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27.01.2012

09:26 Uhr

Connellys Corner

Digitale Rattenfänger

VonAnne Connelly

Soziale Netzwerke und digitale Gewohnheiten schaffen neue Freiheiten. Und neue Abhängigkeiten. Welchen Preis zahlen wir dafür?

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Unser privater und beruflicher Alltag ist digital. Informationen über Wikipedia beziehungsweise Google und das Web einholen und austauschen, berufliche und private Freundschaften per Xing oder Facebook pflegen und knüpfen, E-Mails ersetzen das Briefeschreiben und seit es Twitter gibt, ist das Zwitschern längst nicht mehr den Vögeln vorbehalten.

Diese Liste ist sehr lang und wird täglich länger. Sie reicht tief in alle Lebensbereiche. Die Vorzüge sind leicht zu verstehen. Doch verstehen wir die Abhängigkeit in die wir uns begeben? Und verstehen wir den Preis, den jeder Einzelne hierfür zahlen muss?

Das neue Kommunikationsverhalten ist in der Tat revolutionär. Politiker werden zu einem neuen Niveau an Transparenz gezwungen. Dilettantisch abgeschriebene Doktorarbeiten haben heute keine Chance mehr. Diktatoren gehen im arabischen Frühlingsgezwitscher unter. Spontane Flashmob-Partys stellen die Ordnungshüter vor neue Aufgaben. Und das Allerbeste: Die Nutzung von Wikipedia, Facebook, Google und Co. ist für Anwender kostenfrei.

Dieser Rattenfänger-Trick funktioniert prima und revolutioniert die Welt wie wir sie kennen. Der Einzelne wird schnell zur wahrhaftig erkennbaren Masse und wird damit sehr mächtig. Diese sehr positiven Entwicklungen hin zu mehr Basisdemokratie prägen unsere Gesellschaft nachhaltig. Gleichzeitig stellt sie uns vor neue Herausforderungen und schafft ganz neue Abhängigkeiten.

Wenn Wikikpedia beschließt, seine Plattform aus Protest gegen drohende Gesetzesverschärfungen einfach mal so abzudrehen, beginnt die verzweifelte Suche nach dem guten alten,  gedruckten Lexikon. Und wo steht das in meinem papierlosen Büro? Erliegt man der Versuchung, all seine Kontaktadressen in der Wolke eines E-Mail-Anbieters zu parken, dann ist der Ausfall des Internets gleich einer nuklearen Katastrophe. Wer merkt sich noch die Telefonnummer seiner Freunde?

Abgesehen von den inzwischen vertrauten Bequemlichkeiten des digitalen Alltags, schafft es bedenkliche Umstände. Für mein angeblich kostenfreies privates E-Mail-Konto zahle ich einen sehr hohen Preis. Die Nutzungsbedingungen sind der digitale Strick für meine Privatsphäre. Jedes Wort darf gefiltert werden und für Werbezwecke seitens des Anbieters genutzt werden.  Selbstverständlich alles im Rahmen des Gesetzes und selbstverständlich alles vertraulich.

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