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29.01.2010

08:01 Uhr

Biogen

Bessere Ideen erwünscht

VonRobert Cyran

Carl Icahn hat bei Biogen dringend benötigte Veränderungen veranlasst. Der aktivistische Investor erkämpfte sich zwei Sitze im Board des Biotech-Unternehmen, feuerte den Chef und zwang die Firma dazu, sich zum Verkauf zustellen. Wenn er nicht mit weiteren, besseren Ideen aufwarten kann, dann rechtfertigt sein Anteil von sechs Prozent sein Bestreben nicht, noch mehr Einfluss im Verwaltungsrat zu erringen. Vielleicht sollte er Biogen einfach kaufen.

Carl Icahn hat bei Biogen dringend benötigte Veränderungen veranlasst. Der altgediente aktivistische Investor erkämpfte sich zwei Sitze im Board, zwang den Chef zum Gehen und drängte die Biotech-Firma dazu, sich zum Verkauf zu stellen. Doch keiner dieser Schritte hat den Aktionären große Erträge eingebracht. Wenn Icahn keine neuen Ideen vorzubringen hat, dann rechtfertigt sein Anteil von sechs Prozent an dem Unternehmen den von ihm angestrebten zusätzlichen Einfluss im Verwaltungsrat nicht.

Biogen hat eine schwierige Phase durchlaufen. Die Labors der Firma scheinen nicht besonders effektiv zu arbeiten, wenn es um die Entdeckung neuer Medikamente geht, auch wenn das Unternehmen einen größeren prozentualen Anteil an den Einnahmen in die Forschung und Entwicklung steckt als bei anderen Biotech-Firmen üblich. Den Investoren waren die Unzulänglichkeiten aufgefallen. Die Aktien hinkten in den vergangenen fünf Jahren dem Amex Biotech-Index um mehr als 50 Prozent hinterher.

Doch Icahn ließ seinen Worten keine überzeugenden Taten folgen. Stattdessen setzte er seine für den Board Ernannten im vergangenen Jahr nach einem zweijährigen Kampf durch. Jetzt muss er beweisen, warum er es verdient, in dem zwölfköpfigen Gremium mit drei weiteren, von ihm angestrebten Sitzen vertreten zu sein.

Zwar behauptet Icahn, das Unternehmen habe seine Chance, sich selbst zu verkaufen, vermasselt. Doch Biogen macht einfach keinen sehr attraktiven Eindruck. Die Biotech-Firma wird mit dem 3,5fachen der geschätzten Umsätze bewertet, während die Konkurrenten mit dem etwa Fünffachen gehandelt werden. Und Biogen wird zu Recht mit einem Abschlag versehen. Seine Labors haben einfach nichts hervorgebracht. Und seine interessantesten Medikamente, wie etwa Tysabri gegen Multiple Sklerose, werden von Lizensierungsabkommen und Change of Control-Klauseln belastet. Wer auch immer Biogen kauft, muss damit nicht notwendigerweise in den Besitz von Tysabri kommen.

Auch mit einem weiteren Vorschlag Icahns, nämlich das Unternehmen aufzuspalten, dürften wahrscheinlich keine Werte geschaffen werden. Die Verwaltungskosten, gemessen als prozentualer Anteil am Umsatz, von Biogen liegen bereits unter denen von Wettbewerbern wie Amgen und Genzyme.

Am besten ließe sich bei Biogen eine positive Veränderung bewirken, indem man einen guten CEO ernennen würde. Einer der Abgesandten Icahns sitzt in dem vierköpfigen Ausschuss, der sich mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für den Chefsessel befasst. Also hat Icahn schon ein gehöriges, wenn nicht gar ein überproportional großes Wörtchen mitzureden, wenn es darum geht, wer das Unternehmen leiten soll.

Wenn Icahn einen glaubwürdigen Plan für Biogen entwerfen kann, dann mag er vielleicht weitere Sitze im Board verdienen. Das ist er bisher schuldig geblieben. Aber wenn er so verzweifelt darum bemüht ist, die Richtung, die das Unternehmen einschlägt, zu kontrollieren, dann sollte er vielleicht einfach eine Offerte für Biogen vorlegen.

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