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08.01.2009

18:41 Uhr

Chinesische Banken

Kasse machen ist vernünftig

VonJohn Foley (breakingviews.com)

Westliche Banken habe gute Gründe, einige ihrer mit chinesischen Bankbeteiligungen erzielten Papiergewinne von 25 Milliarden US-Dollar zu realisieren. Die Anteilsverkäufe mögen schlecht für die Aktienkurse sein, doch Chinas Banken sollten einige neue strategische Investoren willkommen heißen. UBS, RBS und ihresgleichen im Aktienregister zu haben, ist nicht mehr der Segen, der es einmal war.

Aktien verkaufen ist eine politische Angelegenheit in China. Doch obwohl offizielle Stellen hypersensibel auf Äußerungen reagieren, denen zufolge das Finanzsystem Chinas nicht grundsolide ist, brauchen sie dennoch nicht rot zu sehen, wenn westliche Banken ihre Anteile an einigen der größten Banken des Landes zu Geld machen. UBS, Bank of America oder Royal Bank of Scotland im Aktienregister zu haben, ist nicht mehr der Segen, der es einmal war. Ein Wechsel könnte sogar eine verdeckte Wohltat sein.

Weil Haltefristen bei Chinas größten Finanzinstitutionen enden, schauen einige strategische Investoren nach dem Ausgang. Die UBS verkaufte ihren 1,3-Prozent-Anteil an der Bank of China im Dezember, die Bank of America hat eine Zwei-Prozent-Beteiligung an der China Construction Bank verkauft, und RBS erwägt die Veräußerung eines 5,2 Milliarden US-Dollar schweren Anteils an der BoC. Ab April werden auch Goldman Sachs, Allianz und Amex in der Lage sein, ihre ICBC-Aktien zu verkaufen.

Das Kasse machen ist vernünftig von den westlichen Banken. Ihre strategischen Anteile an den fünf großen Banken Chinas - ICBC, CCB, BoC, Bank of Communications und Citic - repräsentieren nach einer Analyse von breakingviews einen Papiergewinn von 25 Milliarden US-Dollar. Die Aktionäre in der Heimat könnten das Gefühl haben, dass das Geld anderswo besser angelegt ist. Das gilt vor allem bei der RBS, die keine Dividenden zahlen kann, solange sie nicht im Besitz der britischen Regierung befindliche Vorzugsaktien für 7,7 Milliarden US-Dollar zurückkauft.

Abgesehen davon war der wirkliche Ertrag der China-Investitionen nicht der Kursgewinn, sondern guanxi, oder zu deutsch: Kontakte. Im Gegenzug für die Unterstützung bei Börsengängen bekamen die Banken einen beneidenswert direkten Draht zu wichtigen Offiziellen. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass diese Kontakte nicht weiter gelten, wenn die Anteilsverkäufe in höflicher Form erfolgen. Nebenbei besitzen RBS und BoA inzwischen ABN Amro beziehungsweise Merrill Lynch, die eigene Verbindungen haben, und die UBS hat ihre begehrte Wertpapierlizenz.

Doch es ist kein Nullsummenspiel. Bei den chinesischen Banken bereitet der Abgang der Westler den Weg für eine neue Generation von Investoren, die ihrerseits nach hochrangigen Kontakten suchen. Reiche und ehrgeizige Einzelpersonen vom Festland sind wahrscheinliche Kandidaten, ebenso Staatsfonds, vor allem aus den Golfstaaten, deren Geld noch keine Heimat gefunden hat.

Der Übergang wird allerdings nicht sehr angenehm für Peking. Der Hang Seng Financial Index ist in einem Jahr um 43 Prozent gefallen, und ein massenhafter Ausstieg würde diesen Kursverfall verschlimmern. Doch weil China versucht, sich von den finanziellen Verwerfungen des Westens zu isolieren, kann ein Wechsel hin zu lokaleren oder stabileren Wohlstandsquellen nur zum Guten sein.

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