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11.01.2010

16:38 Uhr

City Talk

Die Banker müssten Labour kräftig die Daumen drücken

VonMichael Maisch

Die Wahlen entwickeln sich für Londons Finanzbranche zum unkalkulierbaren Risiko. Vor allem, seit die Politiker das Thema "Zerschlagung" entdeckt haben.

Den Spitznamen "Prinz der Finsternis" hat sich der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson in vielen Jahren als Strippenzieher der Labour-Partei, die mit ihren Rankünen jeder Shakespeare-Tragödie Ehre machen würde, redlich verdient. Erst in der vergangenen Woche musste Mandelson erneut einen Putsch gegen den glücklosen Premier Gordon Brown ersticken. Dabei galten Brown und Mandelson lange als Intimfeinde.

Eine ebenso amüsante wie unbewiesene Anekdote besagt, dass Mandelson vor kurzem ein paar Tage auf dem Landsitz von Freunden verbracht habe und einer der Sprösslinge der Gastgeber von ihm wissen wollte, warum er Brown immer wieder helfe, wenn er ihn doch nicht leiden könne. Mandelsons angebliche Antwort: "Er ist doch das einzige Spielzeug, das ich habe."

Dieses Spielzeug könnte Mandelson allerdings schnell abhandenkommen. Schließlich stehen bald Neuwahlen in Großbritannien an, und die konservative Opposition sieht wie der große Gewinner aus. Oder doch nicht? Zwar liegen die Tories in den Umfragen noch immer deutlich vor Browns angeschlagener Mannschaft. Aber wegen des Mehrheitswahlrechts und der komfortablen Mehrheit von Labour im aktuellen Parlament könnte am Ende trotzdem ein Patt und damit der Zwang zu einer Koalition mit der dritten Kraft im Lande, den Liberaldemokraten, stehen. Das macht den Wahlausgang für die ohnehin tief verunsicherten Banker in der Londoner City noch unkalkulierbarer.

Gestern streute der Parteichef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, erneut Salz in die Wunden der Finanzmanager. So offen und nachdrücklich wie kein anderer Politiker forderte Clegg eine Aufspaltung der Großbanken. Weil sich große Geldhäuser darauf verlassen könnten, dass sie im Notfall vom Staat aufgefangen würden, gingen sie systematisch zu hohe Risiken ein, warnte Clegg. Deshalb lasse sich nur durch eine Teilung eine Wiederholung der Finanzkrise verhindern. Aber selbst wenn die Liberaldemokraten tatsächlich die Rolle des Junior-Partners in einer britischen Koalitionsregierung übernehmen sollten, hieße das natürlich noch nicht, dass Cleggs radikale Pläne wirklich in die Tat umgesetzt würden. Ein klein wenig wahrscheinlicher ist die Zwangsteilung der Dickschiffe im Bankensektor seit gestern allerdings schon, schließlich haben auch die Konservativen bereits öffentlich mit einer Aufspaltung der Großbanken geliebäugelt.

Die größte Gefahr droht wohl den teilverstaatlichten Instituten Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group, deren Zukunft die nächste Regierung als Großaktionär direkt beeinflussen kann. Aber auch den Top-Managern von Barclays und HSBC dürften Cleggs Pläne keine Freude bereiten. Am Ende müssen die Banker trotz Bonussteuer und anderer Attacken auf die City doch noch Labour die Daumen drücken. Immerhin ist Browns Partei inzwischen die einzige, die einer Aufspaltung der Großbanken eine klare Absage erteilt hat.

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