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14.10.2011

09:26 Uhr

Connellys Corner

Auslaufmodell Schweiz?

VonAnne Connelly

Das traditionelle, inoffizielle Geschäftsmodell der Schweizer Vermögensverwaltungen steht vor dem Aus. Schafft die Schweiz den Turn-Around?

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Die wohlgekleideten und erfolgsverwöhnten Schweizer Banker und Vermögensverwalter kommen dieser Tage arg in Bedrängnis. Anklagen in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung versierter Banker machen zum wiederholten Male  die Runde.

Steuerabkommen mit Ländern wie den USA und Deutschland haben das wertvolle Bankgeheimnis weitestgehend ausgehöhlt. Somit gerät das bewährte Geschäftsmodell endgültig ins Wanken.

Das Steuerabkommen entzieht vielen Vermögensverwaltern ihre Geschäftsbasis, da diese sich meist auf „Steueroptimierte Anlagen“, die feine Umschreibung für Steuerhinterziehung, spezialisiert haben.

Hinzu kommt, dass turbulente Märkte ihnen und ihrer verwöhnten, wohlhabenden Kundschaft den Alltag erschweren. All dies macht den Erhalt von Kunden schwierig und eine Neukundenakquise im traditionellen Kundensegment fast unmöglich.  

Um ihre Spitzenposition bei der Verwaltung von Vermögen zu wahren, bedarf es einer Neuorientierung. Es gilt die eigentlichen Stärken, die die Schweiz bietet, in den Vordergrund und unter Beweis zu stellen. Ihre  lange Tradition, guter Service und große Kompetenz bei der Geldanlage und Betreuung großer Vermögen sind unbestritten.  Dies ist heutzutage mehr gefragt, denn je. Das politisch stabile Land mit einer harten Währung sind weitere, wichtige Faktoren.

Diese Argumente werden gerne beworben, aber für mich hat es etwas Scheinheiliges. Gespräche mit Schweizer Vermögensberatern vergangene Woche lassen mich an der Ernsthaftigkeit des notwendigen und nachhaltigen Umdenkens zweifeln. Gerne stellt man die Stärken in den Vordergrund, einfacher ist es aber neue Kunden mit alten Argumenten für steueroptimierte Anlagen anzuwerben. 

Nun orientierten sich die Banker in Richtung Asien, um den Wegfall deutscher oder amerikanischer Kunden mit reichen, asiatischen Kunden zu kompensieren.  Doch lieber weiter so, bis Steuerabkommen mit asiatischen Ländern drohen? Turn-around geht anders.

 

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kommentare (1)

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bjarki

15.10.2011, 15:10 Uhr

Das Grundübel der Schweizer, welche mit den Steuerabkommen zweifellos Ihre Zukunft verspielt haben ist der Vertragsbruch. Jeder Anleger ging einen Vertrag mit der Schweiz ein, den diese gebrochen hat. Ein Zerwürfnis, dass nie mehr zu kitten ist. Noch dazu unter Federführung der Deutschen, die selbst alles andere als ehrenhaft sind. Der konzeptionslose deutsche Abhör und Steuerstaat, spielt den Moralapostel - die Schweiz verspielt ihre Zukunft. Ein Trauerspiel.

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