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08.01.2009

07:59 Uhr

CITY TALK

Zarte rosa Wölkchen am schwarzen Konjunkturhimmel

VonMichael Maisch

Hier sind wir also. 2009, das Jahr, das keiner braucht. Das Jahr, bei dem man am liebsten sofort die Fast-Forward-Taste drücken würde. Krise, Krise und noch einmal Krise. Und nicht einmal eine Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaft, die einen ein bisschen über das ganze Elend hinweg trösten könnte.

Aber vielleicht hilft ja schon die Erkenntnis, dass der Himmel an Silvester wider Erwarten doch nicht eingestürzt ist und dass das Leben, auch das wirtschaftliche, trotz der schlimmsten Misere seit Menschengedenken weitergeht.

Schauen wir also einmal, ob sich vielleicht nicht sogar schon ein paar sicherlich noch sehr zarte rosa Wölkchen am schwarzen Konjunkturhimmel zeigen. Am schnellsten wird man an den Börsen fündig. Tatsächlich sind die europäischen Aktien 2009 so gut in ein neues Jahr gestartet wie seit 13 Jahren nicht mehr. Natürlich ist das etwas übertrieben und wahrscheinlich nur eine Bärenmarktrally, auf die schon bald ein neuer Kursrutsch folgt - aber immerhin.

Und es gibt weitere Hoffnungssignale: Am Geldmarkt, wo sich die Banken gegenseitig Geld leihen, beziehungsweise in den vergangenen Monaten eben nicht geliehen haben, sind die Zinssätze kräftig gesunken. Im Vergleich zur Panik nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers haben sich die Risikoaufschläge fast halbiert, und der Terminmarkt zeigt, dass die Anleger auf eine weitere Entspannung setzen. Das könnte ein echtes Hoffnungszeichen sein, spricht die Entwicklung am Geldmarkt doch dafür, dass das Vertrauen ganz allmählich in die Finanzbranche zurückkehrt, und das ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für ein Ende der großen Krise.

Sollten sich die zarten rosa Wölkchen am Ende doch noch als Fata Morgana erweisen, bliebe zumindest ein letzter Trost. Wirtschaftliche Krisenzeiten waren oft kulturelle Blütezeiten, siehe Deutschland in den 20er-Jahren oder Großbritannien in den 80ern. Geht die Wirtschaftswelt unter, können wir uns doch auf viele kreative Höchstleistungen in diesem Jahr freuen.

Wem dieser Trost allerdings zu schwach ist, der sollte sich wie der Autor dieser Kolumne dem Silvesterwunsch des Hamburger Popmusikers Bernd Begemann anschließen, dem "bessere Zeiten und schlechtere Lieder" lieber wären.

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