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19.01.2010

08:08 Uhr

Chile

Rückkehr zum Vollblutkapitalismus

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Der Sieg von Sebastian Pinera bei den chilenischen Präsidentschaftswahlen könnte signalisieren, dass das Land zu einer Art des Vollblutkapitalismus der Pinochet-Jahre zurückkehrt. Wenn autoritäres Gehabe und Korruption vermieden werden - und das Wachstum kräftig ausfällt - könnte Chile andere Länder Lateinamerikas vom sozialistischen Populismus wegzulocken.

Der Sieg von Sebastian Pinera bei den Präsidentschaftswahlen in Chile könnte signalisieren, dass wieder eine Art Vollblutkapitalismus Einzug in Lateinamerika hält. Wenn der neue chilenische Präsident das umsetzt, was er in Aussicht gestellt hat - wovon plausibler Weise ausgegangen werden kann -, werden sich andere Länder vielleicht weniger vom sozialistischen Populismus angezogen fühlen, wie ihn Venezuelas Staatschef Hugo Chavez verkörpert.

Pinera ist der politische Erbe von Augusto Pinochet, dem autoritären und an der freien Marktwirtschaft orientierten Präsidenten von Chile in den Jahren 1973 bis 1989. Während die Erinnerung an die Gewalt verblasst, die von Pinochets Regime ausging, haben dessen starke wirtschaftlichen Leistungen an Anziehungskraft gewonnen.

Die chilenische Mitte-rechts-Partei war bei den Präsidentschaftswahlen 2000 fast an die Macht gekommen. Jetzt hat Pinera, der der Regierung Pinochets nahe stand, aber nicht direkt in sie eingebunden war, die Chance zu zeigen, was sich mit dem Kapitalismus erreichen lässt. Er kann das Erbe seines Bruders Jose antreten, der unter Pinochet in Chile ein privatisiertes Sozialversicherungssystem eingeführt hatte. Das System, das ein weltweites Novum darstellt, war von der scheidenden Mitte-links-Regierung 2006 zwar abgeändert, aber nicht abgeschafft worden.

Nach den historischen Standards Lateinamerikas kann sich die jüngste wirtschaftliche Bilanz Chiles sehen lassen. Das Jahreswachstum des Bruttoinlandsprodukts lag seit 2000 im Durchschnitt bei vier Prozent. Das Land hat sich während des Abschwungs der Jahre 2008 und 2009 bemerkenswert erfolgreich geschlagen, unterstützt durch einen 19 Mrd. Dollar schweren Fonds, der mit Hilfe der Gewinne aus Kupferexporten aufgebaut worden war.

Doch die Wachstumsraten sind dennoch hinter den Zunahmen zurückgeblieben, die das Land während der späteren Jahre der Amtszeit Pinochets registriert hatte. Pineras Erwartung, ein jährliches BIP-Wachstum von sechs Prozent erreichen zu können, und zwar über Steueranreize, Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bessere Bildung, ist glaubwürdig.

Linksgerichtete Politiker - nicht nur Chavez, sondern auch Cristina Kirchner in Argentinien und der moderatere Inacio Lula da Silva in Brasilien - haben in den vergangenen Jahren die Politik in Lateinamerika beherrscht. Mexiko war das Paradebeispiel einer Mitte-Rechts-Regierung, doch die wirtschaftliche Entwicklung unter Vicente Fox und Felipe Calderon war glanzlos verlaufen. Beide waren davor zurückgescheut, gegen die rigide Parteidoktrin vorzugehen.

Pinera will nach seinen eigenen Worten die Korruption bekämpfen und das autoritäre Gebaren der Pinochet-Ära vermeiden. Wenn Pinera all seine Versprechen hält, dann wird Chile den übrigen Ländern Lateinamerikas in nächster Nachbarschaft ein nachahmenswertes Beispiel dafür liefern, wie erfolgreich die freie Marktwirtschaft funktionieren kann. Das wäre eine gute Neuigkeit - nicht nur für die Chilenen.

Kommentare (1)

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Denkerist

19.01.2010, 13:37 Uhr

Es ist erbärmlich, daß hier in der Übersicht auf das Vermeiden von "autoritäres Gehabe und Korruption" hingewiesen wird. Was viel wichtiger ist, auch auf Tausende Morde muß verzichtet werden. Hundertmal mehr übrigens als in der sog. DDR-Diktatur. Und das in einem Vollblutkapitalismus.
Das nenne iCH Verharmlosung!!!!!!!!!!!!

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