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20.01.2010

14:52 Uhr

China

Wenn der Riese den Hahn zudreht

VonWei Gu (breakingviews.com)

Die Bankenaufsicht scheint einigen Kreditinstituten einen Bremskurs verordnet zu haben. Noch ist der restriktive Effekt jedoch noch sehr begrenzt. Die Kreditquoten für 2010 wurden bisher nicht angepasst. Das könnte auch die eher lethargische Reaktion des Marktes erklären.

Weltweit wächst die Nervosität vor dem Bremskurs, den die Chinesen ihrem sprudelnden Finanzsystem verordnen könnten. In dieser Woche befahl Peking einigen Banken ihre Kreditvergaben zu drosseln. An den Märkten wurde das nicht gut aufgenommen. Die restriktiven Maßnahmen sind bislang jedoch bescheiden.

Rund eine Billion Yuan (161 Milliarden US-Dollar) an neuen Krediten wurden in der ersten Januarhälfte bereits vergeben, verglichen mit 1,6 Billionen im gesamten Januar 2009. Das ist weitaus mehr als es nach den behördlich verordneten Kreditgrenzen von 7,5 Billionen Yuan für das Gesamtjahr 2010 sein dürfte.

Für die Bankenaufsicht könnte allerdings das Timing eine genauso große Rolle spielen wie die Frage der aktuellen Einschnitte. Im vergangenen Jahr wurden in den ersten drei Monaten fast die Hälfte aller neuen Kreditverträge geschlossen. Sie sorgten für heftige Schwankungen im Wirtschaftsgeschehen. 2010 soll nach dem Willen der Politiker gleichmäßiger verlaufen. Die höheren Reserveerfordernisse, die einige Banken jetzt erfüllen müssen, werden in drei Monaten wieder auslaufen, sodass die betroffenen Institutionen im weiteren Verlauf des Jahres wieder mehr Kredite vergeben können.

Diese Überlegungen können vielleicht auch erklären, warum die Reaktion am Markt, obwohl negativ, so doch relativ begrenzt ausfiel. Lokal fielen die Kurse an der Börse Shanghai um drei Prozent, nachdem sie zuvor vier Tage in Folge gestiegen waren. Aus dieser Reaktion des ohnehin volatilen Index lässt sich nicht viel ableiten.

Investoren sollten allerdings damit rechnen, dass China in den nächsten Monaten weitere Restriktionen verordnet. Die Politiker sind zu Recht besorgt, dass der erneute Überschwang in der Wirtschaft gefährlichen Inflationsdruck erzeugen könnte. Sie dürften dementsprechend versuchen, der Gefahr mit zahlreichen restriktiven Minischritten zu begegnen.

Damit riskieren sie aber auch, den Finanzexzessen hinterherzuhinken, sodass es im Verlauf des Jahres noch zu stärkeren Maßnahmen kommen könnte. Die Märkte dürften also nervös bleiben und sich weiter Sorgen um einen potenziell zu schwachen oder auch zu starken Bremskurs machen.

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