Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2010

10:16 Uhr

China

Das Zentrum der Weltwirtschaft liegt jetzt in Asien

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die neue Freihandelszone Chinas mit Ländern des Verbands Südostasiatischer Staaten stellt eine bedeutende Verlagerung im Gefüge der globalen Wirtschaft dar. Der Handel Südostasiens mit China übersteigt bereits den mit den USA. Zwar übertrifft der Handel Chinas mit den USA immer noch beides, doch das könnte sich - zum Unbehagen Amerikas - bald ändern.

Ein ursprüngliches Freihandelsabkommen zwischen China und der Asean-Gruppe, das sich auf Rohstoffe bezog, war bereits im Jahr 2004 unterzeichnet worden. Allerdings bringt die neue zollfreie Zone, die Brunei, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand umfasst, eine beträchtliche Intensivierung der Beziehungen zwischen China und den schnell wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens mit sich. Die Übereinkunft schließt die vier ärmeren Asean-Mitgliedstaaten Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam zwar noch nicht mit ein, aber sie deckt den Großteil der Wirtschaftsmacht dieses Blocks ab.

Und diese Wirtschaftskraft richtet sich immer stärker in Richtung China aus. Der Handel zwischen dem Asean und dem Reich der Mitte erreichte im Jahr 2008 ein Volumen von 231 Mrd. Dollar und überstieg damit den Betrag von 202 Mrd. Dollar an Waren und Dienstleistungen, die zwischen dem südostasiatischen Verband und den USA ausgetauscht wurden.

Vorerst mag China seinen Beziehungen zu Amerika immer noch eine größere Bedeutung zumessen: Der bilaterale Handel zwischen China und den USA erreichte 2008 rund 407 Mrd. Dollar und damit fast das Doppelte des Volumens, das zwischen der Volksrepublik und den Asean-Mitgliedern gehandelt wurde. Aber die südostasiatischen Volkswirtschaften und China selbst wachsen schneller als die USA oder die Europäische Union und werden von den Folgen der globalen Finanzkrise weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.

Dies bedeutet, dass die relative Bedeutung der neuen asiatischen Freihandelszone innerhalb der globalen Wirtschaft rasch zunehmen wird, auch wenn die Übereinkunft zwischen China und dem Asean nicht so umfassend gestaltet ist wie die EU oder selbst das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und einen kleineren Wirtschaftsblock abdeckt als jeweils diese beiden.

Ganz frei von gegenseitigen Vorbehalten ist das Abkommen allerdings nicht. Zollfremde Handelshemmnisse bleiben bestehen. So beharrt zum Beispiel Indonesien darauf, dass die chinesischen Stahlunternehmen qualitativ bessere Produkte abliefern müssen, bevor diese auf dem indonesischen Markt zugelassen werden. Trotzdem fußt die Beziehung zwischen China und dem Asean auf einem viel robusteren Fundament als das vorhergehende gleichgelagerte Projekt, die notorische, von Japan ausgehende "Greater East Asia Co-Prosperity Sphere" während des Zweiten Weltkriegs.

Während die chinesische Wirtschaft an der japanischen vorbeizieht und mit Leichtigkeit zur zweitgrößten der Welt wird - und während die südostasiatischen Länder schnell wachsen -, werden sich die traditionellen Machtsphären verlagern. In Washington wird dieser Prozess Unbehagen hervorrufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×