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24.01.2008

10:54 Uhr

Buffett und Swiss Re

Re-Investment

VonRichard Beales (breakingviews.com)

Ist Warren Buffett endlich doch zu der Überzeugung gelangt, dass die Talsohle erreicht ist? Die Beteiligung von Berkshire Hathaway über drei Prozent an Swiss Re, scheint ein Vertrauensbeweis zu sein. Aber wie immer bei Buffett, sollten die anderen Investoren ihm nicht blind folgen. Über einen getrennten Rückversicherungsvertrag verfügt der listige Investor nämlich noch über andere Ansatzpunkte.

Warren Buffett hat nicht in die angeschlagenen Finanzinstitute - von Citigroup bis UBS – investiert, als diese jüngst auf der Suche nach frischem Kapital den Hut herumgereicht haben. Aber der “Weise von Omaha” hat einen Anteil von drei Prozent an der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft Swiss Re erworben, der rund 800 Mill. Dollar wert ist. Das ist kein riesiger Betrag für Berkshire Hathaway, die per Ende September über eine Liquidität von fast 50 Mrd. Dollar verfügte. Aber es sieht zumindest so aus, als habe Buffett dem geknechteten Rückversicherer und dessen Zukunftsaussichten das Vertrauen ausgesprochen.

So haben es zumindest die anderen Investoren aufgefasst und dafür gesorgt, dass die Aktien der Swiss Re so stark wie seit Jahren nicht mehr gestiegen sind, auch wenn die Gewinne dann teilweise wieder abgeschmolzen waren. Die Rückversicherung ist einer der größten Geschäftsbereiche von Berkshire. Die Aktionäre der Swiss Re gehen deshalb vermutlich davon aus, dass Buffett weiß, was er tut. Aber wie immer, wenn es um den legendären Investor geht, sollten die anderen Anleger nachdenken, bevor sie ihm blind folgen. Buffett könnte in der Lage sein, mehr aus der Gesellschaft herauszuholen als sie.

Wie das denn? Nun, er hat auch noch einen getrennten Deal ausgehandelt, dem zufolge Berkshire während der kommenden fünf Jahre einen Anteil von 20 Prozent am neuen Sach- und HUK-Geschäft der Swiss Re übernimmt. Das legt nahe, dass Buffet mit den Zeichnungskriterien der europäischen Gesellschaft zufrieden ist, selbst in einem nachgebenden Markt. Aber wenn die Swiss Re in einem ähnlichen Tempo wie 2006 und 2007 Geschäfte zeichnet, dann könnte Berkshire allein in diesem Jahr Einnahmen über drei Mrd. Dollar und mehr einstreichen und, möglicherweise, jährliche Betriebsgewinne, die höher als ihre Gesamtinvestition in die Aktien des Rückversicherers sind. Die Einnahmen und der Betriebsgewinn der Swiss Re könnten entsprechend fallen.

Diese Einnahmen aus der Rückversicherung haben auch noch einen europäischen Aspekt, der gut zu dem erklärten Ziel von Buffett passt, seine Investitionen, wo immer es ihm möglich ist, in Geschäfte zu streuen, die nicht in Dollar abgerechnet werden. Und was die Absicherung gegen mögliche Verluste angeht, denkt er vielleicht, dass die Kombination aus Investition und Geschäftverbindung ihm einen festen Platz an der Tafel einbringen könnte, falls sich das Geschäft der Swiss Re verschlechtert.

Sicher, auch die anderen Aktionäre der Swiss Re können zufrieden sein. Neben der Empfehlung für das Unternehmen durch Buffett, setzt der Rückversicherungsvertrag von Berkshire – im Gegensatz zu der Beteiligung, die über den offenen Markt erworben wurde – Kapital frei, das die Schweizer zum Teil für den Rückkauf von Aktien verwenden wollen. Aber es wäre schon weit hergeholt, den Optimismus allzu sehr auf Konkurrenten wie die Münchener Rück, deren Aktien nicht ganz so schwer gelitten haben, auszudehnen – vom breiteren Finanzsektor ganz zu schweigen.

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