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28.01.2010

13:15 Uhr

Börsengänge in China

Ermutigende Enttäuschung

Mit einem 2-prozentigen Kursverlust am ersten Handelstag in Schanghai wirkt XD Electrics Debüt vielleicht weniger schlecht als Rusals Auftaktverlust von 11 Prozent an der Börse Hongkong. Aber gemessen an chinesischen Verhältnissen war der Handelsstart lausig. Das zunehmende IPO-Angebot dämpft vielleicht die Euphorie der Investoren.

Jetzt hat auch Schanghai sein erstes Neuemissions-Desaster. XD Electric verloren am ersten Handelstag 1,4 Prozent. Das mag auf den ersten Blick gar nicht einmal so übel aussehen, spätestens aber, wenn man erfährt, dass die Börsenneulinge der vergangenen 6 Monate ihren ersten Handelstag mit einem durchschnittlichen Gewinn von 80 Prozent beendeten, trübt sich der Blick. Die Enttäuschung könnte aber auch ein willkommener Hinweis darauf sein, dass Chinas Aktionäre kritischer werden.

XD Electric, die erste Neuemission des Jahres 2010, bekam gleich von zwei Seiten Gegenwind. Erstens war der Gesamtmarkt rückläufig, weil die Anleger befürchteten, dass China schon bald auf einen geldpolitischen Restriktionskurs einschwenken könnte. Seit der Elektroausrüster seinen Emissionskurs vor einer Woche bekannt gab, ist der Markt bereits um 5 Prozent gefallen, die Hersteller elektrischer Anlagen gaben im gleichen Zeitraum sogar um 8 Prozent nach. XD Electrics Einstandskurs wurde zuletzt am oberen Ende der angekündigten Preisspanne festgelegt und enthielt damit einen 26-prozentigen Aufschlag auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes. Vor diesem Hintergrund hielt sich XD Electric am ersten Handelstag gar nicht einmal schlecht.

Die chinesischen Investoren werden aber auch schon bald mit dem Finger auf die Börsenaufsicht zeigen, weil sie - in der Absicht die Kurse der Vermögenswerte nicht zu heiß laufen zu lassen - viele Unternehmen zu schnell an die Börse bringt. Chinas Börsenaufsicht ist in sofern einzigartig, als sie wesentlichen Einfluss darauf hat, welche Unternehmen Kapital aufnehmen dürfen. In der zweiten Jahreshälfte 2009 wurden allein 111 Unternehmen an der Börse zugelassen. Etwa 10.000 weitere dürften nach Angaben der Börse Schanghai die Voraussetzungen erfüllen.

Bleibt zu hoffen, dass die Aufsichtsbehörde trotz des seltenen Flops zum Handelsauftakt die Nerven behält. Noch entspricht der Wert der handelbaren Aktien in China lediglich etwas mehr als einem Drittel des BIPs, während Kreditverbindlichkeiten fast 120 Prozent des BIPs - und damit mehr als es dem globalen Durchschnitt entspricht - erreichen. Eine Zunahme bei den Neuemissionen könnte auch dabei helfen, die Volatilität des Marktes zu begrenzen und die Abhängigkeit der Unternehmen von den Banken zu reduzieren. Besser also mehr Neuemissionen als teurere.

Noch ist es zu früh, um zu beurteilen, ob XD Electric einfach nur Pech hatte. Was vielleicht aussieht wie ein Moment der Einsicht unter den Anlegern, ist vielleicht nichts anderes als die Sorge um möglicherweise nachgebende Märkte in China. Wenn Schanghai aber zu einer vollständig funktionsfähigen Börse avancieren will, müssen ekstatische Kurssprünge zum Handelsbeginn der Vergangenheit angehören. Dass Investoren dann härter um ihre Renditen ringen müssen, ist eben so.

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