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01.02.2010

13:32 Uhr

Britische Wasserversorger

Von den Wellen verschluckt

VonNeil Collins

Sollte Northumbrian Water von der Private Equity-Branche geschluckt werden, dann blieben nur noch drei britische Wasserversorger an der Börse übrig. Als der Staat die ursprünglich zehn Versorger verkaufte, sollten Vergleiche unter den Unternehmen den Wettbewerb repräsentieren. Doch ohne die Kontrolle des Markts ist dies effektiv unmöglich.

Und dann waren es nur noch drei. Nun, nicht ganz, zumindest noch nicht. Sollten die Lehrer aus dem kanadischen Ontario ihren Willen durchsetzen, dann werden sie, oder ihr Pensionsfonds, die Kontrolle über Northumbrian Water übernehmen, den Versorger, der 4,4 Millionen Menschen in Großbritannien mit Wasser beliefert. Eine Übernahme mag vielleicht die Aktionäre von Northumbrian aufheitern, für die 55 Millionen Nutzer in England und Wales wäre dies allerdings eine schlechte Nachricht.

Als die Branche 1989 von der Regierung zum Verkauf gestellt worden war, war die Wasserversorgung wie das natürliche Monopol schlechthin erschienen. Um der Kritik entgegen zu treten, die der Gewinnmaximierung verschriebenen Unternehmen aus dem Privatsektor würden ihren unfreiwilligen Kunden Wucherpreise abverlangen, setzte eine Branchenaufsicht die Gebühren der zehn neuen regionalen Wasser- und Abwasserunternehmen fest.

Der Regulierer konnte vergleichen und gegenüber stellen und somit die effizient arbeitenden Firmen ermutigen und die Nachzügler unter Druck setzen. Theoretisch ist dies immer noch seine Aufgabe. Doch falls Northumbrian verschwindet, werden nur noch drei der ursprünglich zehn Versorger notiert sein. United Utilities und Severn Trent gehören dem FTSE100-Index an, doch der Sektor schrumpft jetzt zu sehr, um die genaue Kontrolle aufrecht erhalten zu können, die eine angemessene Analyse mit sich bringt.

Thames Water, der größte Versorger unter den zehn, gehört einem Investmentfonds aus Luxemburg; Anglia und Southern werden ebenfalls beide von internationalen Investoren kontrolliert. Sämtliche Eigentümer haben Eigenkapital aus den Firmen herausgelöst, einige haben den Fremdkapitalanteil auf ein Niveau angehoben, das bei einem notierten Unternehmen als gefährlich erachtet werden würde.

Als im vergangenen Juli die Vorschläge der Regulierungsstelle für die kommenden fünf Jahre vorgestellt worden waren, reagierten die großen Versorger mit lautem Jammern und Zähneknirschen. Bis im November die endgültigen und (nahezu unveränderten) Beschlüsse bekannt gegeben wurden, hatten sie sich schon wieder beruhigt. Ab diesem Zeitpunkt waren die Aktienkurse gestiegen, was darauf schließen lässt, dass die Aufsichtsbehörde eher zu großzügig gewesen war. Die Gerüchte um eine Offerte für Northumbrian haben die Kurse von United Utilities und Severn Trent zusätzlich in Schwung gebracht.

Wasser sieht heutzutage nicht mehr ganz so stark nach einem natürlichen Monopol aus. Die Regulierungsbehörde für Schottland - Scottish Water ist immer noch in Staatsbesitz - führt den Wettbewerb für geschäftliche Nutzer ein und gibt gleichzeitig strengere Preisziele vor als in England.

Der Wassermangel im Südosten des Landes lässt es immer dringender erscheinen, dass die regionalen Monopole durchbrochen werden. Der Wettbewerb könnte zu Pleiten führen - oder die derzeitigen Besitzer dazu verpflichten, mehr Risikokapital in die Unternehmen einfließen zu lassen. Doch ohne die tägliche Überprüfung, die eine Börsennotierung mit sich bringt, könnte sich dies vielleicht erst feststellen lassen, wenn es schon zu spät ist.

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