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23.09.2011

10:35 Uhr

Connellys Corner

Lehrgeld für Anleger

VonAnne Connelly

Eine hohe Rendite ist stets mit Risiko verbunden, dies macht das BGH-Urteil zu den Lehman-Zertifikaten deutlich. Viele Anleger haben diesen Zusammenhang lange ignoriert.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Das neueste Grundsatzurteil des BGH für geschädigte Anleger von Lehman Zertifikaten erinnert an die Unzulänglichkeiten der deutschen Finanzindustrie. Die eingereichte Klage spiegelt, wie so manch andere, die enttäuschte Erwartungshaltung  eines Anlegers wieder.  Dann beginnt die Suche nach der Schuldzuweisung. 

Was erwarten Anleger?  Höchstmögliche Rendite und nur kein Risiko beim Investieren  - das ist der Traum jedes Anlegers. Unvereinbar wie Profis wissen. Anleger müssten dies auch wissen.  Leider lassen sich die notwendigen Grundkenntnisse hierzulande scheinbar nur erwerben, wenn vorher Lehrgeld fließt und zwar möglichst viel.

Im deutschen Schulsystem fehlt dieser wichtige Themenblock. Diese mangelnde Kenntnis führt  zu falschen Vorstellungen von Sicherheit. Er führt dazu, dass  Garantieversprechungen gefordert werden. Auch Garantien jedoch kosten Geld und sind nur so gut wie die Qualität des Garantiegebers.

Unkenntnis führt auch dazu, dass die Frage nach der Verpackung einer Anlage fast nie gestellt wird. Und wenn doch, dann versteht niemand die Antwort. Schade eigentlich.   Dass Zertifikate Schuldverschreibungen sind und ein Totalverlust bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten eintreten kann, ist ebenfalls eine dieser schmerzhaft gelernten Lektionen für deutsche Anleger.

Wer viel Lehrgeld zahlt, sucht gerne nach Schuldigen. Und siehe: Finanzberater,  ob unabhängig tätig oder als Bankangestellte, sind - wenig überraschend - nicht von rein altruistischen Motiven geprägt. In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber mit einer Vielzahl von Änderungen versucht, Einfluss auf die Beratungsqualität zu nehmen.  Eine Beratung dem Risikoprofil des Kunden entsprechend ist elementar und mittlerweile Pflicht. Ebenso die Dokumentationspflicht von Beratungsgesprächen. Die notwendige Mindestqualifikation bei Beratern ist eine weitere positive Gesetzesentwicklung. Die Provisionszahlungen für einige Finanzprodukte wie Versicherungen zu deckeln, ist das nächste heiße Eisen, das umgesetzt werden soll.  Das wird maßgeblich den Vertrieb von Produkten beeinflussen und das ist gut so.  Denn Lehrgeld soll nicht nur der Anleger zahlen.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kommentare (3)

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Kleinanleger

30.09.2011, 11:48 Uhr

Seltsamerweise wurden die höchsten Summen von professionellen Anlegern verzockt. Zumindest die hätten es doch wissen sollen, daß Totalverluste drohen können.

Kronecker

04.10.2011, 09:32 Uhr

So lange es Bundeskanzler gibt, die lieber von "Wagnis" als von "Risiko" reden, so lange es schöner ist, von "Wertpapieren" zu sprechen als von "Risikopapieren", so lange es freundlicher klingt, von "toxischen" Wertpapieren zu sprechen als von "wertlosen", wird sich nichts ändern. Und so lange es "cool" ist, von Mathematik keine Ahnung zu haben, schon gar nicht.

Kronecker

04.10.2011, 09:55 Uhr

Frau Connelly, wann waren Sie das letzte Mal in der Schule? Der Themenblock "Wirtschaft, Risken, ... " ist Teil des Wirtschaftsunterrichts, z. B. an Gymnasien, "Risikowissen" gehört zum Mathematikunterricht. Die Schüler haben die Möglichkeit, sich schlau zu machen und "aufs Leben" vorbereitet zu sein. Die Einzigen, die stören, sind die Eltern, die ihre Kinder oft genug daran hindern, Neues dazuzulernen. Elternmütter, z. B. neigen gerne dazu, ihren Töchtern mitzuteilen, dass Mathematik nicht so wichitg sei. Schließlich hätten sie ja auch keine Ahnung davon, und dennoch sei etwas aus ihnen geworden. Nur was?

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