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27.01.2011

07:00 Uhr

Blickpunkt Berlin

Retten Sie den Euro – aber bitte nicht erst 2013

VonThomas Hanke

Die Politik muss hier und jetzt Antworten geben. Ihre ökonomischen Berater dagegen bleiben oft Konzepte schuldig, die realitätstauglich und sofort anwendbar sind.

Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Quelle: Pablo Castagnola

Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung & Analyse.

Stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, Sie seien der Bundesfinanzminister und müssten die Euro-Zone aus der Krise führen. Die Zahlungsfähigkeit von Staaten, die Existenz des Bankensystems, Millionen Jobs, das Ansehen Deutschlands und nicht zuletzt die eigene Regierung hängen davon ab.

Auf Zeit spielen können Sie nicht. Die Märkte haben sich etwas beruhigt, aber schon in einer Woche kann das wieder anders aussehen. Außerdem hängt die wohl trügerische Ruhe damit zusammen, dass alle auf einen "großen Wurf" warten: Den haben Ihre Pressesprecher und Büchsenspanner ins Gespräch gebracht. Am 24. März findet ein EU-Gipfel statt, spätestens dann müssen Sie ihre Karten auf den Tisch legen. Aber eigentlich sollten Sie schon beim nächsten Gipfel am 4. Februar sagen können, wohin die Reise geht: Kommt es zur Umschuldung, gibt es Rückkäufe von Anleihen, werden alle Euro-Mitglieder an die Leine gelegt, wird der Rettungsschirm verändert?

Also? Richtig, Sie bilden sich mit den eigenen Mitarbeitern, die sind gar nicht schlecht, eine Meinung. Doch die halten Sie noch zurück und bitten Berater um ihre Ansicht. Sie laden einige der klügsten Ökonomen aus Zentralbanken, Forschungsinstituten und Banken ein, um sich helfen zu lassen.

So zumindest macht es der echte Bundesfinanzminister. Vorgestern hat er ökonomische Größen gebeten, in Echtzeit der Politik Ratschläge zu geben. Das Ergebnis war gemischt: Die meisten Experten (die alle nicht zitiert werden dürfen) sind gut darin, Vorschläge für das Jahr 2013 oder später zu machen, in der Vergangenheit herumzustochern, zu sagen, was nicht geht, oder den ordnungspolitischen Katechismus aufzusagen.

Pragmatische Vorschläge kommen meist von denen, die nicht in Amt und Würden sitzen, sondern sich mit ihrer Expertise am Markt behaupten müssen. Wie in der wirklichen Marktwirtschaft eben. Die "realitätsnahen" Ökonomen sehen keine Möglichkeit, der Abwärtsspirale von Banken- und Schuldenkrise zu entgehen, wenn nicht endlich bei den Banken Klarschiff gemacht werde.

Andernfalls werden plötzlich aufflammende Probleme der Finanzinstitute immer wieder einzelne Staaten in die Enge treiben. Große Skepsis besteht, was einen harten Schuldenschnitt für Griechenland angeht: Das könnte den griechischen Finanzsektor und viele Unternehmen auslöschen. Wer soll sie anschließend wieder aufbauen? Viele Experten ziehen eine Lösung vor, bei der man die Anpassung streckt: sei es über den zeitlich gestaffelten Tausch einzelner Anleihen gegen europäisch gedeckte Bonds, sei es über den Rückkauf von Papieren durch den Rettungsfonds verbunden mit einer späteren Umschuldung.

Klar ist: Es wird Stückwerk geben. Die saubere Lösung werden wir erst in ein paar Jahren erfahren - von den Superökonomen, die heute eine Antwort schuldig bleiben.

Kommentare (4)

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Ondoron

27.01.2011, 08:34 Uhr

Herr Hanke, Sie haben es leider immer noch nicht kapiert: Der Euro ist nicht zu retten! Es ist schon bemerkenswert, wie motiviert Sie die Realität verzerren. Das erinnert in eklatanter Weise an die bemühungen der Politbüros früher im Osten, endlich die Unzulänglichkeiten der Wirtschaft abzustellen.
Sie begreifen nicht, dass die Eingriffe, die Sie vorschlagen, zu einer Verschuldung Deutschlands führen wird, die zwangsläufig im Staatsbankrott enden wird. Das haben solche Trommler wie Sie mitzuverantworten. Unverantwortlich!!

Smile1969

27.01.2011, 11:19 Uhr

Natürlich weiß Herr Hanke, dass er dummes Zeug schreibt. Es ist reine Propaganda, damit nicht breite bevölkerungsschichten der Tatsache gewahr werden, dass der große Knall vermutlich sehr nahe bevor steht. Staatspleiten und Währungsreformen sind unvermeidbar. Aus Gründen zur Erhöhung einer (Wieder-) Wahl 2013 muss dies aus Politikersicht bald geschehen.

Rettung, koste es was es wolle

01.02.2011, 09:51 Uhr

Der Euro und die EU unterliegen dem Primat der Politik und nicht der Ökonomie (sonst wäre es bei einem so wenig optimalen Währungsraum wie der Eurozone nie zur Einführung des euro gekommen). Deshalb bezweifle ich, dass
Zitat:
"... Sie laden einige der klügsten Ökonomen aus Zentralbanken, Forschungsinstituten und banken ein, um sich helfen zu lassen".
Und "wirkliche Marktwirtschaft" gibt in der EU mit ihrer Lobby-Politik auch nicht.
Vielleicht sollten sich die "Experten" mal um die Meinung des Volkes kümmern, und sich an ihren Eid "zum Wohle des deutschen Volkes" erinnern,anstatt immer weniger Demokratie und immer mehr Schuldenübernahme für andere zu machen.
Übrigens haben vor Euro-Einführung namhafte Ökonomen das Scheiter-Szenario beschrieben, aber die ach so beseelten Eurovisionäre haben das einfach überhört und "wollten sich nicht helfen lassen". Genauso wird der Finanzminister auch heute lieber das ökonomisch sinnvolle (wie die Rückabwicklung des Euro) den politischen Visionen unterordnen.

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