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21.01.2009

08:31 Uhr

Börsen

Die Märkte stellen die Furcht über die Hoffnung

VonRob Cox (breakingviews.com)

Während US-Präsident Obama die Pennsylvania Avenue hinaufmarschierte, ging es an den Aktienmärkten steil bergab. Die Kursverluste untermauern, vor welch großer Herausforderung Obama steht, wenn er das US-Finanzsystem wieder auf die richtige Bahn lenken will.

"Wir haben die Hoffnung über die Furcht gestellt", zitierte US-Präsident Barack Obama bei seiner Antrittsrede seinen Vorgänger George Washington. Die Finanzmärkte allerdings verkehrten diese Aussage in ihr genaues Gegenteil. Während Obama die Pennsylvania Avenue hinauf marschierte, ging es an den Märkten steil bergab. Der Dow Jones-Index hat sich seit seiner Schaffung noch an keinem anderen Tag der Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten so schlecht entwickelt wie am Dienstag. Die Kursverluste verheißen nichts Gutes und untermauern, vor welch großer Herausforderung Obama steht, wenn er das US-Finanzsystem wieder auf die richtige Bahn lenken will.

Natürlich ist der Einbruch am Aktienmarkt nicht Obamas Schuld. Er hat den Staffelstab von Vorgänger Bush ohne Pannen übernommen. Und die Antrittsrede Obamas hat den richtigen Ton getroffen. Um es kurz zu umschreiben, sagte der Präsident den Amerikanern, dass sie zwar Opfer bringen müssten, die aber keinesfalls mit den Härten zu vergleichen seien, unter denen ihre Vorfahren gelitten hätten - und jetzt macht euch alle wieder an die Arbeit.

Für die Investoren bedeutete dies unglücklicherweise, wieder in den gleichen höllischen Trott zu verfallen wie schon seit ein paar Monaten. Der Dow Jones-Index schloss mit 7 949 Punkten und damit fast auf seinem Ende November erreichten Tiefststand. Wie immer führte auch diesmal der Finanzsektor den Kursverfall an - mit gutem Grund.

Am Wochenende sah sich die britische Regierung gezwungen, noch einmal tief in ihre immer fadenscheiniger werdenden Taschen zu greifen, um das Bankensystem zu stützen. Aufgrund eines Feiertags in den USA am Montag konnten die Anleger auf diese Entwicklung erst am Dienstag reagieren. Zudem verloren die Titel von State Street - die zu den neun Instituten gehört, die als Erste Mittel aus dem US-Hilfsprogramm für angeschlagene Finanzfirmen erhalten hatten - fast 60 Prozent ihrer Marktkapitalisierung, weil die Investoren befürchten, dass enorme Verluste bei ihren Vermögenswertbeständen die Bank dazu zwingen könnten, ihr Kapital zu erhöhen.

Aber zu behaupten, die Amtsübernahme durch Obama habe gar nichts damit zu tun, dass die Furcht wieder auf den Finanzmärkten Einzug gehalten hat, trifft vielleicht auch nicht ganz zu. Am Wochenende hatten zwei Männer aus dem engsten Beraterkreis des neuen Präsidenten - der Leiter des Rats der Wirtschaftsberater, Lawrence Summers, und der Top-Stratege David Axelrod - klar gestellt, dass sie Veränderungen herbeiführen werden, um die Banken, die die Regierung stützt, dazu zu zwingen, mehr Kredite zu vergeben, um wieder Schwung in die Wirtschaft zu bringen.

Während sie damit zwar ein löbliches Ziel verfolgen, deuteten ihre Kommentare jedoch auf eine neue Qualität eines Regierungsdiktats hin, wie die Banken zu funktionieren hätten, die die Investoren zu Recht verschreckt. Um das Finanzsystem - und natürlich auch die gesamte Wirtschaft - wieder auf den Weg der Besserung zu geleiten, werden Obama und seine Männer diesen Konflikt zwischen den Interessen der Aktionäre und denen der Regierung gelassener anpacken müssen. Sonst wird der am Tag seiner Amtseinführung gesehene Kurseinbruch nur ein Vorgeschmack auf weiteres Leid gewesen sein.

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