Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2010

07:58 Uhr

Citigroup

Der Prinz aus Saudi Arabien macht Druck

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Prinz Alwaleed bin Talal sollte sich auf weitere Enttäuschungen gefasst machen. Der saudi-arabische Investor und einer der größten Aktionäre der Citigroup verlangt von Bankchef Vikram Pandit, dass er mit der Bank eine Kehrtwendung vollzieht. Noch in diesem Jahr soll sie einen annehmbaren Ertrag abwirft. Das dürfte schwierig werden.

Prinz Alwaleed bin Talal muss sich bei der Citigroup noch ein wenig in Geduld üben. Zwar zeigt sich die Bank wieder leistungsfähiger. Aber der saudi-arabische Investor verlangt, dass das Institut noch in diesem Jahr eine Kehrtwendung vollzieht. Basierend auf den Ergebnissen im vierten Quartal wird dies schwierig werden. Problematische Vermögenswerte stellen nach wie vor eine große Belastung dar. Dazu kommt ein peinlicher Bilanzierungspatzer über 840 Mill. Dollar. Bankchef Pandit wird zu kämpfen haben, um Alwaleeds Ziel zu erreichen.

Zunächst einmal musste der Bankenriese bei der Ergebnisvorlage am Dienstag einen Patzer über 840 Mill. Dollar eingestehen, der daraus entstanden war, dass in den vorhergehenden Quartalen die Bewertung der eigenen Schuldtitel der Bank falsch berechnet worden war. Dies muss gemäß den Bilanzierungsregeln erfolgen, aufgrund derer die Banken ihre Verbindlichkeiten einem Neubewertungsprozess unterwerfen müssen. Dass hier Fehler gemacht wurden, ist peinlich. Man gewinnt den Eindruck, dass die Citigroup ihre eigenen Zahlen nicht recht im Griff hat.

Davon einmal abgesehen entwickelt sich die Bank wieder positiver. Das Ausmaß der Verluste hat sich verringert, da sich die Wirtschaft stabilisiert hat. Die Gewinne aus Asien und Lateinamerika weisen eine steigende Tendenz auf. Und die Bank scheint die jährlichen Aufwendungen unter Kontrolle zu haben - auch wenn sie gegenüber dem dritten Quartal ein wenig zulegten. Dies sind allesamt ermutigende Zeichen.

Nach wie vor eine große Belastung stellen allerdings die problematischen Vermögenswerte dar. Im Berichtsquartal konnte die Citigroup zwar weitere 70 Mrd. Dollar an Unrat entsorgen, doch in der Abwicklungseinheit der Bank, Citi Holdings, schlummern immer noch unerwünschte Vermögenswerte über 547 Mrd. Dollar. Davon entfallen rund 355 Mrd. Dollar auf Verbraucherkredite - wobei die Hälfte aus US-Hypothekendarlehen besteht -, die en gros nicht leicht verkäuflich sind und die nicht notwendigerweise zum Fair Value bewertet wurden. Bleibt ein kräftiger Wirtschaftsaufschwung aus, dürften diese Papiere wahrscheinlich weitere Verluste verursachen, nachdem in den drei Monaten per Dezember Einbußen über 2,5 Mrd. Dollar verbucht worden waren.

Gleichzeitig ist die Citicorp, die die Kerngeschäftsbereiche der Bank umfasst, noch nicht in der Lage, diese Verluste zu überwinden. Citicorp hatte zum Beispiel im vergangenen Quartal 1,7 Mrd. Dollar verdient. Nehmen wir einmal an, sowohl die Einnahmen als auch die Aufwendungen erhöhten sich um je zehn Prozent und die Erhöhungen der Reserven für Kreditverluste sänken kräftig auf 500 Mill. Dollar je Quartal, dann würde Citicorp, wenn man die Sonderposten herausrechnet, im Quartal nur knapp über drei Mrd. Dollar nach Steuern verdienen. Geht man zudem davon aus, dass sich die Verluste der Citi Holdings im gleichen Tempo weiterentwickeln, dann würde die Citigroup als Ganze auf das Jahr hochgerechnet nach wie vor nur eine magere Eigenkapitalrendite von etwas über zwei Prozent erzielen.

Nimmt man das Portfolio toxischer Papiere der Citi Holdings ganz aus der Gleichung heraus, dann würde diese Eigenkapitalrendite auf rund neun Prozent steigen. Verglichen mit den Verlusten der beiden vergangenen Jahre wäre dies zwar begrüßenswert. Aber herausragend ist dies kaum zu nennen. Und da die faulen Vermögenswerte immer noch mit im Spiel sind, dürfte Pandit aller Wahrscheinlichkeit nach seine liebe Mühe damit haben, die Kehrtwende hinzulegen, die Prinz Alwaleed sich wünscht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×