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11.11.2011

09:51 Uhr

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Ist Blackberry eine Frucht? Ist das iPad (hier:  eye pad) etwas, dass man sich auf die Augen legt nach einer langen Nacht? Ist Twitter Gezwitscher? Schreibt man Amazon nicht Amazonas? Ein bayerischer CSU-Politiker würde diese Fragen wohl mit einem krachenden „Ja“ beantworten.

Soviel zur Symbiose aus Tradition und Moderne, soviel zu Laptop und Lederhose. Verfolgt man die Diskussion um das beschlossene Betreuungsgeld so könnte man meinen, es hätte den angetretenen Siegeszug des iPads über den Laptop und den Eintritt der Dirndl in die Wirtschaftswelt der Lederhosen nie gegeben.

Ich finde das beschlossene Betreuungsgeld für Kleinstkinder ab dem Wahljahr 2013 überhaupt nicht lustig. Dieser Meinung sind auch die gängigen Medien und Parteien, außer der CSU.

Die CDU versucht gute Miene zum bayerischen Spiel zu machen.  Vergessen die lobenswerten und kostengünstigen Vorstöße von Familienministerin Schröder für eine bessere Zeitpolitik für Familien. Vergessen die neuesten Erkenntnisse, dass Geld kein weiterer Anreiz ist mehr beziehungsweise überhaupt Kinder zu bekommen.  Vergessen, dass bildungsschwache und sozial schwache Schichten über eine frühe Einbindung in Betreuungseinrichtungen bessere Zukunftschancen erfahren. Vergessen, dass selbst die CSU mehr Frauen in ihren Führungsebenen fordert. Die Liste lässt sich fortführen.

Ich bin enttäuscht. Das Betreuungsgeld, insofern es bar ausgezahlt wird, ist ein Schritt zurück und sendet die falschen Signale. Es verteilt unnötig Geld und schafft die falschen Anreize. Mütter und Väter sollten entscheiden können, ob sie ihre Kleinkinder selbst betreuen möchten, in einer Kita oder bei einer Tagesmutter.

Leider sind diese Wahlmöglichkeiten nicht hinreichend gegeben, da es nicht genügend Betreuungsmöglichkeiten gibt. Diese werden trotz Rechtsanspruch in zwei Jahren nicht flächendeckend vorhanden sein. Anstelle Geldgeschenke, die wir uns nicht leisten können und nicht brauchen, zu verteilen, sollte die Energie und das Geld auf sinnvolle, zukunftsgerichtete Investitionen verwendet werden. 

Die Generation „Laptop und Lederhosen“ hadert mit der Generation „iPad und Dirndl“. Das ist schade. Braucht der iPad doch nach wie vor einen Laptop. Genau wie die Dirndl die Lederhosen.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kommentare (2)

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M_Koecher

12.11.2011, 17:32 Uhr

Wer wird das Betreuungsgeld in erster Linie nutzen?

Nicht Erwerbstätige natürlich - deren Kita-Plätze zumeist auch von den Sozialkassen "gesponsert" werden.

Eine Win-Win-Situation:

Die Sozialschwachen erhalten das, was sie sonst mittelbar für die Ganztagesbeteuung bekommen hätten (wahrscheinlich weniger). Die Kita-Plätze werden durch die Gebühren von Erwerbstätigen finanziert, die dank der Daheimgebliebenen ja nun ihren Rechtsanspruch auf Betreuung erfüllt bekommen.

Wer da mäkelt, die Kinder aus sozial schwachen Familien seien besonders auf die Förderung angewiesen, da sie diese daheim nicht erhalten, begreift nicht das Konzept der Gesamtschule!

Wenn die guten Schüler ihre Aufgaben erledigt haben, während die schwachen nocht nicht einmal recht begonnen haben, können die guten Schüler die schwachen dann fördern. Das trainiert ihre Sozialkompetenz und ihre Nahkampferfahrung, wenn sie auf dem Nachhauseweg verprügelt werden, weil sie die Aufgeben-Lösungen nicht einfach zum Abschreiben rübergereicht hatten.

Und die Länder können Planstellen für Lehrer einsparen, womit wieder Geld für sinnvollere Strukturmaßnahmen frei wird.

Das ist durch und durch eine Win-Win-Situation.

Oder etwa nicht..?

Koboldo

16.11.2011, 06:38 Uhr

Das ständige Profilierungsgehabe der Parteien auf Kosten der Steuerzahler unter gleichzeitigem Aufbau einer kostenintensiven Bürokratie sollte endlich der Vergangenheit angehören! Seehofer samt CSU haben sich in diesem Fall wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Es wird so langsam Zeit, dass diese Partei in der Gegenwart ankommt und sich den Notwendigkeiten des Heute stellt, statt aus reiner Profilierungssucht immer neue Tätigkeitsfelder zu beackern versucht.

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