinamerikanischen Märkten ist fair. Hinzu kommt, dass Heinekens Schulden durch die Konstruktion als reine Aktientransaktion überschaubar bleiben und die Gründerfamilie das Heft in der Hand behält.

Der niederländischen Brauerei Heineken ist im Kampf um das Biergeschäft der mexikanischen FEMSA ein Balanceakt gelungen. Obwohl sie SABMiller aus dem Rennen geworfen hat, bleibt der Preis im Rahmen der üblichen Gebote für die wachsenden lateinamerikanischen Märkte. Gleichzeitig bleiben Heinekens Schulden durch die Konstruktion als reiner Aktientausch überschaubar und die Gründerfamilie behält die Kontrolle über den Konzern.

Heineken war sehr daran interessiert, den zusätzlichen Emerging-Market-Marktanteil, den der FEMSA-Abschluss verspricht, zu gewinnen. Da die Schulden aus vorangegangenen Übernahmen noch nicht weit genug abgezahlt sind, konnten die Niederländer allerdings keine Barmittel bieten. Anleger hatten schon die Befürchtung, dass Heineken erneut bei ihnen anklopfen könnte. Mit der FEMSA-Transaktion in der beschlossenen Form wird dieser Weg vermieden.

Stattdessen emittiert Heineken Aktien sowohl der operativen Einheit Heineken NV als auch der Holdinggesellschaft Heineken Holding, um damit die FEMSA-Aktivitäten zu bezahlen. Im Gegenzug erhält der mexikanische Konzern eine 20-prozentige Beteiligung an Heineken und zwei Sitze im Aufsichtsrat der Gesellschaft.

Die Heineken-Familie behält mit einem Aktienpaket von knapp über 50 Prozent ihren Einfluss auf die Heineken NV. FEMSA verpflichtet sich, fünf Jahre lang keine Heineken-Aktien zu verkaufen und damit Heinekens Aktionärsregister stabil zu halten.

Mit dem Deal wird Heineken zur Nummer zwei auf der Drehscheibe Mexiko - dem gemessen am Gewinn viertgrößten Biermarkt der Welt - und zur Nummer drei in Brasilien, dem zweitgrößten Markt nach den USA. Der niederländische Konzern erwartet darüber hinaus, auch seine Exporte in die Vereinigten Staaten zu steigern und dort seinen Anteil am wachsenden Geschäft mit lateinamerikanischen Konsumenten zu erhöhen.

Billig ist die Transaktion dennoch nicht. Der Preis von 7,6 Milliarden US-Dollar impliziert einen Unternehmenswert der FEMSA-Aktivitäten, der ihrem 11,2-fachen Gewinn (EBITDA) entspricht. Er ist also vergleichbar mit anderen Emerging-Market-Beteiligungen innerhalb der Branche, wie etwa dem Kauf der kolumbianischen Bavaria durch SABMiller im Jahr 2005. Aber Heineken wird mit den Erträgen seine Kapitalkosten in den nächsten sechs Jahren nicht decken können.

Hinzu kommt, dass der endgültige Preis noch lange nicht feststeht. Heineken muss in den nächsten fünf Jahren 29 Millionen Aktien zurückkaufen, die FEMSA im Zuge der Transaktion erhält. Steigen Heineken-Aktien weiter, dann verteuert sich auch die Akquisition.

Die zeitlich verzögerte Struktur des Geschäfts gibt den Aktionäre größere Sicherheit: die endgültigen Kosten hängen zum Teil davon ab, ob Heineken seine Versprechen halten kann. Nichtsdestoweniger macht sie auch deutlich, dass Heinekens lateinamerikanisches Brauereiunterfangen nicht ohne Risiken ist.

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