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07.01.2010

08:00 Uhr

Blickpunkt Berlin

Ein moderner Pranger für alle Klimakiller

VonThomas Hanke

Klimaschutz auf dem Kassenbon: So versuchen Einzelhändler in Frankreich das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen. Ein Beispiel, dass in Deutschland Nachahmer finden sollte.

Eine der vielen offenen Fragen, mit denen dieser Jahresanfang uns behelligt, ist die nach der Zukunft des Klimaschutzes. Einige in der deutschen Wirtschaft wünschen sich, dass die schwarz-gelbe Koalition möglichst schnell das ehrgeizige Ziel beerdigt, auch ohne Anstrengungen anderer den deutschen CO2-Ausstoß um 40 Prozent zu reduzieren. Nachdem weder die USA noch der Riesenverschmutzer China zu einem international kontrollierten raschen Abbau der eigenen Emissionen bereit seien, könne auch Deutschland es langsamer angehen lassen.

Das ist rational: Wenn der andere in der Hängematte liegt, gebe ich nicht mein Letztes. Andererseits steckt darin ein unübersehbarer Denkfehler. Im Himmel gibt es keine Klimabank, bei der wir Kredit verlangen könnten nach dem Motto: Die Chinesen und die Amerikaner lassen sich hängen, dann dürfen wir auch. Bis Mitte des Jahrhunderts darf jeder Bürger auf dem Globus nur noch knapp drei Tonnen CO2 emittieren, soll das Klima nicht vollends kippen. Niemand kann darauf einen Ablass gewähren. Gleichzeitig ist richtig, dass Deutschland alleine bestimmt nicht das Weltklima retten wird. Was also tun?

Unsere französischen Nachbarn liebäugeln mit Ausgleichsabgaben auf Produkte aus Ländern, die billig produzieren, aber viel emittieren, weil ihnen die Umwelt nichts wert ist. Wahrscheinlich weil die Idee aus Paris kommt, war man in Deutschland sofort dagegen: Das muss ja protektionistisch sein! Dabei leuchtet es niemandem ein, wieso im internationalen Handel Staatshilfen verboten sind, man aber munter Wettbewerbsvorteile einheimsen darf, indem man das Klima ruiniert und erwartet, dass andere den Dreck aufwischen.

Es gibt aber eine elegante andere Möglichkeit, und die sollte Deutschland nutzen. Die Bundesregierung könnte verlangen, dass auf jedem Produkt dessen „CO2-Fußabdruck“ angegeben wird. Das bedeutet: Es muss Angaben darüber enthalten, wie hoch die gesamten Emissionen sind, die durch seine Produktion und seinen Transport bis zum Vertriebspunkt entstanden sind. Das könnte schön sichtbar neben dem Preis stehen. Das Produkt selber würde also mitteilen: Ich bin billig, aber ein Klimakiller. Oder: nicht ganz so billig, aber schonend.

In vereinfachter Form hat eine Supermarktkette in Frankreich den Gedanken bereits aufgegriffen. Auf dem Kassenbon erhalten die Kunden die Mitteilung: „Mit diesem Einkauf sind CO2-Emissionen von x kg verbunden.“ Die Angabe auf jedem Produkt würde den Konsumenten die Wahlmöglichkeit eröffnen. Wenn die Klimaschutzkosten sich nicht einpreisen lassen, weil es kein internationales Abkommen gibt, muss der Verbraucher selber die Sanktionsmöglichkeit bekommen. Der gewaltige Erfolg der Ökoprodukte hat gezeigt, dass Menschen eben nicht immer nur an den eigenen geldwerten Vorteil denken. Und für die Großverschmutzer unter den Nationen wäre es eine neue Erfahrung, mit ihren Produkten am Pranger zu stehen.

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